Vertatscha

am 26.03.2018

Vertatscha 2.180 m - 1.150 Hm

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mit dabei:
Andreas (Anderl)



Aufstieg zur Märchenwiese
Dass die Schneelage heuer im Süden besonders gut ist, davon berichten Einträge in diversen Foren schon den ganzen Winter über. Am vergangenen Samstag habe ich mir beim Pistenskilauf mit der Familie in Tarvisio/Lussari selbst ein Bild von den Schneemassen machen können. Und weil die heutige Wetterprognose nur für den Süden der Republik vielversprechend war, sind Andreas und ich wieder einmal ins Bodental gefahren.

Aufstieg zur Pautzrinne, im Hintergrund das Vertatschakar und die Bielschitza
Den exakten Tourenverlauf wollten wir von den Verhältnissen vor Ort abhängig machen. Nach dem Aufstieg entlang der Langlaufloipe bis zur Märchenwiese war schon sehr bald klar, dass wir den Aufstieg über die Pautzrinne fortsetzen wollten. Im Zustieg war der Schnee sehr griffig und rasch haben wir an Höhe gewonnen.

Aufstieg in der Pautzrinne
Mit Unterstützung durch die Harscheisen sind wir der zwischendurch etwas glatten Spur dann noch bis weit hinauf in die Rinne gefolgt. Als der Harschdeckel immer kompakter und glatter geworden ist, haben wir schließlich aufgepackt. Den sehr gut ausgetretenen Stapfspuren sind wir dann weiter in der Falllinie hinauf in Richtung Zlebscharte gefolgt. Die Steigeisen durften vorweg noch im Rucksack bleiben.

Studium der weiteren Aufstiegsroute auf der Zlebscharte
Nach 2 ¼ Std Aufstiegszeit haben wir uns schließlich auf der Scharte eine kurze Jausenpause gegönnt und dabei den weiteren Aufstiegsweg auf die Vertatscha über die Y-Rinne begutachtet. Das Zurückwechseln auf Skier für eine kurze Zwischenabfahrt in die Senke und einige wenige Kehren hinauf in Richtung Rinne wollten wir uns ersparen.

Aufstieg in der Y-Rinne mit Tiefblick zur Selenitza
Dafür haben wir jetzt gleich die Steigeisen montiert und sind entlang der pickelharten Südseite des Pautz und danach in Richtung Y-Rinne angestiegen. Dort sind wir auf vorhandene Stapfspuren slowenischer Alpinisten gestoßen und in diesen weiter bequem nach oben gestiegen.

Andreas am zweithöchsten Punkt der Karawanken
Mit dem unvergleichlichen Tiefblick zurück zur von Pautz und Selenitza umrahmten Zlebscharte und den mächtigen Wechten neben dem Ausstieg über uns sind wir nach oben gekraxelt und haben nach einer Aufstiegszeit von insgesamt 3 Std 25 min (einschließlich der Pause auf der Zlebscharte) den zweithöchsten Gipfel der Karawanken mit seinem einzigartigen Gipfelzeichen erreicht.

Blick zum Hochstuhl (li.); re. der Kosiak
Ab dem Ausstieg aus der Rinne haben wir die Schneedecke an der in den letzten Tagen sonnenausgesetzten Südseite untersucht. Diese war – wie schon entlang der Querung am Pautz – sehr hart. Das hatten wir im Vorfeld zwar erwartet, aber damit gerechnet, dass die erhoffte Sonneneinstrahlung ein oberflächliches Auffirnen bewirken würde. Eine dünne Wolkendecke hat diesen Plan leider vereitelt. Daher haben wir den Plan, über die SW Seite abzufahren, danach weiter ins slowenische Hochstuhlkar aufzusteigen und von dort über den Vertatschasattel und das Vertatschakar ins Bodental zurückzukehren, verworfen.

Abstieg durch die Y-Rinne
Vielmehr haben wir uns wieder auf den Rückweg entlang unserer Aufstiegsroute gemacht. Schon im Anstieg hatten wir festgestellt, dass wegen der heuer außergewöhnlich guten Schneelage die Y-Rinne von ganz oben befahrbar wäre. Aber aus Rücksicht auf die nach uns Aufsteigenden sind wir schließlich in den Fußstapfen des Aufstiegs wieder abgestiegen und haben erst unterhalb des Felsens, wo sich die beiden Rinnenäste vereinigen, an der einzigen abgeflachten Stelle in der Rinne, angeschnallt.

Abfahrt durch die Y-Rinne
Danach sind wir auf der sehr griffigen Unterlage talwärts gebraust. Um nur ja keinen Höhenmeter herzuschenken und einen kurzen Wiederanstieg zur Zlebscharte zu vermeiden, sind wir sehr hoch unterhalb des Pautz hinausgequert. Dort galt es dann, auf der pickelharten Schneedecke, die auch hier nicht aufgefirnt hatte, nicht auszurutschen. Schließlich sind wir dann auf der Wechte die letzten Höhenmeter bis zur Einfahrt in die Pautzrinne hinunter geschwungen.

Einfahrt in die Pautzrinne
Dort hat uns durch den Kamineffekt ein sehr starker Luftstrom von unten auf den ersten Metern Eiskristalle ins Gesicht geblasen und dabei etwas die Sicht geraubt. In weiterer Folge ging es auf dem kompakten Windharschdeckel oder im Triebschnee daneben flott abwärts. Weiter unten in der Rinne ist jedoch der Schnee immer inhomogener geworden und der eine oder andere Schwung grenzte schon an Arbeit.

Einbein-Skitechnik
Bei einem solchen hat es mir eine Bindung aufgschlagen und mein linker Ski hat sich trotz Skistoppers in die Tiefe verabschiedet. Für das Einbein-Skifahren über die nächsten 200 m erhebe ich keinen Schönheitspreis. Ich war nur froh, danach wieder fest auf beiden Beinen - oder besser gesagt auf beiden Skiern - zu stehen, auch wenn der Schnee hinunter in den Rinnenausgang und auch weiter hinunter deswegen nicht besser geworden ist.

Genussschwünge im konservierten Pulver unterhalb der schattigen Nordabstürze
Auf einem vorhandenen Lawinenkegel haben wir trotz der Knollen noch eine halbwegs kompakte Unterlage zum kontrollierten Höhenabbau vorgefunden. Schließlich sind wir über lupenreinen Bruchharsch in einer langen Schrägfahrt in Richtung Vertatschakar hinein gequert. Dort haben wir dann im schattigen Bereich unter den Nordabstürzen unseres Tourenziels noch sehr gut konservierten Pulverschnee vorgefunden.

Abfahrt entlang der Loipe zurück zum Ausgangspunkt
Sehr genussvoll haben wir daher hier die Höhe weiter abgebaut und sind schließlich entlang der von vielen Tourengehern in Richtung Bielschitza und Hochstuhl am Wochenende bei deren Abfahrt ausgefahrenen Bobbahn zur Märchenwiese zurück gefahren. Danach ging es entlang der Loipe zurück zum Ausgangspunkt der Tour beim Bodenbauer.

Meerauge
Nach dem Verstauen der Ausrüstung haben wir uns auf den Weg zur Einkehr gemacht, diesen aber nach wenigen Hundert Metern noch einmal unterbrochen, um einen kurzen Abstecher zum Meerauge zu machen. Diese nach dem Abschmelzen des Bodental-Gletschers nach der Würm-Eiszeit verbliebene Vertiefung wird durch den Grundwasserstrom in den Schwemmschuttschichten des Talbodens gespeist und das Wasser hat eine unvergleichliche, leuchtend türkis-blaue Farbe.

Duett vom gegrillten Branzinofilet und Garnelen
Nach diesem kurzen Ausflug sind wir dann zuerst zum Andi Lausegger gefahren, der hatte zwar nicht zu, wir haben aber niemanden im verwaisten Lokal angetroffen. Schade! Also haben wir uns weiter auf den Weg in Richtung Heimat gemacht und diesen zum Zwecke der längst überfälligen Nahrungszufuhr in Griffen unterbrochen. Der Burger, den Andreas verzehrt hat, wäre vielleicht eher nach Heinrichs Geschmack gewesen als mein Duett vom gegrillten Branzinofilet und Garnelen mit Petersil-Risotto und sautiertem Gemüse aus der istrischen Küche. Eine Schüssel Suppe davor und ein großes Hausbier haben auch den Flüssigkeitsverlust auf der Tour wieder wettgemacht. Und der Kaffee zur Nachspeise hat uns schließlich auch noch für den Rest der Heimfahrt über die Pack wach gehalten.



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