Eisenerzer Reichenstein und Grüblzinken

am 28.04.2018

Eisenerzer Reichenstein 2.165 m, Grüblzinken 1.990 m - 1.360 Hm

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mit dabei:
Philipp und Andreas (Anderl)


Ski tragen bis knapp oberhalb vom Präbichlerhof
Der Frühjahrsklassiker „vor der Haustüre“ mit einer der kürzesten Anfahrten ab Graz schreit an einem sonnigen Frühjahrstag trotzdem nach sehr frühem Aufbruch, weil die erste Steilabfahrt durch die Rote Rinne bereits ab Sonnenaufgang voll beschienen ist. Daher sind wir auch heute schon um 06.27 Uhr auf der Passhöhe am Präbichl gestartet. Mit geschulterten Skiern ging es in frühlingshafter Umgebung anfangs aufwärts. Besonders freut mich, dass es für Andreas, der den Reichenstein schon zu unterschiedlichen Jahreszeiten bestiegen und über den Normalanstieg auch schon befahren hat, endlich einmal gepasst hat, mit dabei zu sein.

Aufstieg aus dem Grübl; der Lawinenkegel li. oberhalb der Bildmitte
Etwas oberhalb vom Präbichlerhof haben wir dann angeschnallt. Entlang der Piste ging es weiter aufwärts ins Grübl. Oberhalb der Sessellift Bergstation hatte am 11. 4. eine riesige Lawine vom Grüblzinken viel mit Steinen und Totholz durchsetztes Material abgelagert. Nachdem wir den Kegel überstiegen hatten, ging es weiter aufwärts über den Aufschwung zum Holzlagerplatz.

Wechtenbruch am Rösllboden
Von da sind wir dann auch noch über die nächste Geländestufe auf Skiern angestiegen, bevor wir im ausgeaperten Übergang zum Rösslboden einmal kurz abgeschnallt haben. Am Vortag hatte es zwar einigermaßen abgekühlt und auch die Abstrahlung in der klaren Nacht hatte gepasst. Trotzdem sind bereits zu diesem frühen Zeitpunkt ein paar Wechtenreste vom Rössl heruntergerumpelt.

Zustieg zur NO Rinne
Entlang der obligaten Aufstiegsroute sind wir auf Skiern auch noch ein gutes Stück über den Steilhang hinauf in Richtung Nordgrat angestiegen. Die schon ganz unten montierten Harscheisen waren dabei eine wertvolle Unterstützung. Schließlich haben wir die Skier aufgepackt und auch die Steigeisen montiert. Philipp hat uns in das dem ausgeaperten Bereich folgende steile Schneefeld schöne Trittstufen getreten. Die Energie dazu hatte er sich in der letzten Woche bei Business Lunches mit bis zu 10 Gängen in Bremen und der Genusshauptstadt Lyon geholt.

Schlussanstieg zum Reichensteingipfel; re. die Reichensteinhütte; re. der Bildmitte der Einfahrtsbereich in die Rote Rinne
In der NO Rinne sind wir dann auf vorhandene Trittstufen gestoßen, über die wir mit den unverwechselbaren Tiefblicken über den Erzberg nach Eisenerz oder zurück ins Grübl recht flott weiter angestiegen sind. Über das auch schon voll in der Sonne liegende Ausstiegs-Schneefeld sind wir schließlich aus der Rinne ausgestiegen. Mit dem Blick vorbei an der Reichensteinhütte zur Roten Rinne sind wir dann noch den letzten Aufschwung zum Gipfel hinauf gegangen. Nach knapp über 2 ½ Stunden Aufstiegszeit (mit Umrüsten) war der erste Tagesgipfel erreicht.

Bedrohliche Wechten nahe der Reichensteinhütte
Obwohl es sehr fein gewesen wäre, jetzt den Gipfelaufenthalt zu zelebrieren, habe ich dort oben zum wiederholten Mal meine ungemütliche Seite ausgepackt und gleich wieder zum Aufbruch gedrängt. Bei solch frühlingshaften Bedingungen kann man mit der Abfahrt durch die Rote Rinne nie früh genug dran sein. Lediglich die Zeit für das Abnehmen der Steigeisen haben wir uns genommen. Dann ging es schon wieder vom Gipfel hinunter. Am Weg zur Reichensteinhütte haben wir bedrohliche Wechten passiert, die bei weiterer starker Erwärmung nicht mehr lange da oben hängen werden.

Winter meets summer vor der Reichensteinhütte
Eine solche ist vor 9 Jahren (13.04.2009) genau in dem Augenblick abgebrochen, als Chris und ich gerade in der engsten Stelle der Abfahrt direkt darunter waren. Die Sache ist zum Glück gut ausgegangen. Nach dem Passieren der Hütte und den davor abgestellten Fahrrädern, die hier oben wohl überwintert haben und eher nicht für Abfahrten verwendet werden, sind wir flott bis zu jener Stelle weiter gegangen, von wo man in die Rote Rinne einfährt. Auch jetzt war nur Zeit zum Abfellen und Umrüsten für die Abfahrt und gleichzeitig für eine kleine Stärkung aus der Trinkflasche.

Das Einhorn schaut zu
Dann sind wir auch schon in die Rinne eingefahren. Die Konsistenz des Schnees war von Beginn an perfekt. Und weil die Schneeoberfläche im - orografisch - rechten Rinnenast, der allerdings eine Spur steiler ist und teilweise im Schatten des Roten Turms liegt, homogener ausgeschaut hat, wie links hinunter, sind wir diesmal dort abgefahren. Der Schnee hat auch hier perfekt gepasst und daher waren die dort gemessenen 54 Grad auch keine Herausforderung.

Etwas ruppige Abfahrt in der Engstelle
Hin zur Engstelle ist der fahrbare Bereich dann immer überschaubarer geworden. Schließlich sind wir mit einem kurzen steilen Abstecher in die tiefe Lawinenschleifbahn nach rechts hinaus gequert. 100 Meter weiter unten haben wir die dort nicht mehr so tiefe Schleifbahn abermals einmal nach links und gleich darauf wieder nach rechts gequert. Und als wir endlich aus der Schusslinie eines möglichen Wechtenbruchs draußen waren, war wieder genussvolles Skifahren angesagt.

Weite freie Firnflächen im Rinnenauslauf; das sehr lange Gleitschneemaul muss rechts umfahren werden
Die weite Firnfläche hinunter ins Kar war zwar durch ein sehr langes Gleitschneemaul wie durch einen Reißverschluss aufgerissen, dieses konnte aber in einem weiten Rechtsbogen um- bzw. am Schluss überfahren werden. Am Schluss ging es dann noch über hervorragenden Firn bis ganz hinunter an den tiefsten Punkt unterhalb der Flanke, die zum Sattel zwischen Vordernberger Zinken und Grüblzinken hinaufzieht.

Nachgeholte Gipfelrast vor dem Wiederanstieg
Bevor wir unseren Aufstieg genau dorthin gestartet haben, haben wir uns jetzt einmal eine ordentliche Pause gegönnt und die Gipfelrast nachgeholt. Während des Jausnens konnten wir den Murmeltieren bei ihren Frühjahrsspaziergängen zuschauen. Und natürlich haben wir sehr oft und lange in die soeben befahrene Rinne zurück hinauf geschaut und uns über weitere mögliche Tourenziele in der Umgebung unterhalten. Auch der Sonnenschutz wollte zu diesem Zeitpunkt wieder einmal erneuert werden.

Wiederanstieg zum Grüblzinken; dahinter die zuvor befahrene Rote Rinne
Schließlich haben wir die Skier wieder aufgepackt und angesichts der bekannten Steilheit des Geländes auch gleich wieder die Steigeisen montiert. Dann sind wir entlang der Schneefelder über uns in einer sehr direkten Linie bis zum Sattel angestiegen. Von dort haben wir noch einmal verifiziert, dass eine Abfahrt durch den größtenteils bereits ausgeaperten Laugensack heuer nicht mehr lohnend ist. Diese ursprünglich angedachte Variante hatten wir eh beim Passieren während der Anfahrt in der Früh schon verworfen gehabt.

Tiefblick über den Schlund knapp unter dem Gipfel zum Präbichl
Daher ging es jetzt weiter entlang des Grats hinauf in Richtung Grüblzinken. Die (Tief)blicke in den Laugensack und weiter bis in die Präbichl–Arena einerseits und in der Projektion zur zuvor befahrenen Roten Rinne auf der anderen Seite haben immer wieder kurze Stopps zum Schauen eingefordert. Eine Stunde nach dem Beginn unseres Wiederanstiegs haben wir schließlich den Schlund unterhalb des Gipfels passiert und gleich darauf den zweiten Tagesgipfel erreicht.

Wie von Zauberhand gehalten: Wechtenreste am Rössl
Hier haben wir uns jetzt eine nächste Pause gegönnt und die alpine Szenerie rund ums uns genossen. Vor allem die Wechtenreste am Rössl hatten es uns angetan. In der Projektion hat es so ausgeschaut, als würden sie von Zauberhand an der steilen Flanke festgehalten und drohten jederzeit abbrechen.

Abstieg vom Grüblzinken an den oberen Wechtenrand
Schließlich haben wir die Rucksäcke wieder geschultert und sind bis an den Rand der Wechte über der Steilrinne hinunter ins Grübl abgestiegen. Dort war jetzt das Umrüsten für die finale Abfahrt angesagt. In erster Linie galt es im steilen Gelände nur darauf zu achten, während des Vorgangs jeden Ausrüstungsgegenstand ordentlich zu sichern. Als alles an seinem Platz fixiert war, konnte die Abfahrt losgehen.

Einfahrt von der Wechte in die Rinne
Zuerst sind wir auf der Wechte bis an ihren tiefsten Punkt gefahren. Dort war die Stufe, über die wir in die firnige Flanke eingefahren sind, nicht mehr allzu hoch. Dann war einmal Jubeln für die folgende Genussabfahrt angesagt. Auch im schattigen Bereich weiter unten war - im Gegensatz zu unserer Abfahrt vor einem Jahr - die Schneedecke herrlich aufgefirnt.

Luftiger Anschnallplatz nach dem kurzen Zwischenabstieg über die Unterbrecherstelle
Der Abfahrtsgenuss wurde jedoch - aber auch das hatten wir in der Früh schon von unten gesehen und in unserer Routenplanung einbezogen - wegen einer ausgeaperten Stelle unterbrochen. Die galt es jetzt einmal zu übertragen. Am luftigen oberen Ende der folgen Schneefläche haben wir dann wieder angeschnallt. Danach ging es auf herrlichem Firn weiter abwärts.

Abfahrt bis knapp oberhalb vom Präbichlerhof
Und weil wir dem dreckigen Lawinenkegel weiter unten ausweichen wollten, sind wir einmal kurz durch die Stauden nach links gequert. Dann folgte eine feine Firnabfahrt durch den lichten Lärchenbestand bis hinunter ins Grübl, wo sich unsere Runde wieder geschlossen hat. Auch dort ging es bis zum Lawinenkegel noch sehr gut zu fahren. Den dreckigen Bereich haben wir kurz umgangen. Nach dem Anschnallen ging es dann entlang der Aufstiegsroute abwärts und etwas unterhalb jenes Punktes, wo wir in der Früh erstmals angeschnallt hatten, haben wir wieder abgeschnallt.

Wechseln ins Sommer- Outfit nach Beendigung der Tour
Weil wir am Weg zurück zum Ausgangspunkt bei der Bergstation des Schleppliftes aber noch ein bisserl „Schneefleckerl hupfen“ gespielt haben, hat sich die effektive Gehzeit auf wenige Minuten reduziert. Um 12.20 war diese „Vormittagstour“ bereits beendet. Die despektierliche Bezeichnung ist natürlich nicht so gemeint. Die steilen Anstiege und die ebensolchen Abfahrten verlangen schon den vollen Respekt. Und knapp 6 Stunden am Berg waren wir ja auch und haben dabei 1.360 Hm - und ziemlich viele davon mit aufgepackten Skiern - im Anstieg absolviert.

Schweinsbraten
Da haben sich jetzt der Hunger und vor allem der Durst gemeldet. Keinen passenderen Platz hätte es geben könne, als den sonnigen Gastgarten der von uns geschätzten Einkehrstätte in Traboch, wo wir diesen beiden Bedürfnissen mit Freude zu Leibe gerückt sind. Philipps koreanischen Geschäftspartnern ist es zwar vollkommen unverständlich, warum wir Europäer uns danach sehnen, unser Essen auf heißen Parkplätzen einzunehmen, wenn sie so tolle Klimaanlagen zur Bekämpfung der Hitze bauen. Aber zum Glück denken wir da eben anders. In der freien Natur konnten wir auch Zeuge jenes Schauspiels werden, das sich derzeit in den Wäldern über dem Liesingtal abspielt, wenn der Wind Wolken von Blütenstaub aus den blühenden Fichten vor sich her treibt. Der Heinrich wird sich schließlich darüber freuen, dass der Schweinsbraten wieder einmal meine erste Wahl auf der Speisekarte geworden ist.



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