Gr. Hafner

am 22.05.2018

Gr. Hafner 3.076 m - 1.410 Hm

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mit dabei:
Andreas (Anderl)


Anfahrt ins Tal der stürzenden Wasser
Die Besteigung eines Tourenziels in den Hohen Tauern ist für uns Grazer üblicherweise mit der Anfahrt am Vorabend verbunden. Daher haben wir wieder einmal in ungewohnter Bekleidung – fahren wir doch für die Tagestouren üblicherweise im Skigewand los – das Auto bestiegen und sind ins Maltatal, dem Tal der stürzenden Wasser gefahren. Es ging vorbei an den unzähligen imposanten Wasserfällen und durch die teilweise sehr rustikalen Tunnelbauten hinauf zum Berghotel Maltatal direkt oberhalb der Kölnbreinsperre. Dort haben wir Quartier bezogen.

Kaiserschmarren
Davor aber haben wir uns noch schnell vor Küchenschluss mit dem Blick in die Speisekarte für kohlehydratreiche Nahrung zum Auffüllen der Energiespeicher für den Tourentag entschieden. Andreas hat Spaghetti Bolognese gewählt. Ich höre den Heinrich, wenn er mein geordertes Abendessen sieht, schon „So ein Schmarren!“ sagen. Und er hat vollkommen recht. Der Kaiserschmarren mit dem dazu gereichten Zwetschkenröster hat ausgezeichnet geschmeckt. Das Bayrische Weißbier dazu hat dann auch noch für die nötige Bettschwere gesorgt.

Thermofrühstück
Nach einer sehr angenehmen Nacht mit den unverwechselbaren Geräuschen der Umgebung durch das gekippte Fenster hat uns um 3/4 5 Uhr der Wecker aus den Federn geholt. Der mit dem Zimmer angepriesene Staumauerblick hat beim ersten Blick aus dem Fenster nicht das Versprochene gehalten, weil eine Nebelbank diesen verwehrt hat. Das im Restaurant für uns bereitgehaltene Thermofrühstück ist aber gegenüber jenem unwürdigen Tagesbeginn aus der Zeit vor der Hotelrenovierung, als wir an einem Büßerplatz unter der Wendeltreppe platziert wurden und uns dort verpflegen mussten, ein Quantensprung. Vor allem der Kaffeevollautomat und die Teeauswahl sind grandios.

Aufstieg ins Kölnbreinkar
Derart gestärkt sind wir die kurze Strecke ins Kölnbrein gefahren und haben dort um 5.40 Uhr den Skianstieg direkt neben dem Parkplatz begonnen. In der ersten flachen Passage war der Schnee noch ziemlich weich. Mit zunehmender Steilheit und etwas weiter weg vom Stausee, wo in der klaren zweiten Nachthälfte auch die Abstrahlung gepasst hat, ist die Schneedecke aber rasch härter geworden. Dank der rechtzeitig montierten Harscheisen haben wir aber den Aufschwung ohne nennenswerten Rutscher hinter uns gebracht. Unter der Schneedecke sprudelnde Bäche und ein balzendes Alpenschneehuhn haben diesen Teil des Anstiegs noch kurzweiliger gestaltet.

Aufstieg zum Petereck mit Blick zum Ankogel
Mit den Blicken zurück zum Ankogel und weiter zur Hochalmspitze haben wir im etwas flacheren nächsten Geländeabschnitt den Anstieg in Richtung Petereck fortgesetzt. Der in der Vorwoche hier gefallene Neuschnee hat zwar jetzt in der Früh noch getragen, für die spätere Abfahrt infolge der noch nicht abgeschlossenen Umwandlung aber kein hochtrabendes Vergnügen erwarten lassen. Nach knapp zwei Stunden Aufstiegszeit sind wir unterhalb der beiden markanten Felsen am Grat hinauf zum Petereck, die den Durchstieg ins Wastlkar markieren, erstmals an diesem Tag in die Sonne gekommen.

Die letzten Meter hinauf zum Durchschlupf am Grat
Wenige Minuten später haben wir knapp unterhalb des Grats im Steilgelände abgeschnallt und sind die letzten Meter zu Fuß hinauf gestapft. Die kurze Pause zum Umrüsten für die erste Zwischenabfahrt haben wir auch zum Trinken und zum in die Ferne schauen genutzt. Aber auch den weiteren Aufstiegsweg aus dem Wastlkar zum Blockgrat des Hafner durch die markante Rinne bzw. die Schneelage am Grat haben wir aus der Entfernung in Augenschein genommen.

Zwischenabfahrt ins Wastlkar
Eine leichte Schleierbewölkung hatte ein Auffirnen noch verhindert und daher haben wir die ersten Abfahrtsmeter des Tages hinunter ins Wastlkar auf der harten, aber griffigen Harschfläche etwas vorsichtiger absolviert. Knapp unterhalb der Wastlkarscharte haben wir dann wieder aufgefellt und sind in Richtung Rinne angestiegen. Am Fuße der Steilrinne haben wir dann die Steigeisen montiert und - was wir bei allen vorherigen Besteigungen noch nie getan hatten - die Skier auf die Rucksäcke aufgepackt. Dies deshalb, da die Schneelage am Blockgrat oberhalb des Friedhofs vom Petereckgrat aus für den Skianstieg und die spätere Abfahrt sehr geeignet ausgeschaut hat.

Aufstieg durch die Rinne
Durch die Rinne ging es dann hinauf auf den Grat. Der viele Schnee darin hat die Sache ungemein erleichtert, da das Herumzirkeln auf vereisten Felsen und das Stochern im Geröll, wie wir es hier auch schon erlebt hatten, damit entfallen ist. Zudem haben blühende Polsternelken schon am Wandfuß sowie auch in der Rinne Farbe in die Sache gebracht. Nach dem Ausstieg aus der Rinne sind wir dann über den Blockgrat noch bis zum ersten Steinmann unterhalb des Friedhofs hinauf gestapft.

Skianstieg unterhalb vom Friedhof; der Gipfel ganz re. außen in der oberen Bildhälfte
Dort haben wir wieder angeschnallt und in weiterer Folge einen gangbaren Weg zwischen den unzähligen senkrechten Steinplatten gesucht. Ein Ausweichen an den nordseitigen Rand war wegen der dortigen Absturzgefahr hier und vor allem weiter oben am Grat nicht angeraten. Südseitig war die Schneedecke nicht so hart und daher sind wir die nächste Passage am obersten Rand der Flanke hier unter dem Blockgrat geblieben.

Schlussanstieg am Gr. Hafner
Später haben wir noch einmal an die harte, dort aber nicht mehr so steil abfallende Nordseite gewechselt. Anstollende Felle haben die Standfestigkeit hier zunehmend beeinträchtigt. Schließlich ging es flacher werdend auf den Gipfel zu. Unmittelbar vor den Gipfelfelsen haben wir schließlich abgeschnallt. Dabei hat sich ein aus der Hand gefallenes Harscheisen von Andreas der Schwerkraft folgend verabschiedet und uns dabei dokumentiert, wie flott ein rutschendes Objekt auf einem harten Harschdeckel Fahrt aufnimmt. In den Steilabfall in Richtung Ochsenkar zum Zwecke der Suche nachzusteigen wäre viel zu gefährlich und wegen der Weite des Geländes vollkommen sinnlos gewesen.

Gr. Hafner 3.074 m
Nachdem wir die wenigen Meter zum ungewohnt verschneiten Gipfel hinauf gestapft waren, haben wir diesen nach insgesamt etwas mehr als 4 ½ Stunden erreicht. Denselben Anstieg haben wir bei vorherigen Besteigungen auch schon eine halbe Stunde flotter absolviert, dies aber bei viel geringerer Schneelage und daher weniger Umrüstvorgängen wegen des Skidepots bereits unterhalb der Rinne im Wastlkar. Hätten wir dies auch diesmal getan, wir hätten aber sicher noch viel länger gebraucht, wären wir doch bei jedem Schritt während des langen Gratanstiegs tief im brüchigen Schnee eingesunken.

Tiefblick vom Gr. Hafner zum Rotgüldensee
Ein allzu langer Gipfelaufenthalt mit dem Tiefblick zum Rotgüldensee war uns nicht vergönnt, weil sich die Wolkenobergrenze rasch gehoben hat. Und wir wollten doch bei halbwegs guter Sicht zumindest bis ins Wastlkar hinunter kommen. Beim Skidepot sind wir während des Umrüstens dann plötzlich mitten in der Quellbewölkung gestanden. Nach den ersten Abfahrtsmetern hat sich dann aber die Sicht gottlob wieder gebessert. Die Konsistenz des Schnees war nicht das Gelbe vom Ei; trotzdem waren wir sehr froh, dass uns die alternative Stapferei erspart geblieben ist.

Abfahrt am Grat oberhalb vom Friedhof
Nach dem Durchfahren des Friedhofs haben wir schließlich wieder aufgepackt, die Steigeisen montiert und sind dann zur Rinne und in dieser ins Wastkar abgestiegen. Dort hat uns nach dem Anschnallen im totalen Whiteout nur unsere Aufstiegsspur bzw. die Abfahrtsspur von einigen in unserem Gefolge Umkehrenden in Richtung Wastlkarscharte geleitet. Mit besser werdender Sicht hat allerdings gleichzeitig Schneefall eingesetzt. Nach dem abermaligen Auffellen für den letzten Gegenanstieg sind wir dann ohne eine einzige Kehre in der direkten Linie bis zum Durchstieg auf die Nordseite angestiegen.

Kurzer Abstieg an der Nordseite
20 Minuten später haben wir – begleitet von einem leichten Graupelschauer – ein letztes Mal auf Abfahrtsbetrieb umgerüstet. Nach dem Abstieg vom Blockgrat haben wir angeschnallt und dann waren nur mehr 900 Hm Abfahrt zwischen uns und dem Ausgangspunkt. Der erste Abschnitt war aber – wie schon in der Früh erwartet – kein Vergnügen. Der brüchige Harschdeckel war eine nahezu unfahrbare Unterlage.

Liquid sunhine als Schneeverbesserer und Begleiter bei der Abfahrt zum Ausgangspunkt
Bei erstbester Gelegenheit sind wir daher sehr weit nach rechts ins Kölnbreinkar hinein gequert. Mit dem Wechsel der Hangexposition hat sich dann auch schlagartig eine viel bessere, weil hier durch die Einstrahlung der Vortage bereits umgewandelte, Schneedecke präsentiert. Auf schmierigem Frühjahrsschnee ging es genussvoll talwärts. Der gleichzeitig stärker werdende Nieselregen hat der Schneequalität nichts anhaben können. Gefühlsmäßig ist sie sogar dadurch noch etwas besser geworden.

Vom Kofferraumdeckel beschirmt
Über die gleichmäßig geneigten, später zusehends steiler werdenden Flanken sind wir in der Folge hinunter gebraust. Der viele Saharastaub im Schnee hat ein bisschen das Feeling von Dünenskilauf aufkommen lassen. Etwas feuchter halt, weil der Regen ist immer stärker geworden ist. Daher haben wir uns ziemlich gesputet. Am Weg zurück zum Ausgangspunkt haben wir noch zweimal kurz abschnallen müssen, um ausgeaperte Steinhaufen zu übersteigen. Um 13.05 Uhr haben wir schließlich neben dem Auto wieder abgeschnallt und sehr flott die patschnasse Ausrüstung verstaut.

Müde, geduscht, geschnäuzt und gestriegelt; und HUNGRIG!
Wenig später haben wir im Hotel noch einmal unser Zimmer aufgesucht, das man uns für die Körperpflege nach der Tour noch belassen hat. Der Staumauerblick aus dem Fenster war zwar durch den stürmischen Regenguss nach wie verwehrt, aber die heiße Dusche eine Wohltat. Geschniegelt und geschnäuzt sind wir schließlich wieder im Restaurant gelandet. Den Geschmack des Heinrich meine ich mit meinem Wiener Schnitzel mit Pommes, Preiselbeeren und Salat jedenfalls getroffen zu haben.

Stechfrischer Spargel aus dem Lavanttal
Gestärkt haben wir dann nach dem Auschecken der höchsten Staumauer Österreichs den Rücken gekehrt. Wieder vorbei an stürzenden Gewässern ging es hinaus aus dem Maltatal und wegen des Pfingstrückreiseverkehrs etwas verzögert weiter in Richtung Heimat. Einmal haben wir die Heimfahrt aber noch unterbrochen, um im Lavanttal frischen Spargel einzukaufen. Und jetzt, lieber Heinrich, kommst du noch einmal ins Spiel. Du hast mich ja vor kurzem wissen lassen, dass du zu einem passenden Anlass auch dem königlichen Gemüse nicht abhold bist. So halte ich es auch. Ich meine, dass der für mich jetzt feststehende Abschluss der heurigen Tourensaison keinen würdigeren kulinarischen Schlusspunkt verdient hat, als diesen.

Wenn nun für dich, Heinrich, eine - zumindest virtuell - kulinarisch entbehrungsreiche Zeit anbricht, so wünsche ich dir Alles Gute und danke dir wie auch allen übrigen Besuchern meines weblogs für die Treue. Ich wünsche allen einen schönen Sommer und melde mich wieder, wenn es genug Schnee für die nächste Tour in der neuen Saison gibt.



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