Lugauer

am 31.03.2019

Lugauer 2.217 m - 1.710 Hm

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mit dabei:
Chris



Start bei der Hartelsgrabenbrücke
Das war wieder einmal so ein Wochenende, wo man sich hätte vierteilen müssen und immer noch wäre es bei weitem nicht möglich gewesen, alle lohnenden Tourenziele gleichzeitig zu besteigen. Daher bin ich dem Vorschlag von Chris gerne gefolgt, mit ihm zusammen wieder einmal einen seiner Lieblingsberge, das steirische Matterhorn vom Gesäuse aus zu besteigen. Die Nacht zuvor ist durch die Umstellung auf die Sommerzeit etwas kurz geraten. Aber trotzdem sind wir schon nach etwas vorverlegter Abfahrt um 7.10 Uhr bei der Hartelsgrabenbrücke gestartet.

Aufstieg im Hartelsgraben
Die Skier kamen erst einmal auf die Rucksäcke. Und wegen der Minustemperatur sind wir recht flott losgestiefelt. Dabei sind wir der ersten Gebirgsforststraße der Monarchie gefolgt. Ab 1892 ließen die Steiermärkischen Landesforste eine Holzbringungs-Straße zur Enns herab bauen. Besonders bewundernswert sind die Trockensteinschlichtungen, die durch Fachleute aus Friaul und Venetien errichtet wurden. Sie halten allen Lawinen seit 120 Jahren stand.

Steigeisenmontage
Spätestens nach etwa 200 Hm ist uns schon ordentlich warm geworden. Der Sprühnebel vom Schleierwasserfall hat uns im Vorbeigehen noch kurz gekühlt, aber jetzt galt es den ersten übermächtigen Lawinenkegel im Graben zu überwinden. Über die bockharten Knollen mit der ständigen Gefahr, auszurutschen und abzustürzen, drüberzuzirkeln wollten wir nicht. Daher haben wir gleich die Steigeisen montiert und haben so sicher den Lawinenberg überwunden.

Aufstieg beim Jagdhaus
Die Steigeisen waren dann auch beim Anstieg über die nächsten beiden Lawinenkegel recht hilfreich. Weil die Schneedecke so kompakt war, sind sie gleich an den Beinen geblieben und haben uns beim weiteren Anstieg hinauf zur Jagdhütte sicheren Stand garantiert. Erst nach etwa 400 Hm, als wir immer wieder einmal in die dort nicht mehr so kompakte Schneedecke eingebrochen sind, haben wir die Skier angeschnallt und die Steigeisen wieder in den Rucksäcken verstaut. Wohl wissend, dass weiter oben noch der eine oder andere harte und ausgesetzte Bereich zu passieren sein würde, sind aber gleich die Harscheisen an den Skiern montiert worden und auch bis zum Skidepot am Gipfelgrat dort geblieben.

Die Lugauerplan aus der Froschperspektive
Dann ging es flott weiter hinauf, vorbei an der Jagdhütte, in den flacheren Teil des Grabens. Im Gegensatz zu unseren letzten Anstiegen auf dieser Route sind wir diesmal entlang einer sich unter der Nordflanke aufsteilenden Schneise angestiegen und erst bei der letzten Wegkehre unter der Haselkogelalm wieder auf die ursprüngliche Route gestoßen. Über die flache Alm ging es dann südwärts. Die mittlerweile längst überfällige Trinkpause haben wir uns für ein Platzerl in der Sonne mit Blick in die Lugauerplan aufgehoben. Weil wir aber die Alm nicht in voller Länge ausgegangen sind, sondern schon durch die Schneise nach links hinauf abgekürzt haben, mussten wir noch weitere 200 Hm ansteigen bis sich ein Jausenplatzerl nach den von uns festgelegten Ansprüchen aufgetan hat. Nach 1.200 Hm bis dahin war der Durst dementsprechend groß und auch für eine kleine Jause war es jetzt an der Zeit.

Aufstieg über die Lugauerplan
Derart gestärkt hat Chris danach seinen flotten Schritt wieder aufgenommen. Wegen der Sonneneinstrahlung auf der einen Seite der Steilflanke mit der nassen Schneeoberfläche und des kalten Schnees auf der der Sonne nicht ausgesetzten Seite haben seine Felle bald einmal angestollt. Umso schneller ist er nach einer Schnellreinigung weiter nach oben gestiegen, um den pelzigen Aufstiegshilfen die Chance zu nehmen, sich allzu intensiv mit dem Schnee darunter zu verbrüdern.

Tiefblick nach Hinterradmer über die imposante Wechte mit Aufsteigenden
Ich habe mir einige Minuten mehr gegönnt und so auch Gelegenheit gehabt, den einen oder anderen Fotostopp einzulegen. Die unverwechselbaren Tiefblicke vor allem am in Aufstiegsrichtung rechten Rand der Steilflanke nach Radmer fordern solche nahezu ein. 3 Std 50 min (mit Pause) nach unserem Aufbruch am Talboden war ich auch beim Skidepot am Vorgipfel. Und weil wir die Steigeisen, die uns im Hartelsgraben schon wertvolle Dienste geleistet hatten, ja eh mit hinauf geschleppt hatten, haben wir sie auch für den Gang zum Gipfel wieder angeschnallt.

Die letzten Meter hinauf zum Gipfel
10 Minuten später haben wir beim Gipfelkreuz am Westgipfel angeschlagen und uns danach an den Ausblicken in alle Himmelsrichtungen delektiert. Unter anderem haben wir die vor etwa einem Monat gemeinsam befahrene Nordflanke des Zeiritzkampel in der Frontale vor uns gehabt. Seither hat eine recht große Lawine für eine groß angelegte Suchaktion gesorgt, weil der Auslöser es verabsäumt hatte, Entwarnung zu geben.

Abstieg am Gipfelgrat
Weil wir den optimalen Zeitpunkt für die Abfahrt nicht versäumen wollten, haben wir uns aber bald wieder auf den Rückweg zum Skidepot gemacht. Chris hat dabei unaufhörlich in die Nordflanke hinein geluchst und gemeint, dass man hier auch sehr fein abfahren könnte. Das haben wir dann aber auch in Ermangelung von genauem Routenstudium im Vorfeld auf ein andermal vertagt. Die Schneequalität mit einer dünnen Pulverschneeauflage auf einem kompakten Harschdeckel hätte jedenfalls gepasst. Und mit den angeschnallten Steigeisen wäre der kurze Abstieg bis zum durchgehenden Schneeband auch kein Problem gewesen. Der Vorgipfel war mittlerweile sehr gut besucht und immer noch sind sehr viele Tourengeher über die Plan aufgestiegen.

Genussabfahrt über die Steilflanke
Während wir uns für die Abfahrt fertig gemacht haben, ist einer davon in seiner allerletzten Spitzkehre ausgerutscht und hat sich gleich darauf 50 m weiter unten wiedergefunden. Chris hat gleich einmal seine Hilfsbereitschaft unter Beweis gestellt und ist mit den dabei zu Bruch gegangenen Fragmenten der Teleskopstöcke zum Unglücksraben abgefahren. Erst danach hat er seine Abfahrt aufgenommen. Für die Querung oberhalb der Felsnase an den orografisch rechten Rand der Steilflanke, wo der Schnee zu diesem Zeitpunkt knapp nach Mittag üblicherweise am besten ist, war er schon zu tief. Daher sind wir gleich in der direkten Linie rechts von der Lawinenbahn in der Mitte der Flanke abgefahren.

Genussabfahrt über die Steilflanke
Anfangs haben einige schon aufgetaute Knollen das Abfahrtsvergnügen noch etwas gestört. Aber mit jedem Meter ist die Oberflächen- und Schneequalität besser geworden. Ab der Mitte sind wir mit relativ hohem Tempo auf perfektem Untergrund in langen Carvingschwüngen wie in einer Halfpipe von einer Seite zur anderen gependelt. In kürzester Zeit war daher die schweißtreibend erarbeitete Höhe wieder abgebaut.

Es schmiert auch im sonnigen oberen Teil des Grabens
Über die Schneise, über die wir schon aufgestiegen waren, sind wir bei etwas wechselnden Schneeverhältnissen wieder zur Haselkaralm abgefahren. Mit viel Schwung aus dem letzten Stück dieser Abfahrt sind wir dann über die ganze Alm bis zur Geländekante noch „ausgerollt“ ohne antauchen zu müssen. Danach haben wir an den nordseitig ausgerichteten Flächen, je nachdem, ob dort die Sonne hingekommen ist, auf Harsch aber auch auf Firn unsere Schwünge gezogen.

Die Nordflanke aus anderem Blickwinkel
Zwischendurch haben wir uns aber auch immer wieder einmal eingebremst und jetzt die Nordflanke für ein andermal auch von unten unter die Lupe genommen und dokumentiert. Danach ging es weiter talwärts, der Tamischbachturm als Blickfang immer vor uns. Die Lawinenkegel vor uns haben schließlich unser Abfahrtstempo eingebremst. Beim Befahren derselben galt es vor allem darauf zu achten, die Skier nicht an den vielen darin steckenden Steinen zu malträtieren. Die Schneeknollen waren inzwischen - zumindest oberflächlich - weicher geworden und daher problemlos zu befahren.

Abfahrt über den größten Lawinenkegel
Eine apere Stelle galt es tragend zu überwinden. Dann folgte noch der letzte, wirklich überdimensionale Lawinenkegel. Nach dessen Befahrung haben wir noch ein paar Abfahrtsmeter geschunden und dann direkt im Sprühnebel des großen Schleierwasserfalls über uns aufgepackt. Über die Schneeflecken danach sind wir neben den blühenden Frühlingsboden in der Böschung, wie Schneerosen und Leberblümchen, drüber gestapft.

Impression aus dem Hartelsgraben
Am anschließenden, ausgeaperten Teil des Abstiegs entlang der kühn angelegten Gebirgsforststraße war die Aufmerksamkeit vor allem den stürzenden Wässern zwischen den mächtigen Felsblöcken sowie dem Schluchtenwald, mit seinen teilweise unglaublichen Standorten auf hohen Felsen, die Wurzeln diese umschlingend, geprägt.

Wiener Schnitzel
Nach dem Verstauen der Ausrüstung im Auto und dem Wechseln der verschwitzten Skitourenbekleidung gegen das Sommeroutfit haben wir uns auf den Heimweg gemacht. Diesen haben wir - und darüber darf sich auch heute wieder Freund Heinrich freuen - natürlich zum Zweck des Auffüllens der Energiereserven unterbrochen. Und so darf er sich zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage wieder virtuell ein Stück von meinem Schnitzel abschneiden.



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