Trenchtling

am 02.04.2019

Leobner Mauer 1.870 m - Lamingegg 1.959 m - Hochturm 2.081 m - Leobner Mauer 1.870 m (Gegenanstieg) - 1.610 Hm

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mit dabei:
Andreas (Anderl


Aufstieg auf der Oberen Handlalm
Ein freier Tag von Andreas und die Möglichkeit, mir ebenso kurzfristig frei zu nehmen, war eine perfekte Voraussetzung für eine grandiose Skitour an diesem Dienstag. Trotz Sommerzeit sind wir abermals etwas früher in Graz losgefahren und haben daher bereits um 6.55 Uhr unseren Aufstieg bei den Almhäusern begonnen. Außerhalb des bewaldeten Bereiches war die Schneedecke bedingt durch die nächtliche Abstrahlung sehr hart. Daher haben wir uns ab der Oberen Handlalm nicht mehr auf die Haftfähigkeit unserer Steigfelle verlassen, sondern zusätzlich die Harscheisen montiert.

Anstieg an der Westflanke der Leobner Mauer
Die waren dann beim Anstieg entlang der Westflanke der Leobner Mauer jedenfalls sehr nützlich, außerhalb des Baumbestandes sogar unabdingbar. In vielen Kehren sind wir so bis knapp unter die Geländekante emporgestiegen und haben diese über die ausgeaperten letzten paar Meter mit abgeschnallten Skiern überwunden. Danach kamen die Latten wieder an die Füße und wenige Minuten später waren wir das erste Mal an diesem Tag beim markanten Gipfelzeichen.

Beginn des Wiederanstiegs zum Lamingegg
Nach dem Umrüsten für die Abfahrt sind wir an der Ostseite über die zu diesem Zeitpunkt auch noch sehr harten Flächen in den Ochsenboden abgefahren. Gegenüber „normalen“ Jahren sind die heuer dick eingeschneiten Latschen nahezu unsichtbar und daher kein Hindernis. Unten angekommen wurden die Felle wieder aufgezogen, die Harscheisen gleich montiert und der Aufstieg zum zweiten Tagesgipfel, dem Lamingegg konnte beginnen.

Aufstieg vorbei an einem mächtigen Gleitschneemaul am Wildfeld
Vorbei an einem riesigen Gleitschneemaul sind wir nach oben gestiegen und haben 23 Minuten später unterhalb der ausgeaperten Gipfelkuppe wieder abgeschnallt. Der kalte Oberflächenreif hat unter den Harscheisen auf den mittlerweile durchfeuchteten Fellen ordentlich angestollt. Gleich nach dem kurzen Gipfelgang sind dann die Felle wieder in den Rucksack gewandert. In einer flach angelegten Abfahrt sind wir westlich am „Mt. Shorty“ (Namenloser Gipfel östlich von Lamingegg 2.010 m) bis zum Sommerweg auf den Hochturm vorbei gefahren. Am Ende des durchgehenden Schneebandes haben wir abgeschnallt, die Skier aufgepackt und gleich auch die Steigeisen montiert.

Die letzten Meter zum Gipfel
Beim folgenden Anstieg wären diese in vielen Abschnitten nicht vonnöten gewesen, es reicht aber, dass wir in wenigen schattigen und daher sehr harten Passagen sicheren Schrittes unterwegs waren. Dafür zahlt sich die eh nicht sehr aufwändige Montage der spitzen Steighilfen jedenfalls aus. Am vollkommen aperen Gipfel des Hochturm mit seinem schönen Kreuz, den wir nach einer weiteren Aufstiegszeit von 50 Minuten erreicht haben, haben wir uns erst einmal gestärkt und viel in die Ferne geschaut. Die Staubewölkung hatte sich inzwischen verzogen, also stand einer Abfahrt voll in der Sonne nichts mehr entgegen. Dazu mussten wir vorher nur noch die Skier bis zum Beginn des durchgehenden Schneebandes unter der Geländeskante über die Gipfelhochfläche tragen.

Abfahrt über den Riss in der Schneedecke mit Blick zur Leobner Mauer
Vom ersten Meter an war klar, dass die Schneequalität uns diesmal wirklich ein besonderes Abfahrtsvergnügen bereiten würde. Viel schlechteren Schnee habe ich in diesem Winter schon gelobt. Hätte ich damals den Vergleich gehabt, ich meine, ich hätte es nicht getan. Gleich nach der etwas steileren Einfahrt hat uns ein Gleitschneemaul noch dazu gezwungen einen kleinen Linksschwenk einzulegen. Danach aber ging es in der Falllinie geradewegs hinunter. In der mit etwa 42 Grad wieder etwas steileren Stufe zwischen den Felsen war der Schnee genauso herrlich oberflächlich aufgefirnt wie im flacheren Auslauf der Rinne ganz unten im Rötzgraben.

Blick zurück auf 650 genussvoll abgefahrene Höhenmeter nach beendeter Abfahrt
Lediglich bei der Überquerung einer alten Lawinenbahn waren einmal einige Schwünge auf etwas ruppigerem Untergrund dabei. Erst nach 650 Hm höchst genussvoller Abfahrt in lupenreinem Frühjahrsfirn haben wir im Grabengrund des Rötzgrabens abgeschwungen und einmal genussvoll nach oben geschaut. Ein riesiges Rudel von Gämsen hat sich auf einer ausgeaperten Fläche in der Nähe nicht nur an den Berggräsern delektiert, sondern möglicherweise auch an unserer Abfahrt. Dann kamen die Felle wieder drauf. Auf die Harscheisen haben wir wegen des zu erwartenden weichen Schnees beim Wiederanstieg zur Leobner Mauer geflissentlich verzichtet.

Wiederanstieg aus dem Rötzgraben auf die Leobner Mauer
Mit der Sonne im Rücken haben wir den folgenden, etwas schweißtreibenden Anstieg auch dazu benutzt, zwischendurch uns all die anderen Rinnen vom Trenchtling in den Rötzgraben anzuschauen. Jede einzelne wäre an diesem Wundertag einen Wiederanstieg mit nochmaliger Abfahrt wert gewesen. Wir hatten dies in unserer Tourenplanung, auch ob der fortgeschrittenen Stunde und der damit einhergehenden Verschlechterung der Schneequalität, nicht vorgesehen. Und wir hatten mit der zweiten Ankunft am Gipfel der Leobner Mauer an diesem Tag auch schon mehr als 1.600 Anstiegs - Höhenmeter in den Beinen.

Abfahrtslinie vom Hochturm
In der Erwartung, dass zwischenzeitig auch deren Westflanke richtig aufgefirnt sein müsste, haben wir uns keinen allzu langen Gipfelaufenthalt gegönnt. Zum Zurückschauen auf die genussvoll absolvierte Abfahtslinie vom Hochturm und zum Beobachten eines Rudels Gämsen am Wildfeld (nomen est omen) war aber jedenfalls genug Zeit.

Abfahrt an der Westflanke
Dann sind wir bis zu jener Stelle, wo wir in der Früh aus der Westflanke ausgestiegen waren, abgefahren und sind dort auch wieder abgestiegen. Eine Gämse ganz in der Nähe hat sich durch unsere Aktivität nicht weiter gestört gefühlt und uns keine größere Aufmerksamkeit geschenkt. Ab dem ersten Schwung war dann klar, dass auch diese Abfahrt eine der besseren dieses Winters werden würde. Obwohl der Schnee sich wegen der veränderten Hangexposition und des Bewuchses nicht so gleichmäßig umgewandelt hatte wie in den Trenchtlingrinnen, war auch hier kein schlechter Schwung dabei.

Wiener Schnitzel #3
Vorbei an der Talstation der Materialseilbahn zur Leobner Hütte sind wir schließlich nach der Abfahrt entlang von Schneisen und schließlich durch den Wald entlang der Aufstiegsspur weiter abgefahren. Einmal mussten wir die Abfahrt für wenige Meter unterbrechen um über eine apere Stelle drüber zu tragen. Schließlich haben wir an jenem Punkt etwa 100 m oberhalb des Parkplatzes, wo wir in der Früh angeschnallt hatten, auch wieder abgeschnallt. Die Ausrüstung wurde im Kofferraum verstaut und dann ging es heimwärts - mit dem obligaten Zwischenstopp in der gastlichen Einkehrstätte. Wenn sich nun der Heinrich innerhalb von einer Woche ein drittes Mal virtuell ein Stück von meinem Schnitzel abschneiden kann, so wird er mir wohl hoffentlich nicht den Vorwurf von einseitiger Ernährung machen. Es gibt ja zwischen den Skitourentagen auch noch andere Tage und da ernähre ich mich ganz anders ;-)



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