Damavand (IRN)

am 26.04.2019

Damavand 5.671 m - Skitour der Extraklasse im Norden des Iran mit 4 Akklimatisationstouren auf Höhen zwischen 3.310 und 4.030 m im Vorfeld

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20.4.2019 bis 26.4.2019


Die Vorgeschichte:

Die Geschichte nimmt ihren Anfang
Philipp und Andreas haben sich auf Ihrer gemeinsamen Abschlusstour der vorletzten Saison schon einmal den Kopf darüber zerbrochen, wie man mir anlässlich meines nicht mehr zu verschweigenden Älterwerdens im Vorjahr eine Freude machen könnte. Die Idee einer größeren Bergfahrt war geboren und meine Brigitte wurde eingeweiht. Zusammen haben sie dann ein Crowdfunding unter allen eingeladen Gästen bei diversen Geburtstagsfeiern initiiert. Nicht nur, dass man mich so vor vielen Dingen, die man zu einem runden Geburtstag halt so bekommt, aber auf Grund des fortgeschrittenen Alters vielleicht eh schon – mehrfach - hat, bewahrt hat, waren die Überraschung und die (Vor)freude riesig. Der Damavand hatte durch seine mediale Präsenz und durch Erzählungen von schon dort Gewesenen sehr lange schon einen sehr hohen Stellenwert in meinen Bergträumereien eingenommen. Ich danke auch an dieser Stelle noch einmal allen, die sich daran beteiligt haben. Die Ankündigung von Philipp und Andreas, mich dorthin auch noch begleiten zu wollen, hat die Sache erst recht perfekt gemacht.

Die Skiausrüstung wird verpackt
So haben wir uns unter den Anbietern von Bergfahrten auf den höchsten Berg des Orients, der gleichzeitig der höchste Vulkan Asiens ist, umgeschaut und uns für die „Bergspechte“ entschieden. Mit der Insiderinformation, dass diese heuer mit einer neuen Agentur im Iran als Partner agieren, war zwar noch ein kleiner Unsicherheitsfaktor im Spiel, aber gerade dieser sollte sich als Joker erweisen. Die Anreise ab Graz haben wir uns selbst organisiert. Am Vortag der Abreise haben wir uns getroffen, um die Skier in einem gemeinsamen Skisack zu verstauen und diesen als angemeldetes Sperrgepäck danach gleich am Flughafen aufgegeben. Am 18.4.2019, dem Gründonnerstag sind wir nach Wien und von da weiter nach Teheran geflogen. In Wien haben wir einen weiteren Teilnehmer, Thomas G. aus Oberösterreich erstmals getroffen. Die einstündige Verspätung hat leider verhindert, den angepeilten Berg schon einmal vom Flugzeug aus zu sehen, weil wir dadurch in die Dunkelheit hinein gekommen sind. Der Chef der Agentur vor Ort, später auch unser leitender Bergführer, Amin Moein hat uns persönlich mit seinem unverwechselbaren Lachen am Flughafen empfangen.

Großgepäck an Bord
Während er uns noch beim ersten Geldwechsel, welcher uns zu zig-fachen (Rial-)Millionären gemacht hat, behilflich war, ist sein Auto vor dem Flughafengebäude abgeschleppt worden. Mit zwei Taxis ging es dann in die 50 km entfernte Hauptstadt und wir konnten uns erstmals mit dem einzigartigen Fahrstil der Iraner anfreunden. Im Laufe der nächsten zwei Wochen konnten wir uns daran gewöhnen, dass Verkehrsvorschriften im Iran wohl nur als Empfehlung gelten, vielfach aber nicht wirklich Beachtung finden. Im Hotel Mashad haben wir eingecheckt. Philipp und ich haben danach erstmals die Umgebung auf der Suche nach Essbarem erkundet. Irgendwann nach Mitternacht sind wir fündig geworden und haben gleich einmal damit angefangen, Dinge zu essen, vor denen wir im Vorfeld von wohlmeinenden Ernährungsexperten gewarnt worden waren. Es hat sehr gut geschmeckt (und keine Nebenwirkungen verursacht).

Disi im Restaurant
Gesättigt haben wir uns schließlich ins Bett gelegt und am nächsten Tag beim Frühstück nicht nur den Geschäftsführer des Veranstalters, Winfried Flossdorf, sondern auch noch alle übrigen Teilnehmer Sylvia G., Barbara F., Doris W., Max K., Jennifer P. und Gina H. kennengelernt. Nach dem Frühstück ging es auf eine geführte Besichtigungstour ins Teheraner Stadtzentrum mit Besuch des Nationalmuseums (Iran Bastan Museum und Museum of Islamic Art), des Golestan Palasts und des Bazars, der aber am Freitag (Feiertag bei den Moslems) geschlossen hatte. Daher gab es nur am Rand einige offenen Geschäfte, wo wir uns mit herrlichen Trockenfrüchten versorgt haben. Auch gegessen haben wir sehr lokaltypisch, Disi, in einem von unserem Stadtführer Amir empfohlenen Lokal.

Blick zum Tuchal von der Dachterrasse des Hotels
Auf der Dachterrasse des Hotels mit Blick zu den verschneiten Gipfeln des Teheraner Hausbergs, des Tuchal, im Norden haben wir später eine Vorstellungsrunde auch mit Bergführer Amin absolviert und von diesem das Rahmenprogramm für die nächsten Tage erfahren. Vor allem war die Information wichtig, dass am Folgetag ein früher Aufbruch angesagt war, wollten wir nicht im Frühverkehr bei der Fahrt durch Teheran gleich einmal zwei Stunden verlieren. Nach dem gemeinsamen Abendessen ging es daher gleich einmal ans Auffellen und Einpacken für die erste Tour. Mit einem Thermofrühstück versorgt ging es dann ins Bett.

20.4.2019 - 1.Tourentag – Golezard 3.310 m (Umkehrpunkt) – 910 Hm

Morgendliche Brotanlieferung im Hotel
Am nächsten Morgen sind wir dann schon um 6.00 Uhr in Teheran, gerade als gleichzeitig im Hotel das Brot auf unverwechselbare Art und Weise angeliefert wurde, losgefahren. Einige Zeit braucht es auch bei noch mäßigem Morgenverkehr bis man durch die 14 Mio Einwohner Metropole bis zum Stadtrand durch ist. Danach ging es nach Nordosten in die Berge. Nach etwa 1 ½ stündiger Fahrt entlang der Rd 77 sind wir in Poulur angekommen und haben dort am Ortsrand nach dem Kennenlernen unseres zweiten iranischen Bergführers Meisam und dem Ausfassen des unverwechselbaren Lunchpakets mit Trockenfrüchten, Mandeln und Süßigkeiten bzw. einem Sandwich unseren ersten Anstieg gestartet. Anfangs haben wir die Skier noch 10 Minuten getragen, dann wurde angeschnallt und erstmals ging es auf iranischem Schnee aufwärts.

Aufstieg in der Sonne
Und war das Wetter zuerst noch ganz gut, mit Löchern in der Wolkendecke, so hat es später rasch zugezogen. Der nahe Damavand hat sich die ganze Zeit hinter Wolken versteckt und war nur an der Basis sichtbar. Ab 3.000 m ist es merklich kälter geworden und Schneefall hat eingesetzt. Schließlich ist auch noch ein zapfiger Wind hinzugekommen und die Tour wurde 40 Hm unterhalb des Gipfels im Schneesturm beendet. Eine sehr flotte Abfahrt, teilweise wegen vereister Brillen im Blindflug, folgte und die beim einen oder anderen frostig gefrorenen Finger konnten sich hoffentlich bald wieder erwärmen. Der pulvrige Triebschnee zu Beginn, dann eine schnittige Passage und schließlich sulziger Frühjahrsschnee bildeten die Unterlage für unsere erste Abfahrt.

Abschnallen
Dort, wo wir in der Früh angeschnallt hatten, wurde wieder abgeschnallt und die Skier wurden die wenigen Meter zum Parkplatz hinunter getragen, vorbei an gelben Blumen, die dem Berg ihren Namen geben. Dort haben schon die Fahrzeuge für die Weiterfahrt nach Rineh auf uns gewartet. Am Fuße des Damavand ging es dann in flotter Fahrt dorthin. Vor dem Guest House, das uns die nächste Woche über beherbergt hat, war schon unser vorausgereistes Reisegepäck aufgereiht. Gleich ging es ans Beziehen des Quartiers. Zusammen mit Philipp und Andreas habe ich ein Zimmer oben am Juche des Nebengebäudes mit Zugang über eine Metallstiege und ein Flachdach ohne Geländer bezogen. Dort hatten wir aber auch ein eigens Badezimmer mit (fast immer funktionierendem) WC – welch ein Luxus!

Ashkahn und Rasul
Gleich darauf haben wir im Aufenthaltsraum des Hauptgebäudes Bekanntschaft mit Rasul, unserem Koch für die Zeit in Rineh geschlossen. Er ist der Sohn des Hausbesitzers Hassan Faramarzpour, der enge freundschaftliche Bande in die steirische Heimat pflegt. Ihm zur Seite hat Ashkahn, der Bruder unseres Bergführers Amin, gewerkt, uns viele Wünsche von den Augen abgelesen und – wenn einmal ausgesprochen – diese auch an all den Folgetagen nicht vergessen. Danke! Mit einer Suppe, Datteln, Keksen Tee und Kaffee hat unsere ununterbrochene Versorgung für die nächsten Tage Fahrt aufgenommen.

Winfried und Amin
Amin hat uns in einem Briefing an Hand einer Präsentation am Notebook die geplanten Touren für die nächsten Tage erläutert. Vieles war da aber noch von der ungewissen Wetterprognose abhängig. Anschließend wurden wir schon wieder zu Tisch gebeten und wir haben das erste Abendessen genossen. Danach haben wir noch weiter viel Tee getrunken um den erhöhten Flüssigkeitsbedarf in der Höhe abzudecken.

21.4.2019 (Ostersonntag) - 2.Tourentag – Pawane 4.010 m – 1.450 + 75 Hm

Blick zurück zum Damavand bei der Fahrt nach Lasem
Nach dem Frühstück um ½ 7 Uhr ging es mit Fahrzeugen - anfangs im Nebel, später auch in der Sonne - bei herrlichen Lichtstimmungen vorbei am Damavand über Poulur ins Tal der Viertausender nach Lasem. Ursprünglich war angedacht gewesen, dort für die Akklimatisation Quartier zu nehmen, aber da nach dem strengen Winter die Wasserversorgung noch nicht funktionierte und das Dorf daher noch verlassen und einsam war, war zweimal täglich eine - sehr abwechslungsreiche - Autofahrt von ca. 45 Minuten angesagt.

Nach dem Versenken von der Strömung abgetrieben :-(
Weil der Peugeot unseres „Racing Taxlers“ nicht so geländetauglich ist, mussten meine Mitreisenden und ich die letzten Meter bis zum reißenden Bach hinunter zu Fuß absolvieren. Dort sollte dann - um halbwegs trocken ans andere Ufer zu kommen - mit Hilfe einer Leiter eine Behelfsbrücke gebaut werden. Leider hat unter der Belastung des Testpassanten Max die Uferböschung nachgegeben und die Leiter ist ins Wasser gestürzt. Der Versuch, mit Hilfe eines großen Felsbrockens, der erst herangerollt werden musste, eine feste Auflagefläche zu schaffen, ist auch gescheitert, weil dieser nach dem Versenken von der starken Strömung gleich abgetrieben worden ist.

Anstieg mit dem Damavand im Rücken
Also musste die klassische Methode einer Bachquerung etwas weiter unten Platz greifen. Die Hosenbeine wurden hochgekrempelt, die Schuhe um den Hals gehängt und mit der Hoffnung, nicht auszurutschen oder in der starken Strömung einen Schuh zu verlieren, haben wir alle halbwegs unbeschadet das andere Ufer erreicht. Nach der Kneippkur war jetzt das Trocknen der Füße angesagt. Danach wurden Socken und Schuhe angezogen und die Tour konnte beginnen. Mit dem Damavand im Rücken haben wir in dem nordseitigen Hochtal sehr flott an Höhe gewonnen.

Damavand
In den Jausenpausen wurden unzählige Fotos geschossen. Auch die bunten Dächer der immer weiter unter uns liegenden sommerlichen Feriendomizile von Teheraner Familien in Lasem haben eine so nicht gekannte Faszination auf uns ausgeübt. In und neben unserer Aufstiegsspur gab es immer wieder tote und auch noch lebende Schmetterlinge, die namensgebenden Tiere (Pawane = Schmetterlingsberg) in großer Zahl. Die 1.450 Hm waren auch deswegen sehr kurzweilig und am Schluss war die Freude über das Erreichen des Gipfels auf über 4.000 m riesig. Ich jedenfalls war vorher noch nie so hoch oben. Und wenn mein Höhenmesser als einziger aus der Gruppe einen Wert von knapp unter 4.000 m ausgegeben hat, so ist dies ja auch schnurzegal; wenige Tage später ging es ja ohnedies viel höher hinauf.

Frohe Ostern!
Weil zu Ostern jeder ein kleines Geschenk verdient, habe ich, bevor es in das pulvrige Abfahrtsvergnügen ging, meine Schoko - Osterhasen zur Verteilung gebracht. Wegen der Kälte am Gipfel sind wir ziemlich flott losgestartet. Hätten wir ein paar Minuten gewartet, so hätten wir auch am Gipfelhang die ersten Spuren im Pulverschnee in der Sonne ziehen können. Das haben wir dann nach der zweiten Pause weiter unten getan. Und das pulvrige Vergnügen hat bis weit hinunter angehalten.

Zum 2. Mal am Tag wird auch am Rückweg durch den Bach gekneippt.
Nach der kurzen Steilstufe mit wechselhafter, zum Teil eisiger Schneeauflage sind wir den letzten Teil der Abfahrt zurück bis zum Ausgangspunkt bei der Bachquerung auf firnigem Frühjahrsschnee gefahren. Dann hieß es wieder die Hosenbeine aufkrempeln und eine zweite Kneippkur zurück ans andere Ufer war angesagt. Weil unserer Racing Taxi, für das ich mich neben Jenny, Meisam und Andreas als Passagier gemeldet hatte, den holprigen Weg durchs Dorf nicht noch einmal machen wollte, sind wir zusätzlich noch 75 Hm bis zur Straße an- und dort ins Auto eingestiegen. In rasanter Fahrt mit einigen Überholmanövern ging es dann zurück über Poulur nach Rineh. Weil auch im Iran dieser Tag ein Staatsfeiertag war, sind viele Familien aus der Großstadt der dortigen Luftverschmutzung entflohen und haben sich zwischen Poulour und Rineh am Straßenrand mit Zelten ihre Picknickplätze eingerichtet. Damit die frische Luft nicht allzu sauber bleibt, haben sie dieser mit rauchenden Lagerfeuern entgegen gewirkt ;-).

Amin, Rasul und Meisam am Grill
Im Camp hatten Rasul und Ashkahn die nachmittägliche Zwischenverpflegung vorbereitet. Viele gute Gespräche, vor allem mit Max, haben die Zeit bis zum Abendessen verkürzt. Das Gegrillte vom Holzkohlengrill (Hühner Kebab und Tomaten) mit vielen Beilagen (die in einer Paste aus Granatapfel und Kräutern eingelegten Oliven hatten es mir besonders angetan) war delikat. Nach dem Karamelpudding wurde dann mit viel Tee weiter hydriert. Auch draußen ist es durch den einsetzenden Regen feucht geworden. Später in der Nacht ist ein heftiges Wintergewitter über uns hinweg gezogen.

22.4.2019 (Ostermontag) - 3.Tourentag – Angemar 3.530 m (Umkehrpunkt) - 1.000 Hm

Begegnung mit einem Wolf
In der Früh ist draußen alles weiß. Es hat geschneit. Mit dem 35 Jahre alten Toyota Landcruiser von Hassan Faramarzpour sind wir über stellenweise stark vereiste Straßen in Richtung Poulour losgefahren. Am Weg dorthin haben wir in kurzem Abstand zwei Wölfe am Straßenrand gesehen. Auch die Straße hinein ins Tal nach Lasem ist stellenweise ziemlich eisig. Hassan bewegt sein Gefährt unabhängig vom Straßenbelag aber mit traumwandlerischer Sicherheit und klopft dabei seinem Beifahrer auch noch unaufhörlich auf den Oberschenkel bzw. sucht Fotos am Handy um sie herzuzeigen. Für den Fall, dass er einmal seinen Schlüssel verliert, hat er einen Aufkleber mit der Festnetztelefonnummer eines Schlüsseldienstes aus unserer Grazer Heimat auf der Innenseite seiner Beifahrertür kleben ;-)

120 Jahre geballte Lebenserfahrung; mit dem gleichaltrigen Hassan am Ausgangspunkt in Lasem
In Lasem sind wir diesmal zuerst einer Schafherde begegnet, danach hat uns der Dorfwächter durch das Ablegen des über die Straße gespannten Seils den weiteren Weg durch das Dorf geöffnet. Am Ende der holprigen Straße durch das Dorf sind wir dann zwischen den verlassenen Häusern über glitschige Wege bis zum Talboden hinunter gefahren. Hassan hat sein geländegängiges Gefährt dann auch noch durch die Furt bis auf die Schotterbank beim Zusammenfluss der beiden Bäche gesteuert und uns dort austeigen lassen.

Anstieg
Über Steine im Bachbett haben wir dann den zweiten Bachast durchquert und gleich am anderen Ufer angeschnallt. Auf der anfangs dünnen Neuschneeauflage ging es zuerst flach Tal einwärts und dann nach rechts hinauf. Mit zunehmender Höhe ist die Neuschneeauflage immer höher, der Schneefall immer stärker und die Sicht immer schlechter geworden. Auf der Seehöhe von 3.530 m, am Beginn eines steileren Aufschwungs, hat Amin schließlich ein Schneeprofil gegraben. Der dabei zu Tage geförderte bedenkliche Schneedeckenaufbau hat schließlich zum Entschluss des Abbruchs der Tour an dieser Stelle geführt.

Abfahrt im Powder, aber bei schlechter Sicht
Die folgende Abfahrt in traumhaftem Pulver wäre bei besseren Sichtverhältnissen sicher noch lustvoller gewesen. Aber wir hatten bis weit hinunter beste Schneeverhältnisse, nach unten hin auch wieder bei halbwegs passabler Sicht. Die dünne Neuschneeauflage hat auch noch dafür ausgereicht, bis zum Ausgangspunkt am Bachufer abzufahren. Wieder haben wir den Bach gequert und dann im kalten Schneetreiben auf unsere Abholung gewartet.

Hassan am Steuer
Schließlich sind wir wieder aus dem Tal hinaus, danach aber über die zweite mögliche Route, zuerst weiter nach rechts hinunter und dann vorbei an den am späteren Ruhetag besuchten Höhlenbehausungen Kafa Keli wieder hinauf nach Rineh ins Camp gefahren. Und weil Hassan in seinem alten Landcruiser keinen großen Wert auf eine hohe Innentemperatur legt, indem er auch immer wieder einmal zum Zwecke der besseren Über- und Durchsicht mit offenem Fenster fährt, war die heiße Dusche nach der Ankunft eine Wohltat. Die obligate heiße Suppe und viel Tee haben uns nach der durchfrorenen Zeit auch innerlich wieder erwärmt. Die Zeit bis zum Abendessen haben einige aus der Gruppe zum Besuch von Bäckereien im Ort bzw. Andreas und Philipp zum Einkauf einer wärmenden Kopfbedeckung genutzt.

23.4.2019 - 4.Tourentag – Damavand 4.030 m (Akklimatisationsanstieg bis Umkehrpunkt) – 1.350 Hm

… danach Auffahrt zum Damavand
Anfangs sind wir ziemlich viel Auto gefahren, obwohl nur eine vergleichsweise kurze Anfahrt zum Ausgangspunkt der Tour auf den Pashoreh auf der anderen Talseite geplant war. Ein morgendlicher Ferncheck der Schneelage mittels Fernglas war durch den Nebel vereitelt worden. Am angepeilten schneefreien Ausgangspunkt wurde daher wieder umgedreht, nach etwa 1 1/2 Stunden haben wir Rineh in der Gegenrichtung wieder passiert und sind jetzt am holprigen Weg hinauf zur Gusfandara Moschee so weit gefahren, wie dies die Geländegängigkeit der Fahrzeuge zugelassen hat.

Die letzten Meter hin zur Moschee
Auf einer Höhe von 2.680 m war Schluss. Von da sind wir im Nebel mit aufgepackten Skiern gestartet. Nach etwa 180 Hm haben wir angeschnallt und sind weiter bis zur Moschee angestiegen. Dort haben wir im ziemlich versauten Inneren des Base Camp eine Pause eingelegt. Amin hat uns erzählt, dass ihm der jetzt sehr unwirtlich wirkende Unterstand schon einmal das Leben gerettet hat. Wenn man zu erfrieren droht, im Schneesturm den Unterstand endlich findet, dann ist man auch gerne bereit, sich in einen verdreckten Teppich zu wickeln, um nicht zu erfrieren.

Plötzlich freie Sicht
Unsere aus den Kopfbedeckungen herausschauenden Haare waren bis dahin auch ordentlich angeraumt, Erfrierungsgefahr hat aber in keinster Weise bestanden. Im Nebel wurde danach der Aufstieg fortgesetzt. Auf etwa 3.500 m waren wir dann plötzlich kurzzeitig in der Sonne unterwegs. Laura Dahlmeier, die deutsche Spitzenbiathletin, Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin, ist während einer kurzen Pause alleine an uns vorbei gezogen. Fast hätten wir sie nicht erkannt, weil sie kein Gewehr am Rucksack gehabt hat ;-).

Weiterer Anstieg bei wechselnden Sichtverhältnissen
300 Hm weiter oben haben wir später ihre Gruppe getroffen. Die haben uns erzählt, dass sie schon im Zagros Gebirge unterwegs gewesen sind und zum Abschluss auch noch den Damavand versuchen wollten. Die Sonne hat sich wieder hinter dem Nebel versteckt, die durchdringende Strahlung war aber zeitweise sehr stark und richtiggehend heiß. Ohne Probleme sind wir noch bis auf 4.030 m angestiegen und haben dort die Tour knapp unterhalb der Schulter beendet.

Meisam kennt jedes Schneeband zwischen viel Geröll rundherum
Bis auf etwa 3.400 m sind wir danach im „Plattenpulver“ abgefahren. Ab da gab es dann wirklich Pulverschnee. Meisam kennt den Berg wie seine Westentasche und daher hat er auch trotz miserabler Sicht eine perfekte Linie für die Abfahrt gefunden. Über die ausgeaperten Lavawälle hat er immer wieder Querverbindungen mit ausreichender Schneeauflage zwischen den schneegefüllten Rinnen und Flächen gefunden. So haben wir ohne ein einziges Mal abzuschnallen erst ganz am Schluss die Skier wieder aufgepackt.

Abstieg zu den wartenden Fahrzeugen
Zwischen herrlich angeraumten Gräsern. Stängeln und Steinen sind wir über die restlichen 150 Hm zu den wartenden Jeeps abgestiegen. Kaum zu glauben, dass hier in etwa einem Monat alles voll von blühenden roten Mohnblumen sein wird, während etwas weiter oben noch eine geschlossene Schneedecke liegen wird. Nach der Rückfahrt gab es in Rineh wieder die obligate Nachmittagsverpflegung. Herrlich!

Ghorme Sabzi
Die Zeit bis zum Abendessen wurde mit einem Schnapser mit doppeldeutschen Schnapskarten, die im Camp aufliegen, verkürzt. Ich muss wohl Glück in der Liebe haben, beim Spiel hatte ich jedenfalls keines. Andreas war der eindeutige Sieger. Zum Abendessen gab es dann eine besondere Spezialität, Ghorme Sabzi, ein Eintopf aus Lammfleisch, Bohnen und einer herrlichen Kräuter-Gewürz-Sauce, gekocht von Rasuls Mama. Ausgezeichnet! Dazu gab es natürlich – wie fast immer – Reis (gekocht und gebraten). Der kalorienenschwangeren Nachspeise (Kuchen, Eis mit Honig, Mandelsplittern und Schokosauce) hätte es angesichts des folgenden Ruhetages wohl nicht bedurft. Geschmeckt hat aber auch diese ausgezeichnet. Danach wurde mit Tee noch weiter hydriert. Ein langes, sehr nachdenklich stimmendes Gespräch mit Ashkahn hat den Abend dann beschlossen.

24.4.2019 - Ruhetag

Kafa Keli
Über Nacht hat es wieder geschneit. Die metallene Stiege von unserem Zimmer hinunter ist vollkommen vereist und spiegelglatt. Vorsichtig haben wir uns zuerst über den Bereich ohne Geländer und dann zwischen diesem und der Mauer spreizend nach unten gehantelt. Nach dem späten Frühstück sind wir etwa 1 ½ Stunden lang entlang der Straße zu den Höhlenbehausungen Kafa Keli (Häuser der Ungläubigen) hinunter gewandert. Dort habe ich am Straßenrand auch noch Ludwig, den Hüttenwirt von der Polsterhütte am Präbichl getroffen. Er war zusammen mit seinem langjährigen Freund Hassan in dessen Auto unterwegs. Zum wiederholten Mal ist er derzeit auf Besuch in Rineh. Mit im Auto war auch Ludwigs Freund Horst, den ich zwei Tage später knapp unterhalb des Gipfels vom Damavand wieder getroffen habe.

Monument
Nach dem Besuch der in den Tuffstein gehauenen beindruckenden Höhlenbehausungen sind wir bis zur Straße abgestiegen und von dort mit auf uns wartenden Fahrzeugen einige Kilometer weiter Tal auswärts gefahren. Knapp vor der Brücke über den Haraz mit dem anschließenden Straßentunnel sind wir nach links abgebogen und vom dortigen Parkplatz in die Schlucht, vorbei unter dem Klettergarten mit vielen verbohrten Routen bis zu einem in den Fels gehauenen Monument gewandert. Von dort ging es dann wieder zurück zu den wartenden Autos und mit diesen hinauf in den Ort Algarm (Heiße Quellen).

Baden in 40 Grad heißem Wasser
Dort durften wir im abgeschlossenen Bereich einer der ungezählten Thermen – der Aufseher hatte den Badebereich zuvor verlassen – ausnahmsweise ohne Geschlechtertrennung im 40 Grad heißen Thermalwasser relaxen. Eine rustikale Massage durch Meisam, für die wenigen, die das wollten, hat das Erholungsprogramm abgerundet. Anschließend ging es zu einer der vielen Einkehrstätten im Ort und dort wurden wir mit ausgezeichnetem Kebab verpflegt. Auf der Rückfahrt haben wir noch kurz am Ortseingang von Rineh gestoppt und dem Künstler im Handwerksladen einige Reiseandenken abgekauft. Im Camp ging es dann vor und nach dem Abendessen ans Packen der Taschen für den - zumindest - zweitägigen Anstieg auf den Damavand.

25.4.2019 - 5.Tourentag – Damavand - Schulter 4.250 m (Hüttenanstieg) – 1.520 Hm

Die Hochträger starten knapp vor uns
Von etwas weiter oben als vor 2 Tagen sind wir nach der Auffahrt mit den Jeeps durch die frisch verschneite Landschaft diesmal gestartet. Direkt neben den Fahrzeugen haben wir angeschnallt. Die afghanischen Hochträger sind mit unseren großen Packtaschen und dazugetapten Unterlagsmatten wenige Minuten vor uns gestartet. Schon faszinierend und Hut ab, was die eher kleingewachsenen Männer, die meist mit Halbschuhen unterwegs sind, in der Lage sind, auf den Berg zu schleppen. Auch unser von Rasul vorgekochtes Essen wurde auf den Berg verfrachtet. Und Rasul selbst ist auch mit aufgestiegen.

Erste Pause knapp oberhalb der Moschee
Etwas oberhalb von der Moschee Gusfandara haben wir eine erste Trinkpause eingelegt. Dann ging es in etwa entlang der schon vom Anstieg vor 2 Tagen bekannten Route weiter hinauf. War es anfangs wolkenlos, so sind wir schließlich von unten in die Wolkendecke eingetaucht. Recht flott sind wir darin angestiegen. Und weil Amin und ich in der Schlussphase des Anstiegs so intensiv in ein Gespräch vertieft waren, ist er schließlich dadurch im Nebel auch noch an seiner Hütte vorbei gegangen.

Die alte (unsere) und darüber die neue Hütte
Knapp unterhalb der großen, neuen Hütte haben wir umgedreht und sind die kurze Strecke zu seiner, der alten Hütte wieder abgefahren. Die Träger waren auch schon da und die Hütte, welche Amin in den letzten beiden Jahren saniert hatte, wurde wohnbar gemacht. Rasul hatte bald einmal Suppe für uns bereitet und Amin hat in der Folge unsere körperliche Verfassung durch Messen von Sauerstoffsättigung im Blut und Puls überprüft. Nachdem der Generator angeworfen war, hat der kleine Heizstrahler begonnen, das Hütteninnere zu erwärmen. Die zweite Heizquelle, der Verbrennungsofen, hatte ein Problem und konnte nicht gestartet werden. Als dann plötzlich in der Stromversorgung ein Verteiler durchgeschmort ist, habe ich Amin beim Legen einer etwas abenteuerlichen Notleitung assistiert. Mit verringerter Leistung konnte danach weitergeheizt werden.

Aufstieg zur „Hütteninspektion“
Als es draußen aufgeklart hat, sind einige von uns noch einmal aus der Hütte, um die Abendstimmung zu genießen. Nur mit den Socken in den Außenschalen der Skibergschuhe hat uns die Neugier zu der großen neuen Hütte hinaufstapfen lassen. In der wirklich eiskalten riesigen Behausung haben wir uns neben dem Kurzbesuch beim Afghanen in seinem Gemischtwarenladen auch davon überzeugen können, dass es in unserer Hütte wesentlich heimeliger war, als dort oben. Gerne hätten alle Bergkollegen, denen wir dies während ihres Abendessens in der kalten Stube erzählt haben, mit uns getauscht.

Abendstimmung vor der Hütte
In der Abendsonne sind wir wieder nach unten gestapft und konnten uns bald darauf zu den vollen Spaghettitellern setzen. Damit wurde der Kohlehydratspeicher für den folgenden Gipfeltag gefüllt. Auch vorhydriert haben wir wieder ordentlich, wohl wissend, dass ein nächtlicher Gang in die frostige Nacht nicht wirklich lustig ist. Nach Sonnenuntergang habe ich noch einen letzten Ausflug ins Freie gemacht. Der Lichterschein des ca. 80 km Luftlinie entfernten Teheran ist aus dieser Höhe deutlich zu sehen.

Einrichten für eine kurze Nacht
Sehr früh sind wir dann in unsere Schlafsäcke gekrochen. Von Schlaf war da noch keine Rede. Und der war nach kurzer Ruhephase nach Ausschalten des Generators mit zunehmendem Druck auf die Blase gegen Mitternacht auch schon wieder vorbei. Die verbleibende Zeit bis 4 Uhr wurde mit dem Zuwarten darauf verbracht, wann der oder die Erste die Hüttentür öffnen und einen Schwall Kaltluft herein lassen würde. Da hätte ich mich dann angeschlossen. Vielen ist es gleich gegangen, hat sich gesprächsweise später herausgestellt. Die Tür blieb aber zu … :-(

26.4.2019 - 6.Tourentag – Damavand - Gipfel 5.671 m - 1.440 Hm (2.700 Hm Abfahrt)

Aufbruch in der Morgendämmerung
… und ging dann knapp vor 4 Uhr früh endlich auf. Eine Erleichterung! Gefrühstückt wurde mit Tee, Marmeladebrot (what else?! ;-) ) und Halva, der picksüßen Delikatesse aus Sesam. Die frisch gekochten Eier habe ich verschmäht. Obwohl wir die Thermosflaschen teilweise bereits am Vorabend gefüllt hatten, hat es in der Früh trotzdem etwas länger gedauert, bis der Getränkevorrat für den Gipfelanstieg hergestellt war. Es war dies kein Nachteil, denn ein späterer Start war Garant dafür, nicht ewig in der Eiseskälte unterwegs zu sein. Mit noch eingeschalteter Stirnlampe sind wir um ¾ 6 Uhr in der Morgendämmerung gleich mit montierten Harscheisen gestartet.

Weit über den Wolken geht es stetig aufwärts
Vorbei an der großen Hütte ging es bergwärts. Jedem von uns ist an irgendeiner Extremität kalt geworden. Meist waren die Finger betroffen. Nach etwa 1 ½ Stunden Aufstiegszeit sind wir erstmals aus dem Schatten in die inzwischen aufgegangene Sonne gekommen. Diese hat ab da für den weiteren Anstieg für etwas Strahlungswärme gesorgt. Das Aufstiegstempo ist bewusst niedrig gehalten worden um wegen des in der Höhe abnehmenden Sauerstoffgehalts der Luft nicht frühzeitig auszubrennen.

Erstmals 5.000 m – Holodaro Diho!
Es hat zwar keine langen Pausen gegeben, aber zumindest regelmäßig getrunken habe ich schon. Irgendwann hat sich herauskristallisiert, dass Max und ich einen besonders guten Tag erwischt hatten und wir haben uns im Gefolge von Amin vom Rest der Gruppe abgesetzt. Das erstmalige Überschreiten der 5.000er Marke hat Max mit einem zünftigen Jodler kundgetan. Gegessen habe ich lange Zeit gar nichts, nach einem nicht mehr aufzuschiebenden Sidestep in 5.300 m Höhe dann zumindest ein paar Trockenfrüchte.

Mit Max und Amin am Damavand
Amin und Max waren inzwischen etwas vorausgeeilt. Oberhalb des Skidepots auf 5.400 m, wo wir auch gleich die Steigeisen montiert haben, habe ich sie später zwischen rauchenden Schwefeldämpfen, die dort auch seitlich aus dem Berg austreten, wieder eingeholt. Ziemlich geschafft haben wir nach exakt 6 Stunden Aufstiegszeit den Gipfel erreicht. Groß war die Freude, bei so herrlichen Bedingungen am höchsten Punkt zu stehen.

Blick über den Krater nach NW
Weil aber auch ein kaltes Lüfterl geblasen hat und Meisam am Funk gerade nicht erreichbar war, hat Amin uns nach einiger Zeit zum Abstieg gedrängt. Das war für den Fall unterschiedlicher Leistungsstufen im Falle der Zweiteilung der Gruppe im Vorfeld auch kommuniziert gewesen. Etwa 50 Hm unterhalb des Gipfels sind uns die ersten Kollegen entgegen gekommen und einmal ums Eck dann die restlichen Aufsteigenden aus der Gruppe. Ich konnte Max davon überzeugen, im Sinne eines gemeinsamen Gipfelerlebnisses noch einmal mit aufzusteigen. Auch der nach uns absteigende Amin – er hatte am Gipfel zuvor doch noch die beim Aufstieg nicht verwendeten Steigeisen montiert – hat nach unserer Begegnung noch einmal umgedreht.

Gipfelfreude am Damavand
Alle gemeinsam haben wir dann - jetzt auch noch bei Windstille - den Gipfelsieg zelebriert. Wenn die Höhe des Damavand mit 5.671 m (auch in der später erhaltenen Besteigerurkunde) angegeben wird, so widerspricht das zwar neuen Vermessungsergebnissen französischer Experten, aber 5.610 m hoch ist er allemal. Und „Doppelbesteiger“ Max und ich haben mit unserem Wiederanstieg jedenfalls auf die kartografierte Höhe aufgedoppelt. Die Besteigungsgebühr von 50,- USD hat man uns dafür eh nicht zweifach abgenommen ;-).

Abstieg zum Skidepot
Dann sind wir wieder abgestiegen. Beim Skidepot bin ich dem aufsteigenden Horst begegnet. Er hat sich später, wie uns Rasul und Hassan am Abend erzählt haben, leider an der Hand ziemlich verletzt. Ich hoffe, es geht ihm wieder halbwegs gut und er kann seinen geplanten Aufenthalt mit Ludwig in Armenien genießen. Für einige von uns - so auch für mich - gab es jetzt insofern eine unangenehme Überraschung, als der neben unseren Skiern ausströmende Schwefeldampf in Verbindung mit der niedrigen Außentemperatur unsere Bindungen vereist hatte, ohne dass wir dies sofort bemerkt hätten. Erst nach dem zweiten unangenehmen Aufschlag auf dem pickelharten, eisigen Harschdeckel infolge des unprogrammgemäßen Öffnens der vermeintlich geschlossenen Bindung habe ich mich an die Ursachenforschung gemacht, diese gefunden und auch behoben.

2.700 Hm Abfahrt unterhalb von uns
Der inzwischen völlig deformierte und im rechten Winkel abstehende Skistopper musste mit roher Gewalt noch etwas in Form gebracht werde, dann konnte die Abfahrt endlich beginnen. Diese war dann nicht nur wegen der ausgelaugten Muskulatur, sondern auch wegen des verlorenen Vertrauens in die Funktionstüchtigkeit des Bindungssystems kein wahres Vergnügen. Erst am letzten langen Hang hinunter zur Hütte, der gut und gerne 700 Hm hat, ist wieder Fahrfreude aufgekommen.

Zwischenstopp beim „Mt. Krakau“
Dabei haben wir unsere Abfahrtslinie bewusst etwas weiter rechts angelegt, um dem „Mt. Krakau“ einen Besuch abzustatten. Eine Krakauer Tourenrunde, u.a. mit Florian Siebenhofer, war vor ein paar Jahren bei ihrem Hüttenanstieg noch etwa 300 Hm über die Hütte hinaus gestiegen und danach dorthin abgefahren (Akklimatisationsregel: Steig hoch, schlaf tief!). Der Umkehrpunkt wurde mit GPS vermessen und ein paar Steine auf dem Zapfen obendrauf platziert. Die sind jetzt nicht mehr dort oben. Aber die Grüße in die Heimat vom „Hausberg“ gebe ich hier gerne weiter.

Nur Fliegen ist schöner !?
Bei der Hütte angekommen hat uns Rasul mit Suppe und Tee wieder aufgepäppelt bevor er sich an den Abstieg gemacht hat. Nach der Stärkung wurde die Hütte von Amin dicht gemacht und wir sind - jetzt im aufgefirnten Schnee - weiter abgefahren. Zwischendurch konnten wir uns an Hand der Spuren davon überzeugen, dass unsere vor uns abgestiegenen Hochträger unsere Taschen in bestimmten Passagen nicht hinuntergetragen hatten, sondern auf diesen hinunter gerodelt waren. Vorbei an der Moschee ging es weiter abwärts.

Abschwingen und finales Abschnallen direkt neben den wartenden Jeeps
Einmal mussten wir abschnallen und einen ausgeaperten Lavawall übersteigen. Dabei bin ich ausgerutscht und habe mich in einen Distelpolster gesetzt. Die Damavandbesteigung hat auch deshalb noch eine zusätzliche Nachhaltigkeit bei mir erfahren. Inzwischen sind aber alle diesbezüglichen Spuren wieder beseitigt. Dort, wo wir am Vortag in der Früh angeschnallt hatten, haben wir zum letzten Mal in dieser großartigen Woche auch wieder abgeschnallt, die Skiausrüstung und die Rucksäcke in die wartenden Jeeps verstaut und wegen der zusätzlichen Passagiere (Rasul, Träger) etwas beengt die Heimfahrt nach Rineh angetreten.

Andreas beim Barbier
Das Rekultivieren nach zwei Tagen am Berg hat Andreas - auch angesichts der Heimreise am Tag danach - sehr ernst genommen und sich vom Friseur auf der gegenüberliegenden Straßenseite rasieren lassen. Etwas überrascht war er dann schon, als dieser ihm, ohne dazu beauftragt worden zu sein, auch noch den Haaransatz faconiert hat, damit dieser besser zum glattrasierten Gesicht passt. Am Abend hat uns die Küchenmannschaft dann mit gegrilltem Fisch und ebensolchem Gemüse verwöhnt. Sehr lecker!

27.4.2019 - Reisetag

Die bunte Truppe vor der Abreise
Nach dem Frühstück (oder auch schon davor) war allgemeines Packen angesagt. In einem Kleinbus ging es zurück nach Teheran. Unser Großgepäck und die schon flugfertig verpackte Skiausrüstung sind in einem Pickup extra gereist. Wieder haben wir im Hotel Mashad eingecheckt. Den Nachmittag haben Andreas, Philipp Max und ich gemeinsam verbracht. Zuerst sind wir vom Hotel mit einem Taxi zum Ferdowsi Platz zum Geldwechseln gefahren. Die offizielle Wechselstube hatte zwar kein Bargeld, der Straßenhändler direkt vor dem Eingang hatte aber unter dem Deckel einer großen Styroporkiste in seinem mobilen Büro jede Menge davon. Wieder einmal sind wir zigfach zum Millionär geworden und mit dem Taxi ging es abermals weiter in den Norden der Stadt.

Die Vier im Jeep
Ziel unserer Fahrt war die Tabiat Brücke, die über den tosenden Verkehr auf dem Modares Highway hinweg zwei weitläufige Parks verbindet. Es ist dies ein städtebauliches Juwel im modernen Teheran, entworfen von Leila Araghian, die den Wettbewerb damals noch als Studentin gewonnen hat. Auf der Fahrt dorthin sind wir auch an der Mosalla Moschee Imam Khomeini vorbeigefahren, die - wenn sie irgendwann einmal fertig sein wird - Platz für 800.000 Gläubige hat. Die acht Minarette werden 230 m hoch. Ein 150 m hoher Flaggenmast im größeren der Parks zeugt ebenso von der Größe der Republik wie die Nationalbibliothek mit dem „Garten der Bücher“ sowie das Museum der Heiligen Verteidigung. Dieses wollten wir besuchen, es war aber schon geschlossen. Ein freundlicher Bediensteter hat uns aber gestattet in einem Jeep vor dem Eingang Platz zu nehmen und hat auch noch Fotos von uns geschossen.

U-Bahn Fahrt zurück ins Stadtzentrum
Für die Rückfahrt mit der U-Bahn ins Stadtzentrum haben wir umgerechnet 6 ct pro Person berappt. Für uns war die Fahrt im überfüllten Zug direkt angrenzend an den Waggon, der nur Frauen vorbehalten ist, ein Erlebnis. Im Stadtzentrum haben wir dann noch den Bazar besucht und einige Dinge eingekauft. Mit dem Taxi ging es dann wieder zurück zum Hotel, wo wir pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt für das abschließende gemeinsame Abendessen angekommen sind.

Abschlussgetränk im Rock Cafe
Nach dem Essen ging es noch ins Rock Cafe vis à vis vom Restaurant auf ein Abschlussgetränk. Und weil wir uns zum Zeitpunkt der geplanten Abholung um Mitternacht auch noch gebührend von den Abreisenden aus der Gruppe verabschieden wollten, sind Philipp und ich bis dahin auch noch auf geblieben. Max hat uns bei einem weiteren Lokalbesuch dabei unterstützt, die zu überbrückende Zeitspanne sehr kurzweilig vergehen zu lassen.

Ein „Prost!“ auf eine großartige Bergfahrt
Gina ist noch geblieben, weil sie ab dem nächsten Tag mit dem Bus auf eine Rundfahrt gegangen ist. Thomas, Philipp und ich haben am Folgetag die Anschluss-Kulturreise angetreten. Wir haben zuerst noch einmal Teheran, dann Shiraz, Persepolis und Isfahan besucht. Das ist aber eine andere Geschichte. Einige Fotos der besuchten touristischen Hotspots finden sich in der Bildergalerie. Am 2.5. sind wir mit einem längeren Zwischenstopp in Wien, den wir dank Philipps Senatorstatus auf Grund seiner beruflichen Vielfliegerei sehr feudal in der Lounge verbracht haben, wieder nach Hause geflogen.

Die Grazer Buam am Damavand
Zusammenfassend darf ich feststellen, dass die Besteigung des Damavand ein einzigartiges Bergerlebnis war. Ich danke hier noch einmal allen, die dazu ihren Beitrag geleistet haben. Gehen habe ich dann ja eh selber müssen, aber daran habe ich große Freude gehabt. Land und Leute kennen zu lernen war mir auch wichtig. Ich habe zwar seit 35 Jahren einen unübertrefflich netten Nachbarn, der aus dem Iran stammt, aber auch vor Ort konnte ich mich nun von der freundlichen und offenen Art der Iraner überzeugen. Ich habe mich rundum ausgesprochen wohl gefühlt und sicher nie Angst gehabt. Die Gruppe, mit der wir „Grazer Buben“ unterwegs waren, hat grundsätzlich gut harmoniert, fit waren sowieso alle wie Turnschuhe. Schade nur, dass die schwäbische Frohnatur Jenny, die schon kränkelnd angereist war, deshalb die Gipfelanstiege nicht zu Ende gehen konnte.

Hühner Kebab
„Und der Heinrich?“ wird der geübte Leser zum Schluss dieser sehr langen Geschichte jetzt noch fragen. Nun, der ist im Verlaufe meiner Schilderungen schon mit vielen Zwischeninformationen versorgt worden. Zum Abschluss sei ihm noch einmal ein Fotodokument eines lokaltypischen Essens gewidmet. Hühner Kebab mit Reis wird sehr oft und gerne gegessen. Und ich meine, dass damit auch Freund Heinrich, auch wenn die Panier außen rundherum fehlt, sicher seine Freude gehabt hätte, solange es dabei nicht sein eigenes, bunte Eier legendes Federvieh am heimischen Hof betrifft.



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