Schimpelspitz

am 15.01.2020

Schimpelspitz 2.413 m - 1.030 Hm

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mit dabei:
Chris


 Blick von der Tockneralm
Nach der sonntäglichen Genussskitour mit Tochter Steffi war heute wieder einmal ein alpinistisches Abenteuer mit dem Junior Chris an der Reihe. Schon seit Jahren habe ich bei meinen Touren immer wieder ein Auge auf die markante Pyramide des Schimpelspitz geworfen. In „normalen“ Wintern ist allerdings die steile, felsdurchsetzte SW Flanke üblicherweise nicht mit viel Schnee gesegnet. Die heuer in der Krakau außergewöhnlich gute Schneelage hat mir bei meinen Touren zur Weihnachtszeit auf die Tockneralm und am letzten Samstag auf das Bauleiteck vor Augen geführt, dass heuer bei günstigen Verhältnissen eine Besteigung mit anschließender Befahrung möglich sein könnte.

Aufstieg vorbei an der Grafenalmhütte; der Schimpelspitz bereits voll in der Sonne
Der heutige Wundertag hat von der Witterung her solche Verhältnisse versprochen und die Lawinenwarnstufe war mit 1 auch ein positives zusätzliches Signal für den Start dieser alpinistischen Herausforderung. Also sind wir nach einer halben Woche abermals zum Ausgangspunkt beim Etrachsee gefahren und haben den Skianstieg direkt am dortigen Parkplatz begonnen. Wie am letzten Samstag sind wir bis zur Rudolf-Schober-Hütte aufgestiegen. Ab der Grafenalm hat sich dabei das markante Tourenziel in unserem Blickfeld präsentiert. Gleich nach der Schoberhütte sind wir dann in etwa entlang des Sommerweges in Richtung Schimpelscharte weiter angestiegen.

Aufstieg in der SW Flanke
Nach einer längeren Querung auf Höhe der Waldgrenze haben wir für den letzten ziemlich harten Aufschwung zum Karboden zur Sicherheit die Harscheisen montiert, diese dann nach dem flachen Stück und einigen Kehren im steiler werdenden Gelände aber wieder im Rucksack verstaut. Im Gegenzug durften diesen die Steigeisen verlassen. Nach deren Montage und dem Aufpacken der Skier ging es dann in der direkten Linie durch die SW Flanke aufwärts.

Kraxeln am Grat
Chris hat mir mit dem Schlagen von Stufen eine perfekte Aufstiegsleiter gebaut, in der ich ihm nachgestiegen bin. Die Steilheit hat sich immer um die 45 Grad bewegt, in der sich aufsteilenden Geländekante unterhalb des Grats habe ich auch Werte jenseits von 50 Grad gemessen. Am Grat ging es dann weiter aufwärts. Zum Schluss haben wir noch einmal in das Schneefeld der Flanke hinein gewechselt, weil wir so einer leichten Kraxlerei über felsiges Gelände ausweichen wollten.

Vater und Sohn am Schimpelspitz
Nachdem wir an zugeschneiten felsigen Abbrüchen jeder einmal bis über die Hüften versunken waren, sind wir reumütig wieder zum Kraxeln am Grat zurückgekehrt. Nach einer Aufstiegszeit von 3 Std 40 min haben wir den Steinmann am Gipfel erreicht. Die Hoffnung, dass sich die doch mitunter sehr harte Schneedecke in der jetzt schön langsam nach SW wandernden Sonne noch ein bisschen auffirnen könnte, wurde im Gipfelbereich durch ein sehr kühles Lüfterl zunichte gemacht.

Tiefblick vom Schimpelspitz zur Aufstiegs- und Abfahrtsroute
Und weil dieses trotz wolkenlosen Himmels den Gipfelaufenthalt recht ungemütlich gemacht hat, sind wir sehr bald ein paar Meter bis zum Beginn des Schneefelds an einem kleinen Sattel am Grat wieder herunter gekraxelt und haben dort für die Abfahrt umgerüstet. Weiteres Zuwarten hätte zudem keinen Sinn gemacht, weil eine jetzt aufziehende, dünne Schleierbewölkung der Sonne die Kraft für weiteres Auffirnen geraubt hat.

Vor der Abfahrt
Sorge hatten wir deshalb keine, weil wir ja im Anstieg ausreichend Zeit gehabt hatten, die Konsistenz der Schneedecke zu studieren. Und dabei hatten wir festgestellt, dass man auf dem durchwegs gut tragfähigen und größtenteils griffigen Harschdeckel trotz der Steilheit und ohne weiteres Auffirnen auch sehr gut und sicher abfahren kann. Daher galt es jetzt nur mehr alles gut festzuzurren und dann ging es los.

Abfahrt anfangs entlang des Grats
Vom ersten Schwung nach der Einfahrt in die Gipfelflanke an war klar, dass alle unsere Einschätzungen richtig waren. Noch besser und genussvoller als erwartet ging es zapfig abwärts. Anfangs haben wir noch einige Schrägfahrten einbauen müssen um in der Nähe des Grats einen gut fahrbaren Weg zwischen den herausragenden Felsbrocken zu finden. Dann ging es in der direkten Linie in einer leicht ausgeprägten Rinne abwärts.

Abfahrt vom Schimpelspitz
Zum Zwecke der fotografischen Dokumentation, für die es im Anstieg mangels freier Hände und Standflächen nicht allzu viele Gelegenheiten gegeben hatte, haben wir die Abfahrt immer wieder einmal unterbrochen und dem jeweils anderen im Vorbeifahren den Vortritt gelassen. Sehr flott und begleitet von einigen Juchzern haben wir so die zuvor schweißtreibend erarbeitete Höhe wieder abgebaut.

Nach unten hin firnt es auf
Im Schlussteil hat es dann wirklich etwas aufgefirnt und am Karboden hat es sich zu schmieren begonnen. Ausgiebig haben wir an der Geländekante noch einmal auf die befahrene Flanke zurückgeblickt. In der Folge haben wir natürlich auf den Schlenker nach rechts zurück in Richtung Schoberhütte verzichtet, sondern sind über freie Flächen gerade zur Grafenalm hinunter gestochen.

Butterfirn auf der Grafenalm
Dieser Teil der Abfahrt hat uns mit etwas tieferem Butterfirn noch einige Jucherzer mehr entlockt. Sehr schnell waren wir auch deshalb auf Höhe des Almbodens, haben dort über eine Schneebrücke den Bach gequert und sind zuerst flach und dann noch über die letzte Geländestufe hinunter zur Zufahrtsstraße zur Schoberhütte weiter flott abgefahren. Dort hat sich in der Nähe des Steges die Runde für uns geschlossen.

Die letzten Abfahrtsmeter entlang des Sees
Entlang des Aufstiegsweges, jetzt den Schimpelspitz im Rücken, ging es in flotter Fahrt vorbei an den Grafenalmhütten zurück zum Ausgangspunkt der Tour beim Etrachsee. Ziemlich durstig und auch hungrig sind wir nach Krakauebene gefahren. Die örtliche Gastronomie war leider zu. Nach dem Friedhofsbesuch und einmal kurz bei der Verwandtschaft „Grüß Gott!“ sagen sind wir daher auf der Suche nach Ess- und Trinkbarem schließlich in Murau fündig geworden.

Schnitzel mit Erchtlingen und Salat
Der Heinrich darf sich zum dritten Mal innerhalb einer Woche über ein besonders knuspriges Schnitzerl mit Lungauer Erchtlingen und Salat freuen. Das Gebräu aus der örtlichen Brauerei hat dazu den Durst gestillt. Derart gestärkt ging es anschließend wieder nach Graz. Und weil Chris das Steuer übernommen hat, hatte er es - im Rahmen des gesetzlich Erlaubten – im wahrsten Sinne des Wortes selbst in der Hand, rechtzeitig zu seinem abendlichen Theatertermin wieder daheim zu sein.



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