Trenchtling

am 12.03.2020

Lamingegg 1.959 m - N.N. (Mt. shorty) 2.010 m - Hochturm 2.081 m - Leobner Mauer 1.870 m (Gegenanstieg) - 1.520 Hm

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mit dabei:
Chris


Tourenbuch v. 27.2.2000
Als ich bei der Vorbereitung dieser Tour an einem weiteren Urlaubstag zusammen mit Chris war, habe ich auch in meinen alten Tourenbüchern geblättert. Da ist mir die Tour auf das Lamingegg vor 20 Jahren sofort ins Auge gestochen. Auch damals war ich mit dem Sohnemann zu zweit unterwegs. Es war dies seine dritte Skitour. Ob ich auch heute diese fordernde Route, vor allem im Anstieg bei der Querung an der Nordseite der Leobner Mauer hinein in die Trenchtlingrinne, noch einmal mit ihm machen würde, glaube ich eher nicht. Ganz große Klasse, was der damals knapp 13jährige Knabe mit antiquiertem Material ohne Steighilfe geleistet hat.

Anstieg bei der Handlalm mit Blick zur Griesmauerr
Diesmal hat natürlich er das an die körperliche Konstitution des in die Jahre gekommenen Vaters angepasste Tempo vorgegeben. Gleich 100 m oberhalb des Ausgangspunkts bei den Almhäusern haben wir angeschnallt und sind vorbei an der Talstation der Materialseilbahn zur Leober Hütte und an der Oberen Handlalm angestiegen. Dort haben wir auch gleich die Harscheisen zum Zwecke der Absicherung des etwas steileren Anstiegs an der Westseite und der späteren Querung an der Nordseite der Leobner Mauer montiert. Für die letztgenannte Passage waren sie auch recht hilfreich.

Vater und Sohn am Lamingegg 2020
Im griffigen oberen Drittel der Trenchtlingrinne ging es dann weiter aufwärts. Am Ochsenboden angekommen haben wir uns in der Sonne einmal eine kurze Pause gegönnt und den Sonnenschutz aufgetragen. Viele Gämsen am aperen oberen Ende des Wildfelds haben unseren weiteren Anstieg hinauf zum ersten Tagesgipfel, vor 20 Jahren dem einzigen Ziel der Tour, dem Lamingegg beobachtet. Nach einer Aufstiegszeit von 1 Std 50 min (mit Pause) waren wir oben.
Vater und Sohn am Lamingegg 2000






Aufstieg zum „Mt. shorty“
Weil es zu dieser frühen Zeit in der Sonne schon sehr warm war, haben wir bereits die ersten Entladungen aus der Südflanke der Griesmauer beobachtet. Sehr rasch haben wir daher unseren Aufstieg in Richtung des namenlosen Gipfels in Richtung Osten („Mt. Shorty“) fortgesetzt. Von da sind wir dann gleich auf Fellen noch bis auf Höhe des Sommerweges zum Hochturm abgefahren. Weil dieser aber weitestgehend ausgeapert war, haben wir den Skianstieg nicht weiter fortgesetzt, sondern die Latten auf die Rucksäcke gepackt.

Zustieg zum Hochturm
Einige Schneefelder haben wir im Stapfschnee gequert und danach den alpineren Part des Anstiegs in Angriff genommen. Der Zustieg zum felsigen Aufschwung war auch weitestgehend eisfrei. Daher haben wir die Steigeisen in den Rucksäcken gelassen Die Kraxlerei über meist trockene Griffe und Tritte war dann ohne Eisen an den Schuhen jedenfalls angenehmer. Nur dort, wo man üblicherweise nach rechts aus dem Kamin aussteigt, hätten wir sie wegen des vereisten Untergrunds zur Absicherung doch wieder gerne an den Schuhen gehabt.

Aufstieg zum Hochturm
Die Alternative war nun, über weiterhin gute Tritte und Griffe etwas steiler bis ganz nach oben durchzusteigen. Das haben wir dann gemacht und sind ganz oben nach rechts hinaus gequert. Vor dem Schlussanstieg mussten wir daher noch einmal in die nächste Scharte kurz absteigen. Schließlich haben wir das große Kreuz am höchsten Punkt des Trenchtlingstocks erreicht und uns dort eine kurze Pause gegönnt.

Abfahrt vom Hochturm
Jetzt haben wir auch die Felle abgezogen und im Rucksack verstaut. Danach ging es über das Gipfelplateau zurück bis an den Rand der SW-Flanke. Am obersten Ende des Schneebandes haben wir angeschnallt. Und weil wir schon während des Schlussteils des Anstiegs ausgelotet hatten, dass durch ein großes Schneebrett vom Vortag die allenfalls bedenklichen Abschnitte der Flanke vollständig entladen waren, konnten wir vom ersten Meter an genussvoll abfahren.

Abfahrt vom Hochturm
Die Temperaturen in der klaren Nacht zuvor waren zwar – wie erwartet - nicht sehr tief gewesen, aber die Abstrahlung hatte für die erwartet kompakte Schneedecke gesorgt. Mit der Exposition spielend haben wir uns im ersten Drittel eine sehr feine Linie gesucht und gefunden. Nach der Querung der Lawinenbahn sind wir kurz in etwas tieferem Schnee, danach wieder direkt in der viel kompakteren Lawinenbahn weiter abgefahren. Danach galt es den großen Lawinenkegel zu umfahren. Da war der durch die Sonneneinstrahlung aufgeweichte Schnee wieder ziemlich tief.

Abfahrt vom Hochturm
Mit abnehmender Steilheit und daher flacherem Einstrahlwinkel hat am weiteren Weg hinunter bis in den Talgrund des Rötzgrabens die Schneequalität wieder rasch zugelegt. Auf rauschendem Firn sind wir da bis ganz nach unten gecarvt und es wäre uns nicht in den Sinn gekommen, vielleicht schon etwas höher nach rechts hinaus zu queren und damit einige Höhenmeter im Gegenanstieg einzusparen.

Wiederanstieg zur Leobner Mauer
Nach dem Auffellen ging es dann wieder hinauf in Richtung Schneeloch. Chris hat mir dankenswerterweise die Spur gezogen. Dort sind wir dann nach links weg und in einigen langen Kehren zur Leobner Mauer angestiegen. Im letzten Teil des Anstiegs galt es noch einige brüchige Schneebrücken über Latschen unbeschadet zu überqueren. 55 Minuten nach Beginn unseres Wiederanstiegs haben wir am markanten Gipfelzeichen unseres letzten Tagesgipfels angeschlagen.

Blick zum Hochturm
Jetzt haben wir uns eine längere Pause gegönnt und nicht nur die zuvor in Anstieg und Abfahrt am Gegenhang zurückgelegte Distanz in Augenschein genommen. Auch darüber hinaus haben wir in die Bergwelt geschaut und viele bekannte Ziele dabei entdeckt. Und von der steilen Südseite der Griesmauer hat es auch jetzt noch immer gerumpelt. Schließlich kamen auch die Felle wieder in den Rucksack.

Abfahrt in den Ochsenboden
Für die Abfahrt in den Ochsenboden galt es wieder eine halbwegs fahrbare Spur zwischen den Latschen bzw. über fragile Schneebrücken zu finden. Als diese Übung gelungen war, haben wir die Skier noch einmal kurz geschultert und sind bis zum oberen Ende der Trenchtlingrinne hinauf gestapft. Von dort fährt man viel bequemer in die Rinne ein als seitlich zwischen den heuer so weit herausschauenden Latschen.

Abfahrt in der Trenchtlingrinne
Der oberste Abschnitt der Rinne war auch noch halbwegs gut fahrbar, weil die dort länger hineinscheinende Sonne den Schnee einerseits umgewandelt und andererseits auch entsprechend aufgefirnt hatte. Danach folgte aber eine Passage mit nahezu unfahrbarem, sehr schnittigem Schnee. In so einem Fall macht man auch einmal eine Bergab- Spitzkehre und kommt so besser ums Eck als mit einem Schwung.

Einmal kurz Abschnallen unterhalb der Handlalm
Im Auslauf der Rinne ist der Schnee wieder berechenbarer und daher besser fahrbar geworden. Schließlich sind wir am Waldrand bis zu jenem Forstweg, der flach zur Oberen Handlalm hinüber führt wieder etwas flotter abgefahren. Von da ging es dann noch hinunter zur Bachquerung unterhalb der Materialseilbahn und weiter entlang des Aufstiegsweges talwärts. Mit Ausnahme einer kurzen ausgeaperten Passage bei der Handlalm, wo wir abgeschnallt haben, konnten wir bis 100 m oberhalb des Ausgangspunktes der Tour abfahren.

Wiener Schnitzel
Bei der Heimfahrt haben wir uns dann schon überlegt, ob es angesichts der weltweiten Corona-Pandemie gescheit ist, in ein Gasthaus einzukehren. An der ersten Einkehrstätte mit einem gut gefüllten Parkplatz sind wir noch vorbeigefahren. Der Hunger war aber schon ziemlich groß und in Vordernberg ist dann die Entscheidung zwischen Wurstsemmel und Schnitzel doch zugunsten Zweiterem gefallen. Das Lokal war überdies nicht gut besucht und unter Beachtung aller Hygienevorschriften haben wir uns an einem abgeschiedenen Tisch gelabt. Den Heinrich wird’s freuen.



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