Roteck und Gr. Barbaraspitze

am 12.06.2020

Roteck 2.742 m, Gr. Barbaraspitze 2.726 m - 1.175 Hm

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mit dabei:
Chris



Restbewölkung am Vorabend
Ein Fenstertag und noch dazu bei Kaiserwetter! Diese Kombination wollten Chris und ich nicht ungenützt vorüberziehen lassen. Daher sind wir am Abend des Fronleichnamstages in gewohnter Manier in die Krakau gefahren. Stellenweise hatte es geregnet. Auch rund ums Roteck gab es zu diesem Zeitpunkt noch Restfeuchte. Bevor wir uns niedergebettet haben, sind wir noch mit Cousin Herbert auf eine kleine Jause zusammengesessen.

Zustieg zum Ölaschngraben
Noch einmal eine Viertelstunde früher als schon bei den letzten Touren hat uns der Wecker schon wieder herausgebeutelt. Nach dem schnellen Frühstück ging es bei mittlerweile wolkenlosem Himmel hinein ins Prebertal. Dort hatte es gerade einmal 4 Grad über Null, also ideale Voraussetzungen für eine (astronomisch) Frühjahrs- / (meteorologisch) Frühsommerskitour. Wieder haben wir nach der Furt bei der Möslhütte eingeparkt und dort mit aufgepackten Skiern unseren Anstieg begonnen.

Aufstieg im Ölaschngrabenn
Wieder ging es durch das etwas unwegsame Gelände mit ungezählten blühenden Frühsommerboten und einigen Alpensalamandern hinauf in Richtung Ölaschngraben. Weil das Schneeband darin immer weiter zurückgeht, sind wir etwas weiter oben an einer günstigen Stelle in die Steilrinne hineingestiegen. Vom ersten Meter an war klar, dass die niedrige Außentemperatur in Verbindung mit der nächtlichen Abstrahlung die Schneedecke perfekt verfestigt hatte.

Ausstieg aus dem Ölaschngraben
Über den mit Steinen stark verschmutzen unteren Abschnitt der Rinne sind wir noch ohne Verwendung der Steigeisen angestiegen, für den steileren oberen Teil waren sie aber unabdingbar. Dort hat jetzt zwar auch schon die Morgensonne hineingeleuchtet, trotzdem war die Schneedecke zur frühen Stunde noch pickelhart. Nach dem Ausstieg aus der Rinne war der mittlerweile doch um einiges mehr ausgeaperte Bereich im Übergang zur nächsten Rinne zu überwinden. Fast nicht zu glauben, dass wir hier vor 5 Wochen noch durchgehend auf Skiern abgefahren sind.

Aufstieg über „Blutschnee“
Beim Anschnallen haben wir auch gleich die Harscheisen montiert. Diese waren sodann beim Anstieg ins Moarkar und vor allem in den sich aufsteilenden Passagen weiter oben eine wertvolle Steighilfe. Der kurze ausgeaperte Bereich in der Mitte der Rinne ist seit dem letzten Mal auch ein paar Meter breiter geworden. Wir sind aber gleich auf Fellen drüber gegangen. Der Altschnee im weiteren Verlauf hinauf ins Kar ist stellenweise durch Saharastaub blutrot. Im Kar haben wir schließlich eine kurze Trinkpause eingelegt. Die Fährten von Murmeltieren auf der Schneedecke dokumentieren, dass die Winterszeit nun wohl endgültig zu Ende ist.

Anstieg im Moarkar
Im Kar ging es danach flott aufwärts. Chris hat mit seinen schon schwächelnden alten Fellen einige Kehren mehr gemacht als ich. Der seit dem letzten Mal ebenso ausgeaperte Ausstieg aus dem Kar hat uns noch einmal zum Aufpacken der Skier genötigt. Zuerst sind wir nach rechts auf die Gratflanke mit sogar in dieser Höhe schon einigen Frühblühern und danach in deren Verlauf weiter über das Schneefeld bis zum Beginn des Roteckgrats hinauf gestapft.

Blick vom Roteck in die Krakau
Der Grat ist mittlerweile auch soweit ausgeapert, dass wir hier auf die Steigeisen verzichten konnten. In knapp über 10 Minuten waren wir dann nach problemloser Kraxlerei am Gipfel. Da war es gerade einmal 9.00 Uhr. Der Tiefblick in den Lungau war zu diesem Zeitpunkt noch durch den sich hebenden Morgennebel verwehrt. Wegen der ungetrübten Sonneneinstrahlung und deren negative Auswirkung auf die Schneedecke haben wir den Gipfelaufenthalt aber nicht zelebriert und uns gleich wieder an den Abstieg gemacht.

Abstieg am Roteckgrat
Abermals 10 Minuten später waren wir zurück beim Skidepot und haben dort wieder angeschnallt. Zuerst sind wir in den Sattel zwischen den Gipfeln hinuntergerutscht und danach in 5 Minuten bis zur Barbaraspitze aufgestiegen. Jetzt wurde abgefellt und danach gejausnet und getrunken. Auch für ein kurzes Telefonat mit den Lieben zu Hause war jetzt Zeit. Den Tiefblick bis zum Ausgangspunkt und den Blick in die nähere und weitere Umgebung haben wir noch einmal genossen. Dann haben wir angeschnallt und sind in den Sattel abgefahren.

Direkte Einfahrt ins Moarkar
Von da ging es jetzt in die direkte Einfahrt ins Kar, die - welch Wunder – immer noch ein durchgehendes, wenn auch schmales, Schneeband aufweist. Die Steilheit des Geländes und der eine oder andere schön langsam ausapernde Felsblock in der Abfahrtslinie waren uns bekannt und daher kein Problem. Sehr flott haben wir daher die Höhe wieder abgebaut.

Traumhafter Firn im Moarkar
Chris hatte beim Anstieg eine orografisch rechts der Lawinenbahnen angesiedelte Linie ausgekundschaftet, in der wir auf Paradefirn hinunter gecarvt sind. Auch die nächste Geländestufe weiter hinunter ins Kar hatte besten Firn für uns parat. Und am Karboden darunter hat es sich auch unter unseren Latten geschmiert. Am Ende des Kars haben wir uns kurz eingebremst und noch einmal genussvoll auf die bis dahin abgefahrene Strecke zurückgeblickt.

Begegnung mit Ernst in die Rinne
Dann haben wir wieder Fahrt aufgenommen und sind zuerst über die freien Flächen und danach seitlich in die Aufstiegsrinne eingefahren. Dort haben wir uns kurz eingebremst, weil uns Ernst aus Kirchdorf a. d. K., den ich heuer schon einmal am Amachkogel getroffen hatte, im Aufstieg entgegengekommen ist. Er war in der Früh nicht nur aus Oberösterreich 2 Stunden lang angereist, sondern auch noch von der Säge ins Prebertal hinein geradelt. Da er von da an sicher noch etwas mehr als eine Stunde anzusteigen hatte, hat er hoffentlich bei seiner Abfahrt noch halbwegs passablen Schnee vorgefunden und ist nicht im Firn bis zu den Hosensäcken versunken.

Abfahrt aus dem Moarkar
Für uns hat der Schnee auch am weiteren Weg hinunter noch perfekt gepasst. Die wenigen Grashalme, die beim Übersteigen des ausgeaperten Bereichs auf den Laufflächen kleben geblieben sind, waren auf den nächsten Schwüngen vom Firn schon wieder heruntergeputzt. Am Ende der durchgehenden Schneefläche haben wir abgeschnallt und die die Latten aufgepackt. Dann sind wir, auch hier wieder vorbei an vielen blühenden Frühlingsboten, in den Ölaschngraben abgestiegen.

Abfahrt im Ölaschngraben
Dort war dann erst einmal im Steilgelände ein halbwegs brauchbarer Anschnallplatz zu finden. Danach war noch kurz Fingerspitzengefühl bei der Spurwahl für die ersten Schwünge gefordert, weil sich der Bach schon weit unter die Schneefläche hineingefressen hatte. Nach dem Passieren des Schrundes war dann aber wieder Fahrspaß pur angesagt. Bis zur Rinnenmitte war jeder Schwung ein Genuss.

„Firngleiten“ im Schlussteil der Abfahrt
Ab da ist es dann aber laut unter uns geworden. Obwohl die meisten der ungezählten Steine in der Schneedecke lose waren und daher keine gröberen Schäden an unseren Abfahrtsgeräten verursacht hätten, haben wir uns bald einmal fürs Abschnallen entschieden. Mit aufgepackten Skiern sind wir danach in der direkten Linie auf den Schuhen abgefahren. Dort, wo wir in der Früh in die Rinne eingestiegen waren, haben wir sie auch wieder verlassen und sind danach durch blühenden Almrausch und vorbei an vielen weiteren Frühlingsboten abgestiegen.

Rituelle Reinigung zu Saisonschluss
Wenn so viele Zeichen in Richtung Sommer deuten, dann ist es irgendwann ja doch Zeit einmal ans Aufhören zu denken. Ein Sprichwort sagt ja, dass der beste Zeitpunkt dafür dann sei, wenn es am schönsten ist. Mir gefällt das Wort „Aufhören“ nicht, weil es so endgültig klingt. Die Sommerpause auszurufen, war es jetzt aber doch an der Zeit. Und die haben wir mit einer ausgiebigen Säuberung der Ausrüstung im Bach eingeläutet. Und weil im Sommer auch immer wieder einmal ein Bad in einem Gewässer genommen wird, haben wir das jetzt auch im doch recht frischen Bachwasser gemacht.

Zweierlei Rostbraten mit Butterspätzle
Im Anschluss an die äußerliche Erfrischung haben wir uns aus dem SB-Brunntrog bei der Hütte auch noch etwas gegen den Durst gegönnt. Danach haben wir die mittlerweile aufgetrocknete Ausrüstung eingepackt und sind in die Krakau hinaus gefahren. Nach dem Vatertagsbesuch am Familiengrab ging es dann zum Stigenwirth auf die Sonnenterrasse. Das Rostbratenduo vom heimischen Rind mit Butterspätzle hätte sicher auch dem Heinrich gemundet. Herbert hat uns danach noch zu Kaffee und Kuchen geladen. Dafür sei ihm auch hier noch einmal gedankt.

Blick zurück aus Unteretrach bei der Abreise
Dann war es Zeit, zusammenzupacken und die Heimreise anzutreten. Natürlich haben wir noch einmal zurückgeschaut, und dies ein bisschen wehmütig. So viele schöne Touren sind wir wegen der außergewöhnlich guten Schneelage im heurigen Winter in der Krakauer Heimat gegangen wie selten zuvor. Hätte es nicht die lange Corona/Covid19 Pause gegeben, es wären sicher noch einige mehr geworden. Aber jetzt kommt der Sommer und da werden sicher auch öfter einmal die Wanderschuhe geschnürt und die Schönheit der Gegend auf diese Weise erkundet.

Am Ende der Saison ist es jetzt aber auch noch einmal angebracht, mich bei den vielen Lesern meines Weblogs für ihr Interesse zu bedanken. Danke auch für die vielen persönlichen Rückmeldungen und für die Kommentare. Dank gilt auch meinem Kulinarikkritiker Heinrich, dem ich einen genussvollen Sommer wünsche.
Frühling im Prebertal

Besonderer Dank gilt meiner Familie, und hier in erster Linie meinem Schatz Brigitte, die es mir auch in dieser Saison wieder ermöglicht hat, meiner Bergleidenschaft so uneingeschränkt nachgehen zu können. Danke!



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