Hochobir (Gipfelrinne)

am 24.03.2021

Hochobir 2.139 m - 1.470 Hm

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mit dabei:
Andreas


Hochobir und Kleinobir
Unzählige Male bin ich in den letzten 15 Jahren auf dienstlichen und auch auf privaten Fahrten am Hochobir vorbeigefahren. Dabei ist mir immer wieder bewusst geworden, dass ich seit genauso langer Zeit einen sprichwörtlichen „Rucksack dort oben hängen habe“. Dies deshalb, weil wir bei unserer Besteigung im Jahr 2006 - obwohl dies möglich gewesen wäre - nicht durch die Gipfelrinne, sondern entlang unserer Aufstiegsroute, die Breite Rinne, abgefahren waren. Es sind uns nun Informationen zugegangen, dass die Verhältnisse für eine Befahrung der Gipfelrinne derzeit sehr gut seien. Das war dann der Startschuss für die „Abholung des dort oben hängenden Rucksacks“.

Anstieg entlang des Forst-/Sommerweges
Zum Thema der Tour passend haben wir am Ausgangspunkt in Zell-Homölisch am Ende des Freibacher Stausees die Skier auf die Rucksäcke gepackt und sie 15 Minuten lang getragen. Dann haben wir angeschnallt. Am Forstweg, die Wegkehren teilweise am Sommerweg und am alten Weg abkürzend, sind wir danach flott angestiegen. Den weiteren Aufstiegsweg entweder über die Breite Rinne oder über die Gipfelrinne hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht endgültig festgelegt.

Vorweg unter dem Lawinenkegel vorbei
Nach einer ¾ Stunde Aufstiegszeit sind wir am Lawinenkegel unter der Breiten Rinne angelangt, wollten über den Mix aus eisigen Klumpen und Steinen aber nicht ansteigen. Daher sind wir am Weg geblieben. Nach dem Passieren der Jagdhütte sind wir dann zu jener Weggabelung gekommen, wo es weiter in Richtung Gipfelrinne aufwärts geht. Die holzige Aufstiegslinie hat nicht wirklich einladend ausgeschaut (Steigeisen und Pickel für den Anstieg durch die Rinne hätten wir mitgehabt). Daher sind wir wieder nach rechts - um dort in der der ebenso holzigen steilen Geländestufe einiges an Balance aufbieten zu müssen.

Anstieg in der Breiten Rinne
Wieder am Lawinenkegel angelangt haben wir dann aber im Vergleich dazu eine sehr angenehm angelegte Aufstiegsspur vorgefunden und sind dieser gerne gefolgt. Bald einmal haben wir zur Erhöhung der Standfestigkeit auf den stellenweise harten Flächen die Harscheisen montiert. In unzähligen Kehren sind wir höher gestiegen. Der Ausblick ins Drautal und ins Klagenfurter Becken ist mit zunehmender Höhe immer grandioser geworden.

Anstieg im sonnigen Teil der Breiten Rinne
Nach etwas mehr als 2 Stunden und mittlerweile mehr als 1.000 Hm haben wir uns in der Sonne, die sich an der Nord-Westseite des Berges bis dato eher rar gemacht hatte, eine Trinkpause gegönnt. Danach ging es in der etwas flacheren, nordseitig ausgerichteten Ausstiegsrinne weiter hinauf bis zur Wechtenkante. Ein frisches Lüfterl hat diesen Bereich des Anstiegs begleitet.

Ausstieg aus der Breiten Rinne
Öfter habe ich mich in der Vergangenheit gefragt, wenn ich in einem Forum gelesen habe, dass jemand während des Anstiegs ein Harscheisen verloren hat, wie dies möglich sei. Auf der Hochfläche hat mir jetzt plötzlich das klappernde Geräusch meines rechten Harscheisens gefehlt. Dieses hat sich, ohne dass ich dies beim konzentrierten Steigen bemerkt hatte, selbständig gemacht. Es ist wohl gebrochen, weil ich ja sonst einen Kniefall hätte machen müssen, damit sich dieses aus der Verankerung hätte lösen können.

Übergang zum verf. Rainer Schutzhaus
Soweit wir den bisherigen Aufstiegsweg noch überblicken konnten, haben wir die weißen Flächen nach dem Ausreißer abgesucht, letztendlich erfolglos. Am weiteren Weg hinüber zur Ruine des Rainer Schutzhauses habe ich die zackige Aufstiegshilfe aber eh nicht mehr benötigt. Bei der längeren Bergab-Passage war das eine verbliebene Eisen schon eher lästig. Dann ging es in den Schlussanstieg. Nach 3 Std 40 min (mit Trink- und Suchpause) haben wir den zweithöchsten Gipfel der Karawanken erreicht. Grandios ist hier oben der Ausblick einerseits in die Bergketten im Süden, wo viele schon bestiegene Gipfel in der Koschuta und in den Steiner Alpen ihre steilen Nordseiten gezeigt haben und andererseits ins Drautal und ins Klagenfurter Becken.

Geteilte Gipfeljause
Die auf den Karawankengipfeln unverzichtbaren Bergdohlen waren rund um das markante Metallgestell, Überbleibsel der im 2. Weltkrieg ebenso wie das Rainer Schutzhaus zerstörten Hannawarte, eine der ersten Wetterwarten der Alpen, auch wieder da. Eine davon war besonders keck und hat ihren Anteil an unserer Jause aus den offenen Händen abgeholt. Der widerspenstige Skischuh wollte während des Umrüstvorgangs auch noch - leider erfolglos - repariert werden. Dann sind wir das kurze Stück bis zum Einfahrtsbereich in die Gipfelrinne abgefahren.

Abfahrt durch die Gipfelrinne
Von oben betrachtet haben sich die uns zugegangenen Informationen über die Schneequalität bestätigt. Jetzt war noch die faktische Bestätigung ausstehend. Nach einem ersten Schwung - noch auf hartem Untergrund - war ab dem zweiten auch diese mit positiv zu beurteilen. Einmal ins Fahren gekommen ging es daher flott abwärts. Natürlich haben wir uns einige kurze Päuschen zum Fotografieren und zum Auslockern der Beinmuskeln gegönnt.

Abfahrt durch die Gipfelrinne
Im Mittelteil der Rinne gab es eine kurze harte Passage. Im steileren nächsten Abschnitt war dann wieder Hinunterpflügen durch den Presspulver angesagt. Stellenweise hat dieser sich durch die Steilheit des Geländes vom Untergrund gelöst und uns überholt. Einige Felsen galt es zu umfahren, danach stand wieder die volle Rinnenbreite für unsere Schwünge zur Verfügung.

Schöner Pulver unterhalb der Gipfelrinne
Im Auslaufbereich der Rinne sind wir vom Schatten in die Sonne gekommen. Die dadurch bessere Sicht hat sich auch positiv auf das Ausmachen von dort unter dem Neuschnee verborgenen eisigen Lawinenknollen ausgewirkt. Der erste lange, gleichmäßig geneigte Hang war wegen dieser Pulverschicht aber sehr gut fahrbar.

Vor dem Sattel halblinks hinunter
Nach dem leichten Linksknick ab der kleinen Einsattelung haben wir in der nächsten Geländestufe kurz noch am rechten Rand einige Höhenmeter abgebaut und danach durch den Latschengürtel die Karseite gewechselt. Bei dieser Gelegenheit haben wir auch einige nur sehr flach unter der Schneedecke verborgene Steine freigelegt. In einer schattigen Rinne sind wir dann wieder im schon bekannten Schneemix aus Pulverschnee mit versteckten Eisknollen abwärts gebraust.

Genussvoller Blick zurück; der Ausgang der Gipfelrinne oberhalb von Andreas‘ Kopf
Nach dem Ausqueren aus der Rinne gab es dann noch bis zu den ersten Bäumen sehr homogenen Schnee auf den freien Flächen. Diesen Bereich sind wir auch noch sehr genussvoll abgefahren. Danach war einmal eine kurze Pause zum Genießen, Auslockern und Zurückschauen angesagt. Die folgende holzige Geländestufe, die wir uns im Anstieg nicht antun wollten, war dann mit vielen kurzen Schwüngen im aufgeweichten Schnee zwischen dem Gehölz viel weniger schlimm als befürchtet.

Bio-Schikane bei der Wegabfahrt
Sehr bald waren wir - nach bereits 1.000 abgefahrenen Höhenmetern - wieder am Forstweg und haben auf diesem die Talabfahrt fortgesetzt. Bereiche mit einer kompakten Schneedecke in den schattigen Bereichen, wo es flott dahingegangen ist, haben sich mit stellenweise schon ausapernden Abschnitten bzw. solchen, wo sich die steinharten Feinde des Skitourengehers nur unter einer sehr dünnen Schneeschicht versteckt gehalten haben, abgewechselt. Das eine oder andere ungute Nebengeräusch war daher unvermeidbar.

Blick in die Gipfelregion vom Ausgangspunkt der Tour
Bis zu jenem Punkt, wo wir in der Früh angeschnallt hatten, sind wir noch abgefahren. Dann kamen die gar nicht so arg ramponierten Latten - dem Motiv der Tour entsprechend - wieder auf den Rucksack. Vorbei an blühenden Frühlingsboten wie Erika, Schneerosen und Huflattich sind wir in einer knappen Viertelstunde zum Ausgangspunkt in Zell-Homölisch zurückgewandert. Von dort haben wir während des Umziehens und Verstauens der Ausrüstung noch einmal genussvoll in die „vom Rucksack befreite“ Gipfelregion geblickt.

Erst- und „Zweitgetränk“
Am Heimweg haben wir - wegen unseres Hungers und natürlich auch für den Heinrich - einen Stopp bei einem Lebensmittelmarkt in Grafenstein eingelegt. Während Andreas mit fachmännischem Blick den Braten gerochen und auf die altbewährte Leberkäsesemmel umgeschwenkt hat, bin ich bei meiner Wahl, Schweinsbraten im Roggenweckerl, geblieben. Dieser war dann so fetttriefend, dass er beinahe auch als Getränk durchgegangen wäre. Aber nach so einer langen Tour ist die Hydrierung eh von großer Wichtigkeit ;-). Und weil Fett auch noch als Geschmacksträger gilt, waren meine Hände - zumindest bis zur Säuberung vor der Weiterfahrt - auch einmal sehr geschmackvoll. Daheim hat mir Brigitte dann als Entschädigung und zum weiteren Auffüllen der entleerten Energiespeicher ein köstliches Chili con Carne serviert.
Chili con carne



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