Gamskögel

am 31.03.2021

Gamskögel Westgipfel 2.386 m - 1.195 Hm

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mit dabei:
Andreas


Tourenstart mit dem Ziel im Visier
Wenn die Außentemperatur in sommerliche Höhen klettert, dann wird die Tourenplanung immer zur Herausforderung. Auch bei frühem Aufbruch, der ja derzeit wegen der nächtlichen Ausgangssperre rechtlich unmöglich ist, lässt die Bindung des Schnees rasch nach. Daher sollte man zu einem Zeitpunkt, wo man meist noch im Anstieg ist, längst schon wieder unten sein. Zumindest die Wahl der Exposition kann hier noch etwas Abhilfe schaffen. Dass in den Nordsektoren der Schnee bei derartigen Verhältnissen dann meist nicht so homogen ist wie an einer sonnenbeschienenen Südseite, ist die Crux dabei.

Aufstieg auf der Mödringalm
Unsere Wahl ist wieder einmal auf die Steilrinnen rund um die Gamskögel-Nordwand gefallen. Die detaillierte Routenplanung wollten wir erst an Hand der Verhältnisse vor Ort erledigen. Am Ausgangspunkt bei der Bergerhube sind wir gleich auf Skiern gestartet. Die nächtliche Abstrahlung hatte zusammen mit einer Temperatur rund um den Gefrierpunkt für eine sehr gut verfestigte Schneedecke auf den freien Flächen gesorgt. Über den stellenweise sogar eisigen, in einigen Bereichen aber auch schon wieder augeaperten Weg sind wir zur Brücke und danach weiter zur Mödringalm aufgestiegen.

Aufpacken am Fuß der Nordwandrinnen
Die Gamskögel-Nordseite im Visier sind wir über die Waldstufe, in der der Schnee bedingt durch die fehlende Abstrahlung etwas weniger kompakt war, ins Kar angestiegen. Dort haben wir jetzt vorweg einmal die Aufstiegsroute festgelegt. Ein kurzes Stück sind wir noch entlang der festgetretenen Aufstiegsspur in Richtung Königin im Kar angestiegen und dann nach links abgezweigt. In einigen Kehren sind wir unterhalb der Nordwandrinnen weiter angestiegen. Im Rinnenausgang haben die anstollenden Felle bei einer Steilheit von ca. 38 Grad uns zum Aufpacken und gleich auch zur Montage der Steigeisen und zum Aufsetzen des Helmes bewegt.

Zustieg zur westl. Nordwandrinne
Danach sind weiter nach oben gestapft. Im sonnenbeschienenen Bereich der hier noch vereinten Rinnen war die Schneedecke meist nicht tragend. Entsprechend tief sind wir zwischendurch eingesunken. Nicht mehr tragend war offenbar auch eine Wechte weiter oben in der östlichen Nordwandrinne. Die ist uns - der Schwerkraft folgend - entgegengekommen. Eine Zeit lang ist einiges an Lockerschnee, der auch noch mitgenommen worden war, an uns vorbei talwärts gerutscht.

Aufstieg durch die westl. Nordwandrinne (sog. „Gipfelrinne“)
Einige eisige Knollen, die mit viel größerem Tempo von oben heruntergeschossen sind, haben uns zum Glück verfehlt. So schnell wie möglich haben wir die Schussbahn nach oben stapfend verlassen und sind in die westliche Nordwandrinne, die sog. „Gipfelrinne“ eingestiegen. Durch diese waren wir auch schon vor 7 Jahren einmal aufgestiegen und damals auch abgefahren. Damals haben wir innerhalb weniger Wochen auch noch die Prinzessinnenrinne und eine weitere Rinne zwischen der „Gipfelrinne“ und der NW-Rinne (Normalanstieg) begangen und befahren. Bezüglich dieser Rinne gibt es - wie schon damals hier im Blog (s. dort) - auch derzeit in den Foren einen Namensstreit.

Ausstieg aus der „Gipfelrinne“
Abwechselnd die Trittstufen schlagend haben wir an Höhe gewonnen. Im steilsten Bereich der Rinne (gemessene 49 Grad) unterhalb des leichten Linksknicks haben wir wegen des in der Sonne aufgeweichten Schnees schon einmal die ins Auge gefasste Zwischenabfahrt an der Südseite in den Bärentritt verworfen. Weiter nach oben hin ist der Schnee in der jetzt wieder schattigen Rinne dann immer härter geworden. Dank der Steigeisen und des Pickels war aber auch der steile Ausstieg über die abschließende Wechte kein Problem.

Die letzten Meter zum Gipfel
Nur wenige Meter waren es danach noch bis hinauf zum Gipfel des Gamskögel-Westgipfels. Diesen haben wir nach einer Aufstiegszeit von 3 ½ Stunden erreicht. Viel von dieser Zeit haben wir beim aufwändigen Stapfen durch die Rinne liegen gelassen. Über den durchgehend gespurten Normalweg wären wir sicher wesentlich schneller gewesen.

Abstieg zur Prinzessinnenrinne
Während der ausgiebigen Gipfelrast wurde nicht nur getrunken und gejausnet, sondern es wurden die Steigeisen wieder demontiert und im Rucksack verstaut. Für den größtenteils ausgeaperten Abstieg zur Prinzessinnenrinne waren sie nicht mehr vonnöten. Vorbei an der sehr engen und nur für Kletterer begehbaren östlichen Nordwandrinne sind wir in wenigen Minuten dorthin abgestiegen. Dabei hatten wir immer ein ziemlich großes Schneebrett, das in der Vorwoche von der Südflanke in den Bärentritt abgegangen war, im Blickfeld.

Einfahrt in die Prinzessinnerinne
Jetzt kamen auch die Skier endlich von den Rucksäcken und die Felle wurden abgezogen. Wer ein Fellsackerl mithatte ;-), hat sie darin verstaut. Dann sind wir in die Prinzessinnenrinne eingefahren - wobei das Fahren für die ersten 50 m nicht wirklich der richtige Ausdruck ist. Weil in den letzten Tagen und auch schon an diesem Tag vor uns dort Abrutschende eine Rinne in der Breite von etwas mehr als einer Skilänge gegraben haben, war an ein Schwingen von Beginn an nicht zu denken. Wegen der hohen Kanten am Rand dieser Rinne war dies nicht möglich. Also sind wir bis zur ersten Möglichkeit, daraus auszubrechen, auch hinuntergerutscht.

Abfahrt durch die Prinzessinnenrinne
Danach aber gab es kein Hindernis für genussvolles Abfahren mehr. Die breite Rinne hat mit dem darin konservierten Schneemix aus Pulver und Windharsch eine einer Halfpipe vergleichbare, gleichmäßig geneigte Abfahrtspiste für uns bereitgehalten. Durch diese sind wir genussvoll abwärts gebraust.

Oberflächlich angefeuchteter Schnee in den sonnigen Passagen
Auch im schattigen Ausgang der Rinne war der Schneemix auf den breiten Flächen immer noch von dieser großartigen Konsistenz, mit der ich ob der hohen Temperatur auch an den Vortagen nicht gerechnet hatte. Erst mit dem Wechsel vom Schatten in die Sonne hat sich daran Wesentliches geändert. Der oberflächlich stark aufgeweichte Schnee am langen Hang hinunter ins Kar war zwar immer noch ganz passabel fahrbar, aber viel Kraft war dafür aufzubringen. Man hatte das Gefühl, dass man mit den aufgestellten Zehennägeln im Skischuh die Skier gesteuert hat.

Abfahrt von der Mödringalm
Schließlich haben wir die ausgefahrene, kompakte Spur am Normalweg wieder erreicht und sind dieser dankbar über die Waldstufe hinunter zur Mödringalm gefolgt. Entlang der Aufstiegsspur ging es danach weiter hinunter zur Brücke und zurück zum Ausgangspunkt der Tour bei der Bergerhube. Die kurzen ausgeaperten Stellen am Weg haben wir auch in der Abfahrt mit angeschnallten Skiern passiert. Ein bisschen mehr Kreativität bei der Spurwahl und ein bisschen weniger Liebe zu den eigenen Abfahrtsgeräten galt es dabei abzuwägen.

Blick in die Gipfelregion von der Bergerhube
Nach dem Umziehen und dem Verstauen der Ausrüstung haben wir uns, nachdem es nur an den Wochenenden warmes Essen to go vor Ort gibt, auf die Schnelle mit einem kühlen Getränk belohnt. Während des Durstlöschens haben wir noch einmal genussvoll in die Gipfelregion nach oben geblickt. Danach haben wir die Heimreise angetreten. Unsere knurrenden Mägen wurden beim Zwischenstopp in Trieben mit der obligaten Leberkäsesemmel beruhigt. Und er Heinrich darf sich nicht nur darüber, sondern auch noch ein weiteres Mal über meinen Hendlsalat aus der heimischen Küche mitfreuen.
Hühnersalat


Frisch geschlüpft ;-)
Das dafür köstlich gebratene Fleisch stammt ja nicht von einem Huhn, das zum Eierlegen gezüchtet worden ist. Die Hühner, die dies tun, werden sich - könnten sie dies lesen - ein bisschen darüber wundern, dass auch andere, vierbeinige Alpenbewohner dies neuerdings machen. Oder habe ich da im Biologieunterricht schlecht aufgepasst ;-)? Sei’s wie’s sei! Weil heuer auch am Karfreitag witterungsbedingtes Skitourenfasten angesagt ist, wünsche ich allen Besuchern dieses Blogs „Frohe Ostern!“ und hoffe, dass auch für die Zeit nach den Feiertagen noch ein bisschen Schnee für ein paar weitere Touren übrig bleibt.



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