Lugauer

am 09.04.2021

Lugauer 2.217 m - 1.775 Hm

Zurück

mit dabei:
Andreas


Anschnallen direkt an der Bundesstraße
Nach der famosen Familienskitour vom Ostermontag mit dem süßen Abschluss für die Enkelkinder war heute wieder alpine Kost angesagt. Und die hat uns ganz ordentlich knabbern lassen. Der heurige Winter hatte ja das Ennstal nicht übermäßig mit Schnee beteilt. Daher waren die späten Niederschläge der letzten Wochen ein Segen. Und die Niederschläge der letzten Tage waren dann der Garant dafür, dass wir am sehr niedrigen Ausgangspunkt (521 m) der geplanten Tour bei der Hartelsgrabenbrücke direkt neben der Gesäusebundesstraße anschnallen und gleich auf Skiern starten konnten.

Andreas meets Andreaskreuz
Gleich nach wenigen Metern hat Andreas erstmals in seinem Leben auf Skiern seinen gekreuzten Namensvetter beim Bahnübergang passiert. Auch für mich gehört es nicht gerade zum Tagesgeschäft, Geleise mit Skiern zu überschreiten. Über die schon mehrfach in diesem Blog beschriebene erste Gebirgsforststraße der Monarchie haben wir danach 10 cm Neuschnee durch den Schluchtenwald hinauf gespurt.

Aufstieg im Hartelsgraben
Die üblicherweise erste Hürde am großen Lawinenkegel war heuer ob des bereits erwähnten milden Winters keine besonders herausfordernde und daher auch ohne Harsch- und Steigeisen begehbar. Dort, wo sich in schneereichen Wintern sonst weitere Lawinenkegel auftürmen, war der Weg nur mit dem Neuschnee bedeckt. Dem gestiegenen Schweißfluss sind wir durch das Ablegen von überzähliger Oberbekleidung begegnet. Während dieser kurzen Pause hat uns ein recht unkommunikativer einzelner Tourengeher, der gleichzeitig mit uns gestartet war, überholt.

Vom Schatten …
Dieser hat dann bis hinauf zur Hartelsgrabenhütte vorgespurt. Dann hat er uns - ohne dass die Kommunikation in Gang gekommen wäre - vorbeigelassen. Das weitere Spuren hinauf bis zu jener Wegkreuzung unterhalb der Hüpflinger Alm, wo man auf den aus Johnsbach herüberführenden Anstiegsweg trifft, haben Andreas und ich uns bei stetig zunehmender Schneehöhe geteilt. Nach 850 Hm sind wir dort erstmals aus dem Schatten in die Sonne gekommen und haben uns in dieser eine Trinkpause gegönnt. Auch der Unkommunikative hat, nachdem er uns passiert hatte, 50 Meter weiter gerastet.

Die Lugauerplan aus der Froschperspektive
Wieder sind wir nach der Pause an ihm vorbei und haben weiter zur Haselkaralm hinauf gespurt. Er ist uns gefolgt und hat uns dann in einer Kehre, als es entlang der Waldschneise nach links hinauf in Richtung Lugauerplan ging, überholt. Wenige Minuten später hat er aber schon wieder pausiert und uns endgültig den Vortritt beim Spuren überlassen. Ab da hat dann das kräfteraubende Hinaufwühlen entlang des rechten Randes der unverwechselbaren Steilflanke begonnen, unser „Shadow man“ im immer gleichbleibenden Respektabstand hinter uns.

Anstieg mit Tiefblick zur Haselkaralm
In vielen Kehren haben wir in der Folge Höhe gewonnen und uns zwischendurch eine kurze Trinkpause gegönnt. Diese haben wir dann auch gleich dazu genutzt, die angesichts der Schneefahnen am Kamm weiter oben sicher benötigte Oberbekleidung zu ergänzen und - keinen Meter zu früh - die Harscheisen zu montieren. Die Schneeoberfläche hat nämlich in weiterer Folge einen Mix aus eingeblasenen Flächen und dazwischen abgeblasenen, sehr harten Bereichen gebracht.

Schlussanstieg zum Skidepot
Einer zwischendurch sichtbaren, alten, sehr harten Spur sind wir auch deswegen nicht gefolgt, weil sie viel zu steil angelegt war. Immer näher sind wir den imposanten Wechten am rechten oberen Rand der Plan gekommen und schließlich noch so weit wie möglich links daneben auf Skiern angestiegen. Dann haben wir aufgepackt und durch die abschließende Wechte nach oben gewühlt. Am Ende des durchgehenden Schneebandes haben wir nach einer Aufstiegszeit von 4 Std 50 min dann die Skier deponiert und für den Gipfelgang die Steigeisen montiert. Während dieser Zeit ist unser stummer Verfolger, der seine Skier etwas weiter unten deponiert hatte, wortlos an uns vorbei, nach dem Abschießen einiger Fotos aber gleich darauf auch schon wieder in der Gegenrichtung an uns vorübergegangen. Meine Frage, ob er den Gipfelgang schon abgebrochen habe, wurde mit unverständlichem Murmeln beantwortet.

Gratanstieg zum Westgipfel
Berggeher sind mir bis jetzt immer als eher mitteilungsfreudige und mitunter sogar allzu gesprächige Zeitgenossen untergekommen. Dass aber jemand überhaupt nichts sagt und es auch nicht der Mühe wert findet, sich am Ende eines langen Anstiegs für die Spur zu bedanken, ist aber schon nicht alltäglich und hat uns doch verwundert. Vielleicht war er aber auch nur mit den Gepflogenheiten nicht vertraut. Aus seinem späteren Posting der Tour in einem sozialen Netzwerk haben wir entnommen, dass er aus Ungarn war und es daher möglicherweise an der Sprachbarriere gelegen ist. Wir hätten ein Wort des Dankes aber auch in jeder anderen Sprache akzeptiert ;-).

Blick zum Ostgipfel
Derart unbedankt, dafür aber mit dem grandiosen Tief- und Rundumblick gesegnet, sind wir am größtenteils ausgeaperten Grat zum Westgipfel des „steirischen Matterhorns“ angestiegen. Für einige vereiste Passagen und eingewehte Bereiche waren die Steigeisen an den Schuhen aber doch sehr hilfreich. Es gibt viele Touren, wo sowohl die Harsch- als auch die Steigeisen im Rucksack nur als Trainingsgeräte für die Schulter- und Rückenmuskulatur ihre Daseinsberechtigung haben. Am heutigen Tag wurden beide ihrer zugedachten Bestimmung gerecht. 20 Minuten nach dem Beginn des vorsichtigen Gratanstiegs haben wir den Gipfel erreicht.

Blick zu den Gamskögeln, Kl. Und Gr. Grießstein sowie Gr. Bösenstein
Jetzt haben wir uns die Zeit für die Telekommunikation mit den Daheimgebliebenen, Absenden von Glückwünschen zu besonderen Anlässen und natürlich - soweit die aus dem Nichts urplötzlich über uns beide hereinbrechenden Niesattacken dies zugelassen haben - zum in die Ferne schauen genommen. Danach sind wir entlang des Grats wieder abgestiegen und haben nach abermals 20 Minuten das Skidepot wieder erreicht. Der schweigsame Ungar war mittlerweile längst abgefahren. Von vier weiteren TourengeherInnen, die in Johnsbach gestartet und unserer Spur ab der Wegkreuzung unterhalb der Hüpflinger Alm gefolgt waren, durften wir jetzt auch die Anerkennung für unsere Spurarbeit entgegennehmen. Das war Balsam für die kurzzeitig irritierte Seele. Im Gegenzug haben wir ihnen den Fotografen gemacht.

Abfahrt in der Lugauerplan
Dann haben wir die Felle abgezogen und unsere Ausrüstung in den Abfahrtsmodus getrimmt. Daneben haben wir auch noch den Energiespeicher ein bisschen nachgefüllt. Danach stand dem erwarteten Abfahrtsvergnügen nichts mehr im Wege. Der Pulverschnee war durch die stark angestiegene Temperatur und durch die Sonneneinstrahlung mittlerweile oberflächlich nass geworden. Das Spiel mit der Exposition hat uns im orografisch linken Teil der Plan den besten Schnee beschert. Durch diesen haben wir die zuvor so schweißtreibend erarbeitete Höhe sehr flott und genussvoll wieder abgebaut.

Abfahrt in der Lugauerplan
Mit abnehmender Höhe und zunehmender Temperatur ist der Schnee im untersten Abschnitt der Lugauerplan zunehmend schwerer fahrbar geworden. In der schattigen Waldschneise hinunter zur Haselkaralm hatte sich aber noch guter Pulver für einige lustvolle Schwünge konserviert. Über die Alm ging es dann wieder zurück in Richtung Norden, die unverwechselbare Kulisse des Tamischbachturm immer im Visier.

Abfahrt vorbei an der Hartelsgrabenhütte
Ab da sind wir dann in unserer Aufstiegsspur oder knapp daneben in den Hartelsgraben abgefahren. Den Strapazen beim Anstieg aber auch beim Fahren im schweren Schnee Tribut zollend, haben wir uns einige kurze Pausen zum Auslockern der geschundenen Beinmuskulatur gegönnt. Auch dem großen Durst (O-Ton Andreas: „So durstig wie eine ganze Volksschulklasse“) wurde bei dieser Gelegenheit mit dem noch im Rucksack auffindbaren Rest des Getränkevorrats begegnet.

Abfahrt im Hartelsgraben
Ab der Hartelsgrabenhütte haben sich zum Gezwitscher der Vögel in den Bäumen über uns auch einige ungute Nebengeräusche aus den Begegnungen unserer Skier mit den unter der dünnen Schneedecke verborgenen Feinden unter uns gemischt. Zum Abschnallen war es da aber definitiv noch zu früh. Andreas, der seinen Abfahrtsgeräten offenbar mehr Respekt entgegenbringt als ich, hat zwar zwischendurch einmal für ein kurzes Stück abgeschnallt, aber schließlich sind wir noch bis knapp vor dem Schleierwasserfall abgefahren.

Leberkäse mit Erzbergblick
Dort haben wir dann endgültig aufgepackt und unseren Abstieg auf dem unsagbar schnell ausapernden Weg über die verbleibenden rund 200 Hm zu Fuß fortgesetzt. Einige Frühjahrsblüher haben auch aus den Schneeresten herausgespitzelt und dem Weg eine besondere Zierde verliehen. Schließlich haben wir Andreas’ gekreuzten Namensvetter ein zweites Mal an diesem Tag passiert und die Tour nach 7 Std und 25 min am Berg bei der Hartelsgrabenbrücke wieder beendet. Während wir uns umgezogen und die Ausrüstung im Auto verstaut haben, ist oberhalb von uns der schwer beladene und von zwei Lokomotiven gezogene Erzzug von Eisenerz zu den Hochöfen in Linz vorbeigefahren. Und genau in die Gegenrichtung sind gleich darauf wir mit dem großen Loch im Bauch unterwegs gewesen. Am Fuße des Erzbergs haben wir dieses am Parkplatz des Lebensmittelmarktes mit einer Leberkäsesemmel und einem Radler gegen den immer noch großen Durst fürs Erste gestopft. Der Heinrich kann sich außerdem darüber freuen, dass ich nach der Heimkehr auch noch faschierte Laibchen mit Gemüse und Bratkartoffeln serviert bekommen habe.
Faschierte Laibchen mit Röstgemüse und Bratkartoffeln



Mehr Bilder zur Tour

Zurück







| Suchmaschinenoptimierung durch die Lorem Ipsum GmbH |