Hoher Sonnblick

am 24.04.2021

Hoher Sonnblick 3.106 m - 1.600 Hm

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mit dabei:
Chris, Lisi, Andreas und Karlheinz



Knapp 300 km Anfahrt bis Heiligenblut
Für diese schon lange geplante Hochtour waren die Schneeverhältnisse und die Wetterprognose an diesem Wochenende perfekt. Einzig die wegen der Pandemie geschlossenen Beherbergungsbetriebe haben uns eine etwas unangenehme Zusatzaufgabe mit der langen An- und Heimfahrt beschert. Weil Frühjahrstouren schon wegen des Tagesganges der Lawinengefahr einen frühen Aufbruch erfordern, war also sehr frühes Aufstehen und davor eine kurze Nacht mit Schlafen im Schnellgang angesagt. Trotzdem waren wir eine der letzten Gruppen, die an diesem Tag bei der Fleißkehre oberhalb von Heiligenblut mit aufgepackten Skiern gestartet sind.

Aufstieg ins Klienfleißtal
Nach einer klaren Nacht waren die Schneereste am Weg ins Kleinfleißtal sehr hart und dazwischen der ausgeaperte Asphalt stellenweise mit einer Schmelzeisschicht überzogen. Entsprechend vorsichtig sind wir über diesen Bereich angestiegen und haben in der Senke nach der Kl. Fleißalm angeschnallt. Von da sieht man schon einmal das markante Tourenziel, das Observatorium am. Gipfel des Sonnblicks. Am Weg zum Alten Pocher haben wir einige Lawinenkegel überschritten und auch im alten Lärchenbestand hat uns viel Kleinholz die Auswirkungen der Naturgewalt vor Augen geführt.

Aufstieg in der Kleinfleiß
Als wir nach etwas mehr als einer Stunde Aufstiegszeit etwas weiter oberhalb nach kurzen sonnigen Momenten zuvor endgültig aus dem Schatten in die Sonne gekommen sind, haben wir uns eine Trinkpause gegönnt und die Sonnenbrillen aufgesetzt, Angesichts des Steilaufschwungs vor uns haben wir auch gleich die Harscheisen montiert. Dann ging es weiter aufwärts, immer der Sonne entgegen.

Aufstieg aus der Kleinfleiß
Während die meisten vor uns Ansteigenden den Weg nach links hinauf unter das Hörndl eingeschlagen haben, sind wir halbrechts hinauf in direkter Linie zum See unter dem Kleinfleißkees angestiegen. Die Schneedecke war mit Ausnahme der glasigen Abfahrtsspuren vom Vortag griffig und daher gut zu gehen. Ab dem zweiten Drittel des Steilaufschwungs hat sich der Großglockner in unserem Rücken als ständiger Blickbegleiter für den gesamten restlichen Anstiegsweg von seiner schönsten Seite präsentiert.

Zweite Pause
Im Flachbereich vor dem See, einem Überrest des vormals viel weiter herunterreichenden Gletschers, haben wir uns wieder eine Pause genehmigt und den Sonnenschutz ergänzt. Danach ging es wieder weiter, anfangs sogar leicht bergab und dann nach links hinauf zum Anstiegsweg, den die meisten vor uns Aufsteigenden genommen hatten. Unbarmherzig hat die Sonne in den Kessel heruntergebrannt. Vielleicht auch deshalb, aber vor allem wegen einer massiven Desorientierung meines Verdauungsapparats, die sich schon während der Anfahrt manifestiert hatte (Details seien dem geneigten Leser erspart), ist ab da plötzlich der „Mann mit dem Hammer“ hinter mir gestanden und hat beschlossen, mit mir auf den Sonnblick mitzugehen.

Aufstieg zum Kleinfleißkees
Ich habe derartiges noch nie erlebt und daher das „Pemierenerlebnis“ als besondere Selbsterfahrung gesehen. Mein schon zuvor nicht sehr hohes Gehtempo habe ich auf einen verlangsamten Westalpenschritt reduziert und fortlaufend Pausen eingelegt. Auch die Flüssigkeitsnachfuhr habe ich erhöht. Sehr gefreut hätte ich mich in diesem Bereich über ein kühles Lüfterl, wie wir es im Winter manchmal im fast unerträglichen Übermaß gehabt hatten. Aber es hat sich nichts gerührt.

Anstieg am Kleinfleißkees
Im Schneckentempo habe ich mich nach oben geschleppt. Chris, Lisi und Andreas haben sich meiner erbarmt und immer wieder auf mich gewartet. Andreas, der ja bei der letzten Tour einmal gesagt hatte, durstig zu sein wie eine ganze Volksschulklasse, war diesmal mit seinem Leid nicht alleingelassen. Karli, sein Freund aus genau dieser Zeit war wieder mit uns am Weg, Und der hatte es sich zur Aufgabe gemacht, uns vorauszueilen und vor dem Zittelhaus das Bier für uns einzukühlen.

Gipfelbier
Als ich nach 4 ½ Stunden Aufstiegszeit - bis zuletzt begleitet von Chris - direkt vor der Haustüre des höchsten ganzjährig bewohnten Gebäudes der Republik abgeschnallt habe, war das Hopfengetränk wegen des 20 minütigen Aufenthalts im kalten Schnee zwar sehr erfrischend, aber vielleicht doch nicht das geeignetste Mittel, meine Innereien wieder ins Lot zu bringen. Jedenfalls hat es den Durst gestillt und dem Karli sei an dieser Stelle auch für seine Fürsorge gedankt.

Gipfelfreude
Zwischen vielen vor allem aus Kolm Saigurn und vom Mölltaler Gletscher Aufsteigenden haben wir den Gipfelaufenthalt zelebriert, wohl wissend, dass sich der Schnee auf unserer Abfahrtsroute nicht zu unserem Nachteil verändern sollte. Mir war jede Minute recht und während des 50minütigen Gipfelaufenthalts habe ich Kräfte sammeln und mich wieder „zusammenklauben“ können.

Abfahrt über das Kleinfleißkees
Dann haben wir wieder direkt vor der Haustüre - dem ebensten Platz weit und breit - angeschnallt und die Abfahrt begonnen. Das erste Stück hinunter bis zur Kleinfleißscharte war wegen vieler vor uns Abfahrender schon fast pistenartig ausgefahren. Ab da sind wir am Kleinfleißkees weit nach links unter die Goldbergspitze hinausgequert. Darunter hatte sich - und das hatten wir schon beim Anstieg ausgemacht - noch herrlicher Pulverschnee konserviert. Durch diesen sind wir dann jubelnd talwärts gecarvt.

Abfahrt vom Kleinfleißkees in Richtung See
Die wegen des Gletscherschwunds am Ende dieser Abfahrt jetzt zu überwindende kurze Gegensteigung haben wir mit viel Schwung und ein paar Schlittschuhschritten gepackt. Nach der Schrägfahrt über den nächsten aufgefirnten Hang sind war dann durch herrlichen Frühjahrsschnee hinunter in Richtung See unter dem Kleinfleißkees gefahren. Hoch genug, sodass wir mit viel Schwung auch die leichte Bergaufpassage bis zu unserem Rastplatz vom Anstieg auch noch geschafft haben, sind wir wieder nach rechts hinaus gequert.

Firntraum bei der Abfahrt in die Kleinfleiß
Das Highlight dieser Abfahrt war dann aber die lange Steilstufe hinunter in die Kleinfleiß. Ich habe diese zwar wegen meiner Unpässlichkeit nicht wirklich voll auskosten können, aber der Jubel meiner Begleiter hat dies lautstark dokumentiert. Karli, der schon oft hier oben war, hat uns mitgeteilt, dass er dort noch nie einen so genialen Schnee bei der Abfahrt gehabt hat.

Fragile Eiskonstrukte oberhalb vom Alten Pocher
In den flacheren Passagen hinaus zum Alten Pocher war der Schnee zwar schon etwas tiefer, mit geschickter Spurwahl an der orografisch linken Seite haben wir aber auch dort noch einige sehr genussvolle kurze Hänge mit Schrägfahrten dazwischen abgestaubt. An den sonnenausgesetzten Südseiten oberhalb des Hüttendorfes sind zu diesem Zeitpunkt einige der riesigen Eiszapfenkonstrukte abgebrochen und zusammen mit viel Geröll tosend zu Tal gestürzt.

Danke für den „versteckten“ Hinweis
Wir waren aber weit außerhalb des Gefahrenbereichs, vor dem wir etwas später bei der Abfahrt entlang des Aufstiegswegs auch noch „versteckt“ gewarnt worden sind. Nach dem Überfahren der jetzt auch aufgefirnten, stellenweise mit viel mitgerissenem Material verdreckten Lawinenkegel haben wir die Brücke überquert. Danach ging es mit einigen Schlittschuhschritten über die kurze Gegensteigung.

Abschnallen und Ski tragen im ausgeaperten Wegstück
Auch von unserem morgendlichen Anschnallplatz in der Senke hinauf zur Kl. Fleißalm waren diese noch einmal gefragt. Dafür sind wir jetzt aber auf den Schneeresten am Weg bis zum Ende des durchgehenden Schneebandes weiter abgefahren. Über ein ausgeapertes Zwischenstück haben wir die Skier getragen. Danach sind wir dann noch so weit gefahren, bis uns der Schnee endgültig ausgegangen ist.

Zurück am Ausgangspunkt
Die Latten kamen wieder auf den Rucksack und vorbei an einigen blühenden Frühlingsboten sind wir die restlichen 5 Minuten bis zum geparkten Auto abgestiegen. Jetzt war es an der Zeit, die verschwitzte Skitourenkleidung gegen das Sommeroutfit zu tauschen und die Tour nachzubetrachten. Vor allem Lisi, zusätzlich gehandicapt durch eine an den Vortagen beim Joggen erlittene Sprunggelenksblessur, hat wieder einmal ihre unfassbare Ausdauer unter Beweis gestellt und ihren ersten 3000er mit Bravour bestiegen und befahren. Gratulation!

Schinkensemmel
Für die anschließende weite Heimfahrt hat Chris dankenswerterweise das Steuer übernommen. Weil der Lebensmittelmarkt in Winklern an diesem Samstagnachmittag keinen warmen Leberkäse mehr vorrätig hatte, gibt es für den Heinrich heute ein Fotodokument meiner Schinkensemmel. Bei Temperaturen um die 20 Grad sind wir durch das Mölltal, das Drautal und vorbei am Wörthersee in Richtung Heimat gefahren. Im Lavanttal haben wir die Heimfahrt noch einmal unterbrochen. Der am Vortag telefonisch georderte Spargel wollte abgeholt werden. Leider wächst dieser wegen der niedrigen Nachttemperaturen, die neben der Abstrahlung für den herrlichen Schnee verantwortlich zeichnen, nur sehr langsam. Daher konnten wir diesen nicht in der gewünschten Menge, sondern nur in „homöopathischen Dosen“ einpacken. Das tut mir jetzt sehr leid für all jene, denen ich auch noch gerne einen mitgebracht hätte. Für den Heinrich habe ich jedenfalls - zumindest virtuell - eine Portion über die Pack retten können. Gegessen habe ich ihn dann aber schon selbst ;-) – und das mit Genuss.
Lavanttaler Spargel



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