Roteck und Gr. Barbaraspitze

am 02.06.2021

Roteck 2.742 m, Gr. Barbaraspitze 2.726 m - 1.200 Hm

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mit dabei:
Andreas und Karlheinz


Abendstimmung bei der Anfahrt in die Krakau
Wir haben auf den (meteorologischen) Sommer warten müssen, bis nach dem (meteorologisch) verseuchten Mai endlich wieder gute Tourenbedingungen geherrscht haben. Und weil in der warmen Jahreszeit ein früher Aufbruch angesagt ist, war es ein Segen, dass die Lockerung der durch die Pandemie bedingten Einschränkungen seit 2 Wochen auch wieder Nächtigungen außer Haus möglich machen. Daher haben wir uns mit dem aus Kärnten anreisenden Karli am Vorabend in der Krakau getroffen. Die kalte Jause - soweit sie nicht zu Hause im Kühlschrank liegen geblieben war - hat zusammen mit dem vergorenen Traubensaft des Lieblingsweinbauern für die nötige Bettschwere gesorgt. Weil es nach der langen Tourenpause viel zu plaudern gab, ist die Nacht dann doch wieder etwas kurz geworden.

Skianstieg im Ölaschngraben
Knapp vor 6 Uhr sind wir am nächsten Tag bei der Moarhütte mit aufgepackten Skiern gestartet. 70 Hm weiter oben haben wir - nachdem wir zuvor schon auf kompaktem Schnee unterwegs gewesen waren - angeschnallt. Auch die Harscheisen haben wir gleich montiert. Dann sind wir zuerst über das Schneeband nach halbrechts hinauf und danach in vielen Kehren durch den Ölaschngraben angestiegen. Ab der Rinnenmitte waren wir dann in der Sonne unterwegs. Diese hatte zur frühen Stunde noch nicht ausreichend Kraft, die Schneedecke im steiler werdenden oberen Abschnitt der Rinne aufzufirnen. Deswegen haben wir die Skier abermals aufgepackt und die Steigeisen montiert.

Aufstieg im Ölaschngraben
Nach dem Ausstieg aus der Rinne war es abermals an der Zeit, umzurüsten. Die Skier samt Harscheisen durften wieder auf die kühle Unterlage und die Steigeisen im Gegenzug den Platz im warmen Rucksack einnehmen. Dann sind wir durch die folgende etwas weniger steile Rinne ins Moarkar aufgestiegen. Im Vergleich zu den Vorjahren liegt hier oben noch außergewöhnlich viel Schnee. Davon konnten wir uns auch während unserer Trinkpause im Kar überzeugen. So mächtige Wechten hängen um diese Jahreszeit üblicherweise nicht auf den umliegenden Graten. Wenn man weiß, wie fragil diese unter Wärmeeinwirkung sind, so rufen sie zu äußerster Vorsicht.

Ausstieg aus dem Moarkar; der Roteckgipfel rechts der Wechte am li. Bildrand
Weiter ging es dann hinauf im nach oben hin steiler werdenden Kar. Vor der abschließenden Steilstufe haben wir uns noch eine kurze Trinkpause gegönnt. Dann sind wir in einer langen Schleife und einigen kurzen Kehren auf den Gratrücken nach rechts hinaus gequert und diesem danach bis in die Scharte zwischen Roteck und Gr. Barbaraspitze gefolgt. Von da waren es dann nur noch wenige Meter nach links hinauf bis zum Skidepot am Beginn des Ostgrats zum Roteck.

Garatanstieg zum Roteck
Jetzt mussten die Steigeisen wieder ihr kuscheliges Rucksackquartier verlassen und wurden an den Skibergschuhen befestigt. Im griffigen Trittfirn am ausgesetzten Grat haben sie danach für unsere Standfestigkeit gesorgt. Eine knappe Viertelstunde später waren wir am höchsten Punkt der Krakau (das Roteck ist um 2 Meter höher als der Preber), den seit dem letzten Jahr ein neues Gipfelkreuz ziert.

Gipfelfreude am Roteck
Nach der kurzen Gipfelrast mit Blicken in die Bergszenerie weiter im Norden, in den Lungau und in die Krakau sind wir am Grat wieder abgestiegen bzw. abgekraxelt. Zu dieser Zeit hat es unter den sonnenbeschienen Wänden im Kar bereits immer wieder einmal gerumpelt, wenn der Schnee aus dem Steilgelände der Schwerkraft gefolgt ist. Umso vorsichtiger sind wir vor allem bei den fragilen Schneebrücken über Felsspalten zu Werke gegangen.

BERG HEIL der Afritzer Freunde auf der Gr. Barbaraspitze
Eine Viertelstunde später waren wir wieder am Skidepot. Jetzt haben wir aber die Steigeisen gleich an den Schuhen belassen und die Skier auf die Rucksäcke gepackt. Nach dem kurzen Abstieg in die Scharte sind wir dann in wenigen Minuten zum zweiten Tagesgipfel, der Gr. Barbaraspitze hinauf gestapft. Auch dort oben liegt derzeit noch so viel Schnee, dass die markante Steinpyramide am Gipfel vollkommen zugeschneit ist.

Einfahrt ins Moarkar
Jetzt haben wir uns eine etwas längere Gipfelrast zur Stärkung, zum Kommunizieren und zum Umrüsten für die Abfahrt gegönnt. Anschließend haben wir angeschnallt und sind direkt vom Gipfel vorerst einmal zurück in die Scharte abgefahren. Von da ging es dann weiter abwärts in die steilere Einfahrt ins Moarkar. Obwohl die aufziehende Quellbewölkung zeitweise die Sonneneinstrahlung etwas gedämpft hatte, war die Schneedecke schon aufgeweicht und ziemlich tief. Entsprechend viel loses Material hat sich unter unseren Schwüngen gelöst und ist unter Aufnahme weiteren Materials talwärts gekollert.

Abfahrt im Moarkar
Im Kar haben wir uns orografisch möglichst weit nach links orientiert, weil wir uns dort noch die Schneedecke mit den besten Fahreigenschaften versprochen hatten. Der eine oder andere Zauberschwung war bis hinunter zum Karboden aber unvermeidbar. Dazwischen sind wir an mehr als mannshohen Schneekugeln vorbeigefahren, die sich als Folge von kleinen Wechtenbrüchen aus dem Steilgelände gelöst hatten. Und auch in der Preberflanke hat es immer wieder einmal gerumpelt.

Abfahrt aus dem Moarkar
Obwohl die etwas flacheren Bereiche nach rechts unterhalb vom Mühlbachtörl sicher eine kompaktere Schneedecke geboten hätten, haben wir uns deswegen aber dazu entschlossen, über die jedenfalls sichere Aufstiegsroute aus dem Moarkar abzufahren. Einige Male sind wir schon etwas tiefer eingesunken und in den steileren Passagen haben wir auch wieder einige kleine Rutscher ausgelöst, aber schon bald haben wir die breite Fläche oberhalb der Einfahrt in den Ölaschngraben erreicht.

Abfahrt im Ölaschngraben
Jetzt galt es möglichst hoch zu bleiben und die ausgeaperten Bereiche zu umfahren. Mit Ausnahme zweier ganz kurzer aperer Passagen, über die wir gleich auf Skiern drüber gestiefelt sind, ist diese Übung bestens gelungen. Danach sind wir in die steile Rinne eingefahren. Auch dabei haben wir einiges an Lockerschnee in Bewegung gesetzt und einmal vorausgeschickt. Auf dem kompakten Lawinenschnee ist jetzt aber wieder ein ungleich größerer Fahrspaß aufgekommen. Vor allem bis zur Rinnenmitte, wo der breite Lawinenkegel aus der Preberflanke einmündet, war dies sicher der beste Abschnitt der gesamten Abfahrt.

Abfahrtspause am Fuße des Ölaschngrabens
Weil auch während unserer Zeit am Berg der Kegel darunter weiter angewachsen war, sind wir jetzt über viele Knollen weiter abwärts gefahren. Dabei haben wir uns anfangs ordentlich gesputet, um für den Fall von weiterem Nachschub von oben dort schon wieder weg zu sein. In der Folge sind wir dann durch jenen Bereich, wo der aus vielen losen Steinen und mitgerissenem Erdreich am Lawinenkegel bestehende Belag besonders dick ist, wieder langsam abgefahren. Das eine oder andere Nebengeräusch war dabei nicht zu vermeiden, gröberen Schaden haben unsere Skier aber nicht genommen.

Der Bach ist noch dick mit Schnee bedeckt
Im Auslauf der Rinne hat sich das Schnee-zu-Steine-Verhältnis zugunsten des Ersteren wieder verbessert. Wir haben daher wieder Fahrt aufgenommen und sind auch noch über den Ast nach halbrechts hinunter, wo in den nächsten Wochen wieder ein Bächlein sprudeln wird, flott abgefahren. Nach dem Passieren des Punktes, wo wir in der Früh angeschnallt hatten, sind wir etwas weiter nach rechts. Mit einem Lärchentango ist es uns gelungen, weiterhin auf einem durchgehenden Schneeband abzufahren. Ganz zum Schluss sind wir noch einmal über einen kleinen Steinwall drübergestiegen und 20 Meter weiter unten haben wir dann am letzten Zipfel Schnee endgültig angeschnallt.

Kurzer Abstieg zur Moarhütte
Jetzt haben wir die Skier wieder aufgepackt und sind anfangs über Geröll, danach über den frisch grünenden Almboden abgestiegen. Lediglich 30 Höhenmeter nach dem Abschnallen haben wir den Ausgangspunkt der Tour bei der Moarhütte wieder erreicht. Die verschwitze Skibekleidung wurde jetzt gegen das Sommeroutfit getauscht, der Schweiß im kalten Bach abgewaschen. Auch die Schuhe wurden dort noch kurz gesäubert. Dann ging es motorisiert wieder talauswärts, vorbei an Christian Bachlers (besser bekannt als der „Wutbauer“ vom Bergerhof) auf dessen Alm weidenden Vierbeinern (Yaks, Ziege und das „Scheidungspferd“).

Zwiebelrostbraten vom heimischen Bergrind mit Basmatireis
Kaum jemand wird sich auf den ersten Einkehrschwung dieses Skiwinters neben uns mehr gefreut haben als Freund Heinrich. Nach ungezählten auf Parkplätzen verzehrten Leberkäsesemmeln gab es erstmals wieder die Gelegenheit, in einer gastlichen Einkehrstätte Platz zu nehmen. Auf der sonnigen Terrasse vom Stigenwirth haben wir uns niedergelassen, unsere „Gs“ präsentiert und uns registriert. Danach war dem ersten Zwiebelrostbraten vom heimischen Bergrind mit Basmatireis seit mehr als einem halben Jahr keine rechtliche Schranke mehr im Wege. Das frisch gezapfte Gebräu aus der nahen Bezirkshauptstadt hat den Durst gestillt. Und zum Abschluss haben wir uns zum Kaffee noch eine Kardinalschnitte gegönnt. Herrlich!



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