Hochstuhl

am 10.03.2021

Hochstuhl 2.237 m - 1.300 Hm (über Johannsenrinne)

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mit dabei:
Andreas


CL Juve : Porto in Turin  (März 2017)
Nach dem gestrigen heroischen Kampf meines FC Porto (ich bin dort – und das habe ich ja schon öfter auch hier erwähnt – seit 12 1/2 Jahren stolzes Mitglied) in Unterzahl gegen Juventus Turin steht mein Herzensverein im Viertelfinale der Champions League. Wie schade, dass die Pandemie keine Reisen zulässt, sonst wären wir, wie so oft in der Vergangenheit auch, ganz sicher dabei gewesen. So blieb nur ein ausgedehntes Telefonat mit unserem portugiesischen Freund unmittelbar nach dem Abpfiff um den Aufstieg zu bejubeln. Die Nacht vor der Tour ist auch deshalb ziemlich kurz geworden.

Aufstieg über die Johannsenruhe, die Rinne im Visier
Das Tourenziel haben wir uns wegen der im Vergleich zum Rest der Republik recht günstigen Wetterprognose möglichst weit im Süden gesucht. Daher war wieder einmal der Parkplatz bei der Stouhütte im Bärental der Ausgangspunkt für eine Skitour. Auf sehr glasiger Unterlage haben wir unseren Anstieg durch das ge- und vererbte Haider’sche Forstgut in Richtung Sommerparkplatz und weiter bis zur Johannsenruhe begonnen. Von da hat man erstmals einen besonders guten Blick in die so einladend aus dem Hochstuhlkar bis knapp unter den Gipfel des höchsten Berges der Karawanken hinaufziehende markante Rinne.

Aufstieg im Hochstuhlkar; Blick zur Grünen Ries’n
Entlang des auch hier ziemlich eisigen Weges sind wir dann weiter ins Hochstuhlkar angestiegen. Gleich nach dem Übersteigen des riesigen Kegels einer Nassschneelawine aus der letzten Wärmeperiode, die auch einiges an Holz von weiter oben mitgebracht hatte, haben wir bei den ersten Kehren hinauf in Richtung Rinne die Harscheisen montiert. Dann sind wir einer Spur, die eine vor uns aufsteigende Vierergruppe gezogen hatte, gefolgt.

Zustieg zur Johannsenrinne
Kehre für Kehre haben wir uns nach oben bewegt. Im Auslauf der Rinne war die Schneedecke an manchen Stellen sehr hart, dann wieder mit einer Neuschneeschicht mit unterschiedlicher Mächtigkeit überzogen. Der Windharschdeckel ist an manchen Stellen gebrochen und hat darunter aufbauend umgewandelten Schwimmschnee freigelegt. Mit zunehmender Höhe ist die Schneedecke aber immer homogener und kompakter geworden.

Aufstieg durch die Johannsenrinne
Als wir die Gruppe vor uns eingeholt hatten, haben wir uns artig für die Spur bis hierher bedankt. Einige Kehren sind wir in der Rinne noch angestiegen, dann haben wir auf Steigeisen gewechselt und die Skier aufgepackt. Weil wir dies etwas weiter unten als die Vierergruppe vor uns getan hatten, mussten wir uns erst Trittstufen bis zu jener Stelle schaffen, ab der wir dann in diejenigen unserer Vorsteiger einsteigen konnten.

Aufstieg im etwas steileren oberen Anschnitt der Rinne
Bei einer durchschnittlichen Steigung zwischen 35 und knapp 40 Grad sind wir weiter nach oben gestiegen. Dort, wo sich die Rinne nach rechts in Richtung Gipfel dreht, nimmt die Steigung leicht zu und geht dann knapp vor dem Ausstieg auf etwas über 40 Grad. Die zwischenzeitig schnell absinkende Wolkendecke, aus der es auch leicht geschneit hatte, hat sich wieder verzogen und uns jetzt einige sonnige Momente beschert.

Gipfelanstieg in der direkten Linie
Nach dem Ausstieg aus der Rinne waren jetzt an der Südseite einige steile und sehr harte Flächen zu queren. Andreas und ich haben uns nach der ersten absolvierten Querung für den direkten Anstieg zum Gipfel entschieden und sind in direkter Linie nach oben gestiegen. Die stellenweise pickelharte Schneedecke hat dem namensgebenden Sicherungsgerät manchmal ordentlich Widerstand geleistet. Spätestens jetzt war unsere Entscheidung vom Vorabend, eine Tour an einer der sicher harten Südseiten zu vermeiden und uns für einen Nordanstieg zu entscheiden, bestätigt.

Klemens, Georg, Fee und Mathias
Nach dem Ausstieg aus der Flanke sind wir noch bis zum Gipfel nach Westen gegangen. Dort haben wir auch die Vierergruppe wiedergetroffen. Jetzt konnten wir uns bei Georg, Fee, Mathias und Klemens für die Spur und die Trittstufen im Rest des Anstiegs auch noch bedanken. Im Gespräch hat sich herausgestellt, dass sie ebenso aus der Steiermark kommen und dies nach dem Motto „Steirer helfen Steirern“ gerne für uns erledigt hatten. Als Leser dieses Blogs seien sie noch einmal gegrüßt.

Gipfelfreude am Hochstuhl
Andreas und ich sind dann noch weiter nach Westen zum etwas tiefer stehenden Gipfelkreuz weitergegangen. Dieses haben wir nach einer Aufstiegszeit von 3 Std 50 min (mit Umrüstpause in der Rinne) erreicht. Kurzzeitig hat es auch wieder ein Sonnenfenster gegeben, das uns auch den unverwechselbaren Tiefblick ins Bärental und weiter darüber hinaus ins Rosental freigegeben hat. Dann sind wir wieder zum höchsten Punkt angestiegen, haben die steirische Gruppe abermals passiert und sind gleich weiter in Richtung Rinne abgestiegen.

Abstieg zur Rinne
„40 Grad und ein harter Harschdeckel drauf, dass ist Absturzgelände!“, hat einmal bei einem besuchten Vortrag ein bekannter Schweizer Lawinenexperte doziert. In der harten Gipfelflanke hatte ich vor dem Ausstieg sogar 45 Grad gemessen und neben diesen Worten auch noch ein bisschen meinen schon sehr lange zurückliegenden schmerzhaften Absturz in der nahen Grünen Ries’n im Hinterkopf gehabt. Daher sind die Skier auf den Rucksäcken und die Steigeisen demütig an den Schuhen geblieben.

Der vom Wind geformt Balkon am Eingang der Rinne
Auf dem herrlichen, vom Wind geformten Balkon am Rinneneingang haben wir dann umgerüstet und uns gestärkt. Einige sehr freche Dohlen haben uns mit ihren Flugeinlagen dazu bewegen wollen, ihnen einige Anteile unserer Jause abzutreten. Dann wurden alle Luken dicht gemacht und die Abfahrt im Pulver, auf die wir uns schon den ganzen Anstieg lang gefreut hatten, konnte beginnen.

Abfahrt im Bereich des Linksknicks
Die Rinne hat von oben bis unten das Profil einer riesigen Halfpipe (mit einen Linksknick). Und darin sind wir jetzt sehr genussvoll talwärts gebraust. Einige kurze Pausen zur Erholung der Beinmuskulatur haben wir uns schon gegönnt, aber meist sind wir einfach nur gefahren und haben gejubelt. Im Rinnenausgang, wo sich die schon im Anstieg ausgemachten eisigen Knollen unter dem Neuschnee klappernd bemerkbar gemacht haben, sind wir weiter nach rechts gefahren. Dort hatten wir bei einigen langen Kehren im Anstieg besseren Schnee entdeckt. Und dieser wollte auch befahren werden.

Pulver auch im weiten Hochstuhlkar
Sehr lustvoll sind wir daher auch noch im Hochstuhlkar talwärts gecarvt. Zuletzt sind wir nach links abgebogen, haben nach einigen flotten Schwüngen im flacheren Bereich des weiten Kars den Lawinenkegel wieder gequert und sind danach am eisigen Weg abwärts gebraust. Zum Glück gibt es ja zwischendurch Flachbereiche wie die Johannsenruhe, wo sich das Tempo von selbst wieder einkriegt. In manchen Abschnitten ist man bei der eisigen Unterlage aber schon ein bisschen Passagier. Da war ich sehr froh, einen neueren Ski mit besseren Kanten am Vorabend aufgefellt zu haben.

Abschwingen oberhalb der Stouhütte
Nach der mit Schlittschuhschritten überwundenen Gegensteigung ging es dann entlang des Aufstiegsweges - zuletzt auf leicht aufgefirntem Schnee - zurück zu jenem Punkt, wo wir in der Früh angeschnallt hatten. Weil das Schneeband zwischen Bach und Straße für den Rest des Weges bis zum Parkplatz beim morgendlichen Anstieg nicht so sehr einladend ausgeschaut hatte, haben wir diesmal auf das Abfahrtsmeter schinden verzichtet. Nach wenigen Minuten waren wir mit geschulterten Skiern zurück am Ausgangspunkt der Tour, gerade rechtzeitig, als Mitarbeiter der Marktgemeinde Feistritz i. R. eine Parkbank von ihrem Klein LKW abgeladen und bis zur endgültigen Positionierung nach der Schneeschmelze auf einem zusammengeschobenen Schneehaufen positioniert haben. Diesen Luxusplatz haben wir dann mit ein paar zusätzlichen Höhenmetern gerne angenommen und uns sitzend in der freien Natur umgezogen.

Parkplatzeinkehr in Feistritz i.R.
Danach haben wir - von dem am Straßenrand in gegenderter Form auf einem Schild angebrachte Grußformel (“Grüß Göttin“) begleitet - das Bärental wieder verlassen. In Feistritz i.R. haben wir uns vor dem Lebensmittelmarkt eingebremst. Den Heinrich wird es mittlerweile nicht wundern, dass auch im Land des Ritscherts unsere warme Jause wieder eine Semmel mit Leberkäse war. Wenn hoffentlich in naher Zeit die Gastronomie wieder geöffnet wird, so fürchte ich ein bisschen um die Umsätze der Fleischhauer bei diesem speziellen Produkt. Den Espresso, den ich ohne Pandemie an diesem Tag mit Brigitte und portugiesischen Freunden sicher auf einem der imposanten Piazze von Turin getrunken hätte, habe ich dann mit ihr zu Hause beim Erzählen der Tourengeschichte genossen. Aber bevor wir da waren, sind wir zwischen sonnigen Momenten - wie im April - zweimal durch Regenschauer und einmal durch ein Schneegestöber gefahren.
Cafe auf der Piazza Vittorio Veneto in Turin im März 2017



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