
Der Winter ist da!
Zumindest hat es gestern endlich einmal geschneit. Guter Rat war bei der Tourenwahl trotzdem gefragt. Wir haben uns als Ausgangspunkt die Eisenerzer Ramsau gewählt und erst vor Ort aufgrund des Wetters das Tourenziel fixiert. Auf der Anfahrt hat es noch dichten Nebel gegeben, der sich erst nördlich der Präbichl Passhöhe aufgelöst hat. Das Wildfeld hatten wir von dieser Seite schon lange nicht mehr bestiegen, daher sind wir – einer Spur, die dann Richtung Plöschkogel abgebogen ist folgend – etwas zu weit in die Lasitze hinein gegangen. Erst oberhalb des Einlaufbauwerks vom Kleinkraftwerk haben wir den Bach überquert und sind danach unter den Felsen ein kurzes Stück wieder talauswärts gestiegen.
In einer recht engen Rinne sind wir dann in einer Spitzkehrenorgie über das erste Steilstück weiter angestiegen. Andreas hat dankenswerter Weise diese Passage gespurt. Ein Führungswechsel war mittendrin gar nicht machbar. Ich habe dafür nach dem Verlassen des engen Schlurfs weiter hinauf gespurt. Der etwas flachere und nicht so dicht bewachsene Bereich bis hinauf zum Forststichweg hat schon die erste Vorfreude auf die spätere Abfahrt aufkommen lassen. 25 cm Pulverschnee auf einer hier noch etwas fauligen Altschneedecke, die teilweise auch noch mitgespurt werden musste, haben eine perfektes Abfahrtserlebnis versprochen.


Ab dem Forstweg haben wir uns dann bis hinauf zum Nebelkreuz die Spurarbeit geteilt. Ein großer Windwurf versperrt in diesem Bereich leider die direkte Linie am Grund der leicht ausgeprägten Rinne und muss daher recht großräumig umgangen bzw. später umfahren werden. Fast im gesamten Verlauf der schattigen Tour hatten wir in unserem Rücken – bzw. bei der Abfahrt vor uns – den sonnenbeschienenen Kaiserschild. Es ist dies jener Schicksalsberg, auf dem unser Freund und Bergkamerad Michael vor etwas mehr als 9 Jahren sein Leben lassen musste. Er hat Neuschneetouren in den Eisenerzer Alpen geliebt und hätte sich mit Begeisterung an der Spurarbeit beteiligt um später ganz sicher auch als Erster seine Spur bei der Tiefschneeabfahrt ziehen zu können.
Knapp unterhalb vom Nebelkreuz war der Schnee dann plötzlich windbehandelt und dementsprechend schwerer zu spuren. Beim Kreuz haben wir uns eine Trinkpause gegönnt. Oberhalb der Waldgrenze hatte der Wind auch sein Werk getan. Beim weiteren Anstieg waren anfangs einige starke Verwehungen zu durchspuren. Der Wind hat aufgefrischt und bald einmal haben wir daher unsere Oberbekleidung ergänzt.


Links von der Rinne, also auf der dem Stadelstein zugewandten Seite sind wir in einigen Kehren der Sonne entgegen gestiegen. Schließlich sind wir in den oberen, flacheren Teil der Rinne hinein gequert und von dort das letzte Stück bis zum Almzaun angestiegen. Eben ging es dann zum Gipfel des Wildfelds, den wir – einschließlich der kurzen Pause beim Nebelkreuz – nach 4 Stunden schweißtreibender Spurarbeit erreicht haben. Es ist schon ein erhebendes Gefühl, diesen sonst so stark besuchten Gipfel für sich alleine zu haben. Das haben wir mit dem Blick über die aus dem Nebelmeer im Süden herausragenden Berge sowie zu den vielen Gipfeln in Richtung Gesäuse ausgiebig genossen.
Zur stärkenden Gipfelrast haben wir uns in die Mulde südöstlich des Gipfels zurückgezogen. Anschließend sind wir noch auf Fellen wieder bis hinter den Almzaun angestiegen und haben dort abgefellt. Schon im Anstieg hatten wir festgestellt, dass der schnittige Windharschdeckel nicht die Wunschunterlage für die Abfahrt sein wird. Jetzt wurde unsere Einschätzung bestätigt. Mit einigen Balanceeinlagen sind wir bis in die Rinne abgefahren.


Dort war dann der Triebpulver über den nächsten Abschnitt der Abfahrt sehr gut fahrbar und hat uns den einen oder anderen Jucherzer entlockt. Mit der enger werdenden Rinne ist der Schnee dann aber wieder stark windgepresst und brüchig geworden. Meist am Rand der Rinne haben wir dort die Höhe abgebaut und schließlich orografisch links daneben den letzten Hang hinunter zum Nebelkreuz durchpflügt. Ein ursprünglich angedachter Wiederanstieg zum Speikkogel hatte sich aufgrund der fordernden Schneekonsistenz zu diesem Zeitpunkt bereits erledigt und wir sind weiter abgefahren.
Der schon aus dem Anstieg bekannte Presspulver unterhalb vom Nebelkreuz hat in der Folge ordentlich an unserer Balance gerüttelt. Wenn es einen da einmal abwirft, ist das weiter nicht schlimm, wäre da nicht das Problem, wie man im bodenlos tiefen Schnee wieder Halt zum Aufstehen findet. Auch diese Übung ist gelungen und der Lohn des langen Anstiegs konnte mit den ersten Spuren in herrlich unbehandeltem Pulver über den nächsten Abschnitt der Abfahrt bis hinunter zum Windwurf eingeheimst werden.


Diesen haben wir entlang unserer Aufstiegsspur umfahren. Das war viel weniger schlimm als wir erwartet hatten und ist so gut wie ohne „Feindkontakt“ gelungen. Auch der Bereich danach bis zum Forstweg und der flachere Teil der Abfahrt hinunter in die Lasitze war noch genussvoll zu fahren. In der finalen Steilstufe haben wir die Abfahrtsline etwas weiter rechts als unsere Aufstiegsspur angelegt und waren damit gut beraten. Lediglich eingebremst durch einige Stauden waren wir sehr flott und ohne Steinkontakt unten beim Bach und haben diesen gleich auf Skiern übergequert.
Nach wenigen Metern waren wir dann auf der noch nicht fertig präparierten Rodelpiste und sind auf dieser – vorbei am Forsthaus – genussvoll bis zum Ausgangspunkt der Tour hinunter gecarvt. Dort wurde die Ausrüstung im Auto verstaut, die nasse gegen trockene Kleidung gewechselt und die Fahrt zur Einkehr angetreten. Der Heinrich wird sich – auch wenn ich diesmal die Beilage gewechselt habe – ein weiters Mal darüber freuen, dass seine prognostizierte Schnitzelsaison so makellos weitergeht.
