Wiegeneck und Rantentörl

mit dabei:

33 Grad Temperaturunterschied beim Aussteigen

Nach ein paar Tagen Pistenskilauf mit der Familie bei den Krakauer Tockneralmliften, wo am kommenden Wochenende die 31. Krakauer FIS-Tage mit zwei Damen Slaloms über die Bühne gehen, war heute Tourenwetter und damit Bewegung abseits der Pisten angesagt. Im Rantental sind die Verhältnisse trotz der überschaubaren Schneelage überraschend gut. Bei der Ebenhandlhütte, wo man zur Sommerszeit ausgezeichnet verköstigt wird, bin ich gestartet.

Vorbei an den vielen Almhütten danach bin ich entlang des Weges angestiegen. Bei der letzten Wegkehre bin ich in der direkten Linie hinauf zum Rantensee weitergegangen. Während es beim Tourenstart mit minus 10 Grad noch vergleichsweise „warm“ war, habe ich dort minus 19 Grad gemessen. Da habe ich kurzzeitig überlegt, das Daunengilet aus dem Rucksack zu holen und mir noch überzuziehen.

Aufstieg im Rantental
Trilogie: Sonne-Nebel-Reif

Im Anstieg hinauf ins Hinterkar, vorbei an herrlichen Raureifkunstwerken bin ich aber endlich unter der Hochnebeldecke heraus in die Sonne gekommen. Schlagartig ist mir durch die Strahlungswärme und die flotte Bewegung jetzt warm geworden. Obwohl wir am Vorabend sehr ausgiebig mit vergorenem Rebensaft vorhydriert hatten – oder vielleicht gerade deshalb 😉 – ist der Durst mit zunehmender Temperatur gestiegen. Entsprechend viel habe ich beim weiteren Anstieg hinauf ins Wiegenkar und nach dessen Durchquerung hinauf zum Wiegentörl schon getrunken.

Vom Törl ging es dann in einigen langen Kehren hinauf bis unter den Gipfelaufbau. Dort habe ich die Skier deponiert und bin die letzten Meter zum Gipfel mit dem einfachen rustikalen Kreuz hinaufgestiegen. Es war nahezu windstill und daher habe ich den Gipfelaufenthalt zum Schauen und Jausnen und – wieder – Trinken zelebriert. Schließlich bin ich zum Skidepot abgestiegen, habe für die Abfahrt umgerüstet und bin in etwa entlang der Aufstiegsroute abgefahren.

Blick vom Wiegeneck über Wiegenkar und Hinterkar ins Rantental
Abfahrt aus dem Hinterkar mit Tiefblick zum Rantensee

Sehr genussvoll war ich bald wieder im Wiegenkar. Mit einer langen Schrägfahrt bin ich noch bis an den Eingang des Kars gequert, habe dort eine kurze Gegensteigung hinauf gestaffelt und bin danach ins Hinterkar abgefahren. Von da ging es dann, Rinnen und Mulden, in denen die Schneeauflage jedenfalls dicker ist, nutzend weiter hinunter zum Rantensee. Knapp oberhalb vom zugefrorenen See habe ich dann abgeschwungen und wieder aufgefellt.

Einer bestehenden Spur folgend bin ich dann bis auf die Toreben angestiegen. Dort habe ich die Spur, die in Richtung Knarrenspitze links abgebogen ist, verlassen und bin geradeaus weiter auf das Rantentörl aufgestiegen. Ich habe abgefellt, gegessen und – wieder – getrunken 😊. Das war dann aber auch der Rest vom Schützenfest. Mit dem letzten Schluck aus der Thermoskanne habe ich auch den kurzzeitigen Plan, anschließend noch einen dritten Anstieg auf die Knarrenspitze draufzupacken, verworfen.

Rantentörl 2.166 m
Genussabfahrt vom Rantentörl

Nach dem Umrüsten auf den Abfahrtsmodus bin ich zuerst die etwas steilere Flanke rechts vom Törl kurz in der Falllinie abgefahren und dann bei erstbester Gelegenheit nach rechts ausgequert. Die Schrägfahrt habe ich dann in einer ostseitig ausgerichteten Steilmulde beendet. Dort hatte ich schon im Anstieg besonders gut aussehenden Schnee ausgemacht. Ich habe mich nicht getäuscht und bin von dort bis zur und dann weiter über die Toreben in flaumigem Pulverschnee abgefahren.

Der nächste Hang hinunter bis zum Rantensee war zwar von einer Fünfergruppe, die vom „Knarren“ abgefahren war, schon verspurt, rechts daneben war aber immer noch genug Platz für meine eigene Spur. Dann ging es vorbei am See. Am Seeriegel waren ein paar Meter wieder hinauf zu staffeln. Das war aber schon von vornherein klar und daher die Alternative einer weniger einladenden Abfahrt entlang der Aufstiegsspur gar nicht ins Auge gefasst.

Blick zurück zu den beiden Tourenzielen vom Rantensee
Zurück bei der Ebenhandlhütte

Vom See ging es dann in flotter Fahrt hinunter bis zur Wegkehre und am Weg oder knapp daneben wieder zurück zum Ausgangspunkt der Tour. Bei der Voralmbrücke habe ich das Auto vom Armin Höfl gesehen. Da war mir klar, wer während meines Anstiegs auf das Rantentörl mit so unfassbarer Geschwindigkeit auf die Knarrenspitze, nach mir auch noch auf das Rantentörl und ich nehme an, weil er mir nicht nachgekommen ist, danach auch noch auf das Wiegeneck gerannt ist. Der Armin ist zwar als Skibergsportler mittlerweile „in Pension“, d.h. er ist als aktiver Sportler nicht mehr im Nationalkader, was ihn aber nicht daran hindert, weiterhin voll fit zu sein. Das beweist er mit Top Platzierungen bei großen Wettkämpfen, wie bei der heurigen Mountain Attack, dem härtesten und längsten Skitourenrennen Österreichs mit dem 3. Platz inmitten der Weltspitze. Und der Preberlauf steht ja heuer auch noch an.

Zurück in der Krakau habe ich nach dem Friedhof noch meine Lieben auf der Piste besucht und den Enkelbuben bei ihren wilden Ritten und Sprüngen ein bisserl zugeschaut. Und eingekehrt bin ich natürlich auch noch. Der Heinrich wird mich bei unserem nächsten Treffen sicher zur Speisenauswahl beglückwünschen. Der knusprige Schweinsbraten mit dem fluffigen Knödel nach der Suppe hat sicher mehr als die auf der Tour verbrannte Energie wieder zugeführt.

Schweinsbraten

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2 Kommentare

  1. Da hast du schon recht, Gerhard. Die Schönheit des Geländes macht die etwas längere Anfahrt jedenfalls wett. Gerade in einem Winter wie diesem nehme ich die Anreisestrapaz aber auch gerne in Kauf, wenn ich mir damit das Schleppen der Skier im Anstieg und auch am Schluss der Abfahrt ersparen kann. Und außerdem bin ich da oben daheim und habe auch noch andere Gründe, warum ich so gerne in die Krakau fahre. Deshalb wirst du auch bei der nächsten Tour wieder die gleiche Umgebung mit wechselndem Tourenziel sehen.