Cima del Cacciatore

mit dabei:

Andreas
Der Skitourenjublar auf der Cima del Cacciatore

Da capo!

Erst am Vorabend bin ich mit Brigitte von einer intensiven Kurzreise zu einer Geburtstagseinladung im hessischen Weilburg an der Lahn mit Zwischenstationen in Bamberg, Fulda, Regensburg, Passau und Schärding zurückgekehrt. Deswegen habe ich zwar die kurze Wiederkehr des Winters in den Alpen versäumt, die Chris und Gerhard zu Pulvertouren auf die Bösensteine und auf die Gamskögel genutzt haben, aber die am letzten Montag im Süden ausgeloteten guten Bedingungen haben Andreas und mich abermals nach Italien gelockt. Zudem galt es die 500. Skitour von Andreas mit einem lohnenden Ziel zu feiern.

Der Zielhang in Camporosso hat zwar immer noch Schnee, am Pistenrand ist der Ausaperungsprozess aber schon so weit fortgeschritten, dass wir uns die rutschige Spitzkehrenorgie zu Beginn sparen und mit aufgepackten Skiern daneben aufsteigen konnten. Zudem war zu erwarten, dass die schon vor einer Woche sehr dünne Schneedecke in der anschließenden Flachpassage nicht mehr vorhanden sein würde. Das war dann auch so.

Aufstieg am Zielhang
Skianstieg unterhalb der Mittelstation

Angeschnallt haben wir daher erst am Fuße des Steilaufschwungs unterhalb der Mittelstation. Natürlich haben wir auch heute wieder gleich die Harscheisen montiert. Die waren auf dem manchmal sehr glasigen Untergrund auch absolut nötig. Eine einzelne ziemlich frische Ratracspur am Pistenrand hat zumindest eine aufgeraute Unterlage geboten. Deshalb sind wir, soweit dies möglich war, in sehr kurzen Kehren darin aufgestiegen.

Vor allem im nächsten steileren Hang etwas oberhalb der Mittelstation waren einige sehr glasige Passagen mit Vorsicht zu überwinden. Nach der folgenden Flachpassage, in der man das Bergdorf am Lussari immer im Visier hat, gab es dann bis ganz hinauf wieder eine Ratracspur, die wir – zum Leidwesen der Achillessehnen – zum Aufstieg in der direkten Linie genutzt haben. Zwei Stunden nach dem Tourenstart und 950 hm oberhalb der Talstation haben wir uns am Fuße des Bergdorfes eine Trinkpause gegönnt und die Harscheisen im Rucksack verstaut.

Unser Anstieg von zu Hause (über die Webcam) verfolgt 😊
Zwischenabfahrt über die Piste

Diese waren für die jetzt folgende flache Passage entlang jener Straße, die für das hier heraufführende Bergzeitfahren beim Giro d’Italia vor 2 Jahren neu errichtet worden war, und vor allem für die folgende kurze Zwischenabfahrt gleich auf  Fellen hinunter bis zur letzten Kreuzwegstation am Pilgerweg, die mitten auf der Piste steht, nicht mehr nötig. Am Wegrand hängt noch immer der Schirm eines Gleitschirmpiloten, der vor ein paar Wochen abgestürzt war, hoch oben in den Bäumen. Nach Stunden, in denen er laut um Hilfe schreiend dort oben verbringen musste, konnte er aber mittels Helikopter unverletzt geborgen werden. Vor der Zwischenabfahrt haben wir aber unsere Blicke ins Kar unterhalb des Cacciatore und zum Zustiegsweg, soweit dieser sichtbar war, schweifen lassen.

Am Ende der Zwischenabfahrt haben wir die Harscheisen wieder montiert und sind von der Piste auf den Wanderweg in Richtung Cima del Cacciatore abgebogen. In einem anfänglich stetigen Auf und Ab haben wir uns dem weiten Kar genähert. Dabei waren ein paar recht steile, aber auch etwas ausgesetzte Passagen zu überwinden. Am Wanderweg liegen dort noch 1 – 1 ½ m Schnee. In einer ausgeaperten Felspassage haben wir für wenige Meter auch einmal abgeschnallt.

Zustieg zum Cacciatore
Aufstieg ins Kar

In der Querung hinüber zum Aufschwung unterhalb des Kars mussten einige kleine Lawinenbahnen überwunden werden.  Die Harscheisen waren hier auf dem glatten Untergrund ebenso gefordert wie auf den folgenden eisigen Kehren hinauf ins Kar. Nach dem flachen Umrunden einer Doline ging es dort – immer der Sonne entgegen – dann wieder stetig bergauf.

Nach den finalen etwas steileren Kehren haben wir schließlich am Fuße der Zustiegsrinne abgeschnallt und die Skier dort deponiert. Die Schneeverhältnisse in der Rinne waren so gut, dass wir auf die Verwendung von Steigeisen und Pickel verzichten konnten. Diese sind im bzw. am Rucksack verblieben. Am oberen Ende der Rinne muss man nach dem Ausstieg einmal kurz stehen bleiben, gilt es doch den gewaltigen Ausblick in die Julischen Alpen mit der Wischberggruppe direkt in der Mitte des Blickfelds zu inhalieren.

Aufstieg durch die Rinne
Cima del Cacciatore 2.071 m

Dann folgt noch ein kurzer Steilaufschwung und man steht am Gipfel des Steinernes Jägers, wie die Cima del Cacciatore mit der deutschen Bezeichnung genannt wird. Neben dem Gipfelkreuz steht noch eine Friedensglocke. Nachdem Andreas diese geläutet hatte, haben wir mit dem von ihm mitgetragenen italienischen Bier auf seine 500. Skitour angestoßen. Ca. die Hälfte davon haben wir seit 2011 gemeinsam absolviert. Eine großartige gemeinsame Zeit in den winterlichen Bergen!

Der geübte Leser meiner Skitourengeschichten wird jetzt möglicherweise mutmaßen, dass Andreas und ich neuerdings nur zum Saufen auf den Berg gehen. Dem ist definitiv nicht so. Das ließe sich an einem Tisch im Tal leichter bewerkstelligen, ohne das Bier vorher auf den Berg zu tragen. Oft wundern wir uns, mit welch kleinen Exemplaren von Rucksäcken Skitourengeher unterwegs sind, in denen nicht einmal die obligate Notfallausrüstung, v.a. Schaufel und Sonde, Platz finden kann. Wir schleppen selbstverständlich nicht nur diese, sondern vieles mehr, vom Biwaksack über Verpflegung, Reservekleidung, Material und Werkzeug für Notfallreparaturen bis hin zum Taschenmesser mit auf den Berg. Letzteres war ja diesmal zum Öffnen der Kronenkorken sehr gut brauchbar. Mit dem Pickel oder einer Zacke der Steigeisen wäre es – zwar etwas mühsamer – auch gegangen 😉. Besondere Ereignisse rechtfertigen aber jedenfalls auch einen besonderen Aufwand.

Cinquecento! Salute!
Wischberg- und Montaschgruppe; darunter Saisera und Spragna

Während wir das Gebraute genossen haben, haben wir uns an der alpinen Szenerie rund um uns delektiert. Da hat man nicht nur den unverwechselbaren Tiefblick zum Monte Santo di Lussari im Norden, etwas weiter im Nordosten den Dobratsch, nach Osten hin Mittagskogel und die beiden „Riesen“ Mangart und Jalovec. Am allermeisten beeindruckt aber der Blick nach Süden hin zur Wischberggruppe (Jof Fuart) und zum Montasch (Montasio). Da sind natürlich auch die Erinnerungen an die Besteigung der Cima di Terrarossa durch die Huda Paliza mit dem über 50 Grad steilen Ausstieg aus der 800 Hm hohen Steilrinne wieder präsent.

Während es im Nordosten unserer Republik zu dieser Zeit ziemlich stürmisch war, haben wir das Jubiläumsbier bei vollkommener Windstille genossen. Anschließend sind wir entlang des Aufstiegsweges wieder zum Skidepot abgestiegen.  Die Ausrüstung wurde in den Abfahrtsmodus gebracht. Danach stand der Genussabfahrt durch das weite Kar nichts mehr im Wege. Das Spiel mit der Exposition hat uns je nach Sonneneinstrahlung vom noch konservierten Pulver über tragenden Harsch bis hin zum schmierigen Firn alles geboten.

Abstieg vom Gipfel
Abfahrt über die Geländestufe unterhalb vom Kar

Ab der Ausfahrt aus dem Kar haben wir den Aufstiegsweg verlassen. Der Plan war, das teilweise ausgesetzte Auf und Ab am Rückweg zum Lussari zu vermeiden. Die Alternative war die Abfahrt weiter nach Westen in Richtung Valbruna. Da sollten wir bald einmal auf die für den Giro gebaute Straße treffen und über diese wieder zum Lussari ansteigen. Über zwei Steilstufen ging es zuerst auf ziemlich harter Unterlage abwärts. Im folgenden flacheren Bereich war die Wegsuche zwischen großen Findlingen und einigen durch Windwurf umgestürzten Bäumen zwar erschwert, die mehrmalige Kontrolle mit dem Navi hat unsere richtige Wegwahl aber bestätigt.

Unterhalb der Doppelkehre sind wir auf den immer noch tief verschneiten Weg gestoßen und über diesen nach dem Auffellen zur Piste aufgestiegen. Bei der Kreuzwegstation sind wir wieder auf die Piste gestoßen. Der folgende Pistenabschnitt ist zur Sommerszeit ein finales Steilstück des Weges. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie Primos Roglic hier seine letzten Reserven zum Etappen- und Toursieg des Giro d’Italia 2023 locker gemacht hat. Mit dem Rad kann zur Sommerszeit in genau festgelegten Zeiten die Steilauffahrt auch von jedem Hobbysportler – aber nur bergauf (!) – befahren werden. Mit der Seilbahn geht’s dann wieder runter.

Wiederanstieg
Die letzten Meter zum Gipfel am Monte Lussari

Vom oberen Ende der Piste sind wir dann noch die wenigen Meter durch den lichten Wald zum großen Kreuz am Monte Santo di Lussari angestiegen. Genussvoll haben wir während des Umrüstens für die Talabfahrt noch einmal zum Cacciatore zurückgeschaut. Die folgende Abfahrt haben wir unmittelbar vor der Türe der Wallfahrtskirche schon  unterbrochen. Diese war aber zugesperrt und der Schlüssel war wegen der allgemein geschlossenen Gastronomie am Berg auch nicht aufzutreiben.

Nach der Andacht im Freien sind wir – die Stiege ist immer noch vereist – gleich direkt von der Kirche nordseitig zur Piste und über diese genussvoll abgefahren. Wieder hat eine frische Ratracspur das Abfahrtsvergnügen gesteigert. Sehr schnell waren wir nach dem Passieren der Mittelstation am Ende des durchgehenden Schneebandes und haben einmal für ein kurzes Stück abgeschnallt. Danach haben wir das schmale Schneeband in der folgenden Geländestufe genutzt und sind so weit abgefahren, bis nur mehr ausgeapertes Gelände unter uns war.

Abfahrt direkt von der Wallfahrtskirche
Abfahrt am Zielhang

Mit aufgepackten Skiern haben wir den folgenden Flachbereich zu Fuß absolviert. Knapp vor dem Zielhang hatten wir schon während des Aufstiegs jenen Punkt fixiert, an dem wir wieder anschnallen konnten. Mit einer ganz kurzen Unterbrechung des Schneebandes, wo wir das Wiesenstück aber mit angeschnallten Skiern überwunden haben, sind wir noch bis ans untere Ende des Zielhanges abgefahren.

Nach der „rituellen Ski- und Schuhwaschung“ in einem kleinen Bächlein sind wir die restlichen Meter zum Auto gegangen, haben die Ausrüstung darin verstaut und die Heimreise angetreten. Wegen der montags nach wie vor verwaisten Gastronomie in Tarvis haben wir uns für den Weg bis zur Einkehrstätte in Kärnten zuvor noch mit gekühlten Getränken versorgt. Das Backhendl war dort wegen der vorgerückten Stunde leider schon aus. Daher wurde es wieder einmal ein Burger. Ob dem Heinrich dieser lieber gewesen wäre als der am nächsten Tag von Brigitte servierte erste Spargel der Saison, den wir am weiteren Heimweg im Lavanttal beim Spargelbauern eingekauft haben, wage ich zu bezweifeln.

Die Spargelsaison ist eröffnet

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