
Auch der Norden des Landes hat mittlerweile eine Ladung Schnee abbekommen. Das haben wir zum Anlass genommen, dem Radmarer Tal wieder einmal einen Besuch abzustatten. Und deshalb ist der Titel der Tour eigentlich falsch. Die Bewohner dieser entlegenen ehemaligen Bergbaugemeinde bezeichnen den von uns bestiegenen Berg nämlich als „Ochsenriedel“. Von allen anderen Seiten aus bestiegen heißt er, so wie auch in gängigen Kartenwerken – und deswegen bleibe ich beim „falschen“ Titel – eben „Gscheideggkogel“.
Bei der Kapelle in Hinterradmer sind wir bei minus 10 Grad gestartet. Weil ich mein Mobiltelefon im Auto vergessen hatte, habe ich die ersten 300 m gleich einmal doppelt absolviert. Auch danach hat es noch eine Zeit lang gedauert, bis die fröstelnden Finger endlich warm geworden sind. Der Aufstiegsspur vom Vortag sind wir vorwiegend am Forstweg gefolgt. Einmal haben wir uns – durch eine Aufstiegsspur angestachelt – dazu verleiten lassen, eine Wegkehre etwas abzukürzen. Das hätten wir besser bleiben lassen. Bis wir uns durch die Schwarzbeerstauden und über eine steile Böschung am Ende der „Abkürzung“ hinaufgearbeitet hatten, wären wir viel bequemer außen herum längst oben gewesen.


Etwas trickiger ist es nach dem weiteren Weganstieg dann weiter oben geworden. Anfangs war ein verblasener Abschnitt frisch zu spuren, später musste ein Bereich mit vielen umgestürzten Käferbäumen durchquert werden. Da muss man auch schon einmal auf den Knien unter einem Baumstamm hindurch und einige kleine Umwege nehmen bzw. über rutschige Äste als haltlosem Untergrund steigen.
Weiter hinauf in Richtung Baumgrenze war die Spur dann wieder gut. Darüber war sie dann wieder verblasen und musste deshalb neu gespurt werden. Die Sonne hielt sich hinter einer dünnen Wolkenschicht versteckt, hat aber immer wieder durchgeblitzt. Das hat besonders schöne Lichteffekte ergeben. Nach einer Aufstiegszeit von 2 Stunden 20 Minuten haben wir bei nahezu Windstille zum ersten Mal an Gipfelkreuz angeschlagen.


Während des Umrüstens haben wir uns etwas gestärkt. Danach haben wir alle Luken dicht gemacht und uns in das pulvrige Abfahrtsvergnügen gestürzt. Der Wind, der uns oberhalb der Baumgrenze zur Spurarbeit „verholfen“ hatte, hatte auch die Abfahrtsspuren vom Vortag nahezu vollständig wieder zugeweht. Entsprechend lustvoll ging es dann in der Direttissima abwärts. Erst bei den ersten Bäumen haben wir uns eingebremst und gleich die Felle wieder aufgezogen.
Ein kurzes Stück bis zur vorhin gezogenen Aufstiegsspur war auch jetzt noch zu spuren. Dann ging es flott wieder hinauf zum Gipfel des Ochsenriedels. Während des abermaligen Umrüstens sind jetzt die nächsten nach uns Aufsteigenden nachgekommen. Aber es war uns durch unseren flotten Wiederanstieg gegönnt, auch die dritte und vierte Spur in den Hang zu zeichnen. Einmal ist mir dabei der „Pinsel ausgekommen“ und ich habe beim etwas zu tiefen Eintauchen in einer flachen Mulde „gekleckert“ 😉. Aber jetzt weiß ich gesichert, wie weich der flockige Pulverschnee im Gegensatz zum Maschinenschnee auf der Piste ist.


Wieder sind wir bis zu unserem Umrüstplatz von der ersten Zwischenabfahrt abgefahren und haben dort erneut aufgefellt. Spuren mussten wir jetzt nicht mehr. In weiteren 15 Minuten sind wir ein drittes Mal bis zum Gipfelkreuz angestiegen. Oben angekommen haben wir jetzt ein letztes Mal abgefellt und sind abermals abgefahren. Diesmal sind wir aber weiter in die Waldstufe unterhalb der Baumgrenze weitergefahren. Dort waren die Schneeverhältnisse wegen der fehlenden Schneebasis recht fordernd. Mit dem nötigen Respekt haben wir daher die Höhe bis hinunter zum Forstweg mit vermindertem Tempo abgebaut.
Am Weg ging es dann weiter abwärts. Eine weitere Abfahrt im Gelände haben wir im Gegensatz zu den Vorjahren überhaupt nicht mehr angedacht. Daher hatten wir nach der kurzen Gegensteigung nur mehr die lange Abfahrt entlang des Forstweges vor uns. Lediglich am Schlusshang hinunter zur Kapelle sind sich noch ein paar Schwünge im leicht verspurten Gelände ausgegangen. Direkt neben dem Auto haben wir schließlich abgeschnallt und die Ausrüstung darin verstaut.


Den Einkehrschwung haben wir wegen des für den Norden angekündigten Eisregens, der in der Nacht und am nächsten Vormittag einen großen Teil des Ostens der Republik einschließlich den Wiener Flughafen lahmgelegt hat, möglichst weit in Richtung Heimat verlegt. Der Heinrich darf sich von einem weiteren Schnitzel, diesmal mit Pommes und den unverzichtbaren Preiselbeeren, virtuell ein Stück abschneiden.