
Nach diesem Wochenende mit den katastrophalen Lawinenabgängen in Pusterwald und im Pongau, bei denen gleich sieben Personen zu Tode gekommen sind, war die Entscheidung, trotzdem auf Skitour zu gehen, nicht einfach. Aus unzähligen Medienberichten der letzten Tage erfährt nun auch der Laie, dass trotz der geringen Lawinenwarnstufe 1 versteckte Gefahren lauern können. Dessen waren wir uns schon immer bewusst, haben aber trotzdem unsere heutige Tourenplanung noch einmal extra defensiv angelegt. Die Tour auf den Hochmölbing von Wörschachberg aus ist zwar keine kurze, aber bei der derzeitigen auch dort noch sehr niedrigen Schneelage, birgt der gesamte Tourenverlauf zumindest von der Lawinengefahr her so gut wie kein Gefahrenpotential. Zudem haben wir darauf gehofft, dass die südseitig ausgerichtete Flanke vom Mittermölbing – so wie auch schon am Samstag bei der Abfahrt von Freunden – auffirnen könnte.
Gestartet sind wir am Parkplatz Wörschachberg und entlang des Forstweges zum Schönmoos aufgestiegen. Von dort haben wir entlang der Markierung die nächsten Wegkehren abgekürzt. Knapp unter dem Hochtrausing sind wir wieder auf den Forstweg gestoßen und diesem bis zur Langpoltenalm gefolgt.


Dort sind wir – jetzt der Markierung zur Liezener Hütte folgend – nach rechts abgebogen. Anfangs ging es bergab bis zur Querung des Langpoltenbachs, bald danach haben wir erstmals an diesem Tag die Harscheisen montiert. Für den glasigen und stellenweise sehr schmalen Anstieg im namensgebenden „engen Tor“ hinauf zum Hochtor waren sie unabdingbar. Im flachen weiteren Anstieg – kurzzeitig wieder in der Sonne – weiter hinauf zum Fiedelbrunn haben wir sie wieder im Rucksack verstaut.
Bei der Wegkreuzung haben wir uns vom Weg zur Liezener Hütte verabschiedet und sind halbrechts weiter in Richtung Brunnalm. Im stetigen Auf und Ab, wie es für dieses Karstgelände typisch ist, sind wir noch bis zu einem sonnigen Platz mit gutem Blick ins weite Kar vor uns weitergegangen und haben uns dort einmal eine Pause zur Stärkung gegönnt.


Mit dem Beginn des Kehrengeländes waren die Harscheisen in der glasigen Spur abermals gefordert. Mit zunehmender Höhe und dem Wechsel der Exposition auf Ost hat der kalte Wind stark zugelegt. Der war zwar auch prognostiziert, aber wir hatten uns eher auf den auch angesagten Südföhn verlassen. Der hatte aber gegen den kalten Kontinentalwind keine Chance. Erst einmal haben wir uns mit dem Ergänzen der Oberbekleidung am Speikboden dagegen gewappnet.
Dann haben wir uns entlang des Steiges, auf dem stellenweise die Schneeauflage komplett gefehlt hat, in die lange, ansteigende Querung hin zum Mittermölbing begeben. Dort wo es eine Schneeauflage gab, war diese hart bis eisig. Mit dem Wissen um das Absturzgelände unter uns war daher jeder Schritt mit Bedacht zu setzen. Im steiler werdenden Schlussanstieg habe ich zur Sicherheit die Steighilfe daher komplett ausgeschalten.


Die letzten Kehren in der Steilflanke unter dem Mittermölbing, dem Gampenkaster, haben uns gezeigt, dass das erhoffte Auffirnen auch hier durch den kalten Wind vereitelt wurde. Im abgeblasenen Steilgelände neben der Flanke haben wir auf den letzten Metern den Anstieg mit aufgepackten Skiern beendet. Neben dem keinen Gipfelkreuz haben wir die Skier deponiert.
Am Übergang zum Hochmölbing war der Steig gut gehbar. Lediglich der böige Wind hat in den ausgesetzten Passagen an unserer Balance gerüttelt. In weniger als 10 Minuten später waren wir am höchsten Punkt. Der nach wie vor kalte Wind hat uns das Genießen der Rundumsicht vereitelt. Relativ bald sind wir daher auch schon wieder abgestiegen und haben uns am Rückweg in einem windgeschützten Bereich etwas unterhalb der Geländekante die längst überfällige Jausenpause gegönnt.


Anschließend sind wir zum Skidepot am Mittermölbing zurück und haben beim Umrüsten für die Abfahrt peinlichst darauf geachtet, keinen Ausrüstungsgegenstand dem Wind zu opfern. Als dies gelungen war, haben wir die Abfahrt begonnen. Was als erhoffter Firntraum geplant war, wurde anfangs zu einem Zirkeln auf dem pickelharten Harschdeckel – und das mit dem „Geröllski“, dessen Stahlkanten diese Bezeichnung sicher nicht mehr verdienen, sondern eher als Rundungen zum Zwecke des beidseitigen Abschlusses der Lauffläche bezeichnet werden können.
Wie auf Eiern sind wir daher in die Flanke eingefahren. Mit Abnahme der Höhe ist der Schnee, wenn schon nicht weicher, so zumindest etwas griffiger geworden. In der enger werdenden Rinne war er wieder pickelhart, an deren Rand noch etwas besser fahrbar. Erst im Auslauf der Rinne und auf den etwas weiteren Flächen daneben und darunter war dann von (Bruch)harsch bis zu (meist verblasenem) Pulver alles dabei.


Am Rand des zugeschneiten kleinen Sees haben wir die Felle wieder aufgezogen und sind über den nächsten Rücken angestiegen. Gleich danach ging es genauso weit wieder hinunter. Das haben wir gleich auf Fellen erledigt. Anschließend sind wir ca. 10 Minuten lang immer dem Bachlauf gefolgt bis wir auf die schon beim Anstieg auf den Querlstein ausgemachte Spur hinauf in Richtung Kleinmölbing gestoßen sind.
Dieser sind wir jetzt anfangs in nordwestlicher Richtung, danach in Richtung Südwesten so lange gefolgt, bis wir auf die Aufstiegsroute von der Hochmölbinghütte gestoßen sind. Jetzt durften die Felle wieder in den Rucksack und wir sind den vorhanden Abfahrtspuren gegen die schon sehr tief stehende Sonne gefolgt. Entlang des nördlicheren Weges am Kirchfeld sind wir durch stellenweise brüchigen Harsch rasch abgefahren. Schließlich ging es hinunter in die Schlucht und durch diese nach Süden drehend zum Hüttendorf auf der Niederhüttenalm mit der Hochmölbinghütte an dessen westlichem Rand.


Der Tag war zwar schon weit fortgeschritten, aber die Einkehr zum Auffüllen der Energiespeicher – vor allem mit viel Flüssigkeit – war jetzt höchst notwendig. Der Heinrich wird jetzt keine Freude haben, wenn er erfährt, dass es statt der von uns verzehrten Tirolerknödelsuppe auch einen Schweinsbraten mit Sauerkraut und Knödel geben hätte. Aber auf diesen hätten wir 20 Minuten länger warten müssen. Und diese Zeit hatten wir definitiv nicht.
Nach der Einkehr aus der warmen Stube wieder in die Kälte hinaus zu müssen, ist nicht lustig. Aber im folgenden Anstieg hinauf auf den Westrücken des Raidling ist uns schon wieder warm geworden, zumal wir auf das Aufziehen der Felle verzichtet haben und daher ordentlich anschieben mussten. Oben angekommen ist die Abendsonne jetzt wirklich schon sehr sehr tief gestanden.


Dass die folgende Abfahrt zur Langpoltenalm entlang des Grazersteigs durchwegs sehr schmal sein würde, war uns bewusst. Dass sie aber größtenteils auch sehr eisig war, war wohl dem Umstand geschuldet, dass am vergangenen Wochenende ca. 250 Gäste auf der Hochmölbinghütte gewesen waren, wie uns der Hüttenwirt erzählt hatte. Und die hatten bei ihrer Abfahrt diesen Bereich ordentlich glatt gehobelt. Die tagsüber einstrahlende Sonne hatte auch ihren Anteil beigetragen. Und mit der hereinbrechenden Dämmerung hatte es bereits wieder ordentlich angezogen.
Froh waren wir, als wir uns auf der Langpodenalm endlich in den Forstweg hineinstellen konnten. In flotter Fahrt ging es talwärts. Immer dunkler ist es geworden. Das Abnehmen und Verstauen der Sonnenbrillen haben zwar kurzzeitig eine Aufhellung gebracht, aber die Dämmerung ist flott hereingebrochen. Auch die Kehren oberhalb vom Schönmoos sind wir jetzt ausgefahren. Nach einigen finalen Stockschüben in der letzten etwas ansteigenden Passage vor dem Schlusshang hinunter zum Parkplatz haben wir diesen wirklich im letzten Tageslicht erreicht und uns so das Aufsetzen der Stirnlampen erspart.


Eine der allerlängsten Tagestouren mit 27,72 km zurückgelegter Wegstrecke, 1.625 hm und 8 Std 54 min am Weg (die Pause in der Hochmölbinghütte habe ich herausgestoppt) wurde mit dem Umziehen und Verstauen der Ausrüstung bei hereinbrechender Finsternis beendet. Mit Schokolade, Koffein und Zucker, gebunkert bei einem Einkauf in Liezen, haben wir uns die für die Heimfahrt nötige Energie geholt.