
Ein hartnäckiger Atemwegsinfekt und ein Pistenskilaufwochenende mit Brigitte und Freunden haben eine längere Tourenpause bewirkt. Der Pistenskilauf am Monte Lussari vor einer Woche hat mich aber von den dortigen guten Verhältnissen überzeugt. Diese galt es gleich am Tag nach Saisonschluss zu nutzen. Tourenpartner war wieder unser Pfarrer Stefan, der – dem Suppensonntag sei Dank – beim Tischgespräch nach der Messe schnell zur gemeinsamen Skitour an seinem freien Montag überredet werden konnte. Während das Begehen der Pisten in Italien sonst bei Strafe verboten ist, konnten wir heute von der Talstation weg auf Skiern ansteigen. Wegen der vereisten Unterlage haben wir von Beginn an die Harscheisen montiert.
Stefan hat seit der letzten gemeinsamen Tour in eine komplett neue Ausrüstung investiert. Das hat sich schon im Anstieg bezahlt gemacht. Die neuen Felle haben – gepaart mit den Harscheisen -hervorragenden Halt gegeben, und die neuen Skibergschuhe haben keine Reibestellen an den Füßen erzeugt. Entsprechend frohgemut sind wir angestiegen und haben uns bei der Mittelstation eine Trinkpause gegönnt.


Von da ging es dann weiter aufwärts. Ein abfahrender junger Italiener hat sich über den schrecklich eisigen Untergrund beklagt, der ihm gleich am ersten Hang – trotz Verwendung von Harscheisen – einen unsanften Abgang mit Schürfwunden an beiden Unterarmen beschert hatte. Wenn Pulvertouren vom Motto „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ geprägt sind, so war es diesmal wohl eher umgekehrt und er war definitiv zu früh dran.
Das wären wir wohl auch noch gewesen. Die nordseitige Abfahrt firnt trotz uneingeschränktem Sonnenschein mit dem flachen Einstrahlwinkel, wenn überhaupt, dann erst sehr spät auf. Da ist uns dann aber die Technik zu Hilfe gekommen. Während unseres Anstiegs über den letzten Hang unterhalb des Bergdorfs haben uns 3 Pistengeräte überholt, die die vereiste und am Vortag noch von den letzten Pistenskiläufern zerfurchte Piste noch einmal aufgefräst und geglättet haben.


Als wir auf Höhe des Bergdorfs waren sind sie mit fröhlichem Winken wieder an uns vorbei talwärts gefahren und haben die präparierte Pistenfläche noch weiter verbreitert. Auch das ist eine außergewöhnliche Situation. Während des Skibetriebs sind niemals Skiläufer und Pistengeräte gleichzeitig auf der Piste. Wir sind dort schon bei dichtestem Schneefall einen ganzen Tag lang auf der Piste im Tiefschnee gefahren. Präpariert wurde erst nach Betriebsschluss am Abend. Der niederpräparierte Neuschneeteppich hat uns dann am nächsten Tag auch viel Freude bereitet.
Durch das Bergdorf sind wir noch auf Skiern bis zur vereisten Treppe angestiegen. Die war dann definitiv der „gefährlichste“ Teil des Anstiegs. Oberhalb der Treppe haben wir noch einmal angeschnallt und sind – durch den überdachten Eingangsbereich vor der Wallfahrtskirche – zum großen Kreuz am Gipfel des Monte Lussari angestiegen.


Den ursprünglich vorgehabten Plan. weiter zur Cima del Cacciatore aufzusteigen, hatten wir schon gleich nach dem Erreichen des Bergdorfs verworfen. Schnell aufziehende Bewölkung aus dem Süden und ein kurzer Graupelschauer während des Umrüstens für die Abfahrt haben uns in diesem Entschluss bestärkt. Bis zur Kirchentür sind wir abgefahren und haben dort abgeschnallt.
Es folgte nun die spirituelle Einkehr am Ende unserer „Skitourenwallfahrt“, für die wir uns ausgiebig Zeit gegönnt haben. Danach wollten wir nicht über die vereiste Stiege wieder absteigen. Daher haben wir die Skier durch die Gasse im oberen Dorfteil getragen, haben dort angeschnallt und sind unterhalb der am Hang klebenden Häuser wieder zum Pfarrhaus am Fuße der Treppe zurückgefahren.


Vorbei an den geschlossenen Lokalen ging es dann weiter zur frisch präparierten Piste. Über diese sind wir dann sehr flott talwärts gebraust. Unterbrochen durch ein Gespräch mit einem aufsteigenden Landsmann sind wir bis in den Flachbereich oberhalb des Zielhangs auf einer durchgehenden Schneedecke abgefahren. Über dünne Schneebänder haben wir auch dort noch immer eine fahrbare Unterlage vorgefunden.
Stefan hat in der Folge mit Rücksicht auf seine neuen Abfahrtsgeräte einmal für wenige Meter abgeschnallt, ich bin mit angeschnallten Skiern über ein Wiesenstück gleich drüber gestiefelt. Über den inzwischen aufgefirnten Zielhang sind wir schließlich bis zu jenem Punkt abgefahren, wo wir in der Früh angeschnallt hatten. Nach dem kurzen Fußmarsch zurück zum geparkten Auto haben wir die Ausrüstung darin verstaut, während der nächste kurze Graupelschauer niedergegangen ist.


Die Fahrt zur kulinarischen Einkehr ist wegen der montags in Tarvis so gut wie flächendeckend geschlossenen Gastronomie etwas länger ausgefallen. In Unterkärnten sind wir dann in dem schon oft besuchten Rasthaus eingekehrt. Ob dem Heinrich meine gegrillten Calamari oder die von Stefan gewählten Backhendlstücke mehr gemundet hätten, wird er mich irgendwann wissen lassen.