
Der Geburtstag von Andreas bürgt für besonders gute Schnee- und Wetterbedingungen. Viermal in den letzten 5 Jahren war das schon so und auch heute haben wir am 2. Tag des meteorologischen Frühlings im Rantental großartige Verhältnisse für eine Pulvertour vorgefunden. Gestartet sind wir diesmal etwas weiter talauswärts, weil der Weg bei der Voralmbrücke abgesperrt war. Direkt neben Armin Höfl, der wegen der schneebedingten Absage des Preberlaufs heute „arbeitslos“ war, haben wir eingeparkt und die Skier anfangs entlang des teilweise ausgeaperten Weges noch getragen. Auf Höhe der Bichlbauernhütte haben wir angeschnallt und den Aufstieg auf Skiern entlang der schon von letzten beiden Touren bekannten Route fortgesetzt.
Bei minus 6 Grad haben wir anfangs unser Tempo hoch gehalten, mit der Sonneneinstrahlung ist uns später auch bei reduziertem Aufstiegstempo wärmer geworden. Vorbei am Rantensee ging es hinauf ins Hinterkar. Wegen der glasig harten Harschflächen unter dem Neuschnee haben wir bald einmal die Harscheisen montiert. Der Blick in den Talschluss hat uns gezeigt, dass die Bindung des Neuschnees mit dem glatten Untergrund nicht nur auf unserer Aufstiegslinie, sondern generell nicht gegeben ist. Entsprechend viele Lawinenkegel haben wir unterhalb des Rantentörls ausgemacht.


Nach der Trinkpause, die wir uns auf der ebenen Fläche im Hinterkar gegönnt haben, ging es über die nächste Geländestufe hinauf ins Wiegenkar. Armin Höfl war zwar vor uns aufgstiegen, hatte dies aber, wie den Fußspuren und der fehlenden Aufstiegsspur zu entnehmen war, mit aufgepackten Skiern – sicher im Laufschritt – erledigt. Ob er das zu Trainingszwecken so wollte, oder ein Problem mit den Fellen hatte, wissen wir nicht, weil er zu diesem Zeitpunkt schon wieder abgefahren war.
So war es uns überlassen, eine frische Spur quer durch das Wiegenkar und danach hinauf in Richtung Wiegentörl zu ziehen. In diesem Bereich war auch kurzzeitig wieder eine Aufstiegsspur vorhanden, weiter hinauf zum Gipfel waren dann aber wieder nur Armins Fußtritte vorhanden. In der windgeschützten Senke unter dem Gipfelaufbau haben wir schließlich auch abgeschnallt und die Skier deponiert.


Nach dem Ergänzen der Oberbekleidung sind wir den kurzen Anstieg über den Grat zum höchsten Punkt am Wiegeneck hinauf gekraxelt und haben den unverwechselbaren Tiefblick über die Kare ins Rantental und zu weiteren bekannten Tourenzielen in der Umgebung genossen. Chris ist zu diesem Zeitpunkt zusammen mit einer Freundesrunde gerade aus dem Hinterkar über die Kante ins Wiegenkar heraufgekommen. Allzu lange haben wir ihnen aber bei ihrer kurzen Zwischenabfahrt ins Kar nicht zugeschaut. Minus 10 Grad und eine frische Brise haben uns bald einmal zum Abstieg animiert.
Am Skidepot habe ich Andreas während es Umrüstens für die Abfahrt das für ihn mitgetragene Geburtstagsbier überreicht. Dieses zu genießen haben wir angesichts der tiefen Außentemperatur auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und ich habe es daher wieder in meinen Rucksack gepackt. Nach dem langsamen Passieren der ersten noch etwas steindurchsetzten Passage sind wir dann neben Armins einsamer Spur durch lupenreinen Pulver hinunter gebraust. Chris und seine Freunde haben am Ende dieser Abfahrt uns dabei zugeschaut und dann gemeinsam mit mir dem Andreas ein Geburtstagsständchen gesungen. Dafür haben wir ihnen ein Drittel 😉 unseres Biervorrats abgetreten.


Der Hang hinunter ins Wiegenkar war zwar etwas schnittig, aber ob der Steilheit immer noch sehr gut fahrbar. Am rechten Rand des Kars sind wir hoch hinaus gequert, kurz abgefahren und haben dann die Gegensteigung hinauf gestaffelt. In der Geländestufe ins Hinterkar war die Schneebeschaffenheit ähnlich wie in der Steilstufe am Kareingang des Wiegenkars. Nach der Flachpassage sind wir den ersten Hang hinunter in Richtung Rantensee wieder auf pulvriger Unterlage abgefahren.
Danach sind wir in einer Schrägfahrt etwa 200 Meter in Richtung Rantentörl und anschließend durch eine noch unverspurte Rinne in Richtung Rantensee abgefahren. Dort hatte sich der Schnee wegen der starken Sonneneinstrahlung oberflächlich schon etwas umgewandelt. Schließlich haben wir etwas oberhalb vom See abgeschwungen, die Felle wieder aufgezogen und in Richtung Rantentörl hinaufgespurt.


Das Ausmaß der Entladungen an den steilen Hängen rechts vom Törl, über die ich vor einer Woche mit Chris abgefahren bin, haben wir jetzt aus der Nähe gesehen. Bei der Spuranlage über die zuletzt steiler werdende Flanke hinauf zum Rantentörl habe ich daher das Gelände entsprechend sondiert und im für mich sicheren Bereich die Spur angelegt. Die ist bei den letzten Kehren dann notgedrungen etwas steiler ausgefallen. Nach einer halben Stunde haben wir den Wiederanstieg neben dem Steinmann beendet und abgefellt.
Jetzt war es auch an der Zeit, das gut gekühlte Bier zu öffnen und auf den Geburtstag von Andreas anzustoßen. Seit mehr als 13 Jahren gehen wir jetzt gemeinsam in die Berge und haben dabei viel erlebt. Den einen oder anderen Moment haben wir jetzt in der Erinnerung wieder aufleben lassen. Viel zu schnell war das Gebraute ausgetrunken, viel mehr noch hätten wir in unserer Erinnerungskiste kramen können. Aber wir hatten ja eh noch die lange Heimfahrt vor uns. Und außerdem kann man hier im Blog auch vieles nachlesen 😉.


Unsere Abfahrtslinie hatten wir schon während des Wiederanstiegs geplant. Dabei galt es vor allem jene Flächen auszunutzen, wo der Schnee sicher noch pulvrig und möglichst vom Wind unbehandelt war. Dafür mussten wir aber erst einmal den Steilhang orografisch rechts vom Törl befahren. Dass auch dort die Bindung des Neuschnees mit der glatten Altschneedecke darunter nicht gegeben sein würde, war uns von vornherein klar. Deswegen haben wir mit einem Stoppschwung die Schneeauflage in Bewegung gesetzt und sind danach über die „geputzte“ Flanke sicher abgefahren.
Möglichst hoch sind wir dann unter den Felsen nach rechts gequert und haben danach die von uns ins Auge gefasste ostseitig ausgerichtete mittelsteile Rinne mit herrlichem Pulverschnee darin genussvoll befahren. In weiterer Folge haben wir dann über die Toreben unsere Zopferl in den Schnee geflochten. Jeder Schwung war ein Genuss und wir haben erst oberhalb der Geländestufe hinunter zum Rantensee wieder gestoppt.


Dort war der Schnee zwar etwas inhomogen, aber immer noch gut fahrbar. Linksseitig sind wir am See entlanggefahren und nach wenigen Metern staffeln hinauf zum Seeriegel dann weiter genussvoll bis zur Wegkehre abgefahren. Während es vor einer Woche am Weg etwas gesaugt hatte, sind wir heute auf dem immer noch kalten Schnee sehr flott talauswärts gebraust. Eingebremst haben wir uns nur kurz bei der Ebenhandlhütte, wo Chris und seine Freunde ihr Tourenwochenende in der Krakau in der Sonne haben ausklingen lassen.
Mit einmal für 10 Meter abschnallen sind wir danach auf einem durchgehenden Schneeband bis zur Voralmbrücke abgefahren und haben erst direkt neben dem Auto abgeschnallt. Nach dem Verstauen der Ausrüstung und dem Wechsel der verschwitzten Wäsche gegen trockene ging es zurück in die Krakau. Anschließend an den Friedhofsbesuch sind wir natürlich eingekehrt. Der Heinrich, der der vielen im Laufe des Winters genossenen Schnitzel mittlerweile schon etwas überdrüssig sein dürfte, darf sich heute über ein Duo vom Krakauer Bergrind (Zwiebelrostbraten, gebratene Beiried, Speckbohnen und Butterspätzle) freuen. Es hat köstlich geschmeckt. Mit einem Weizenbier aus der nahen Bezirkshauptstadt haben wir noch einmal auf Andreas‘ Geburtstag angestoßen und danach unsere Heimfahrt angetreten.
