Bösensteine

mit dabei:

Chris
Aufstieg mit Blick zur Roten Rinne (Bildmitte) mit Einfahrtsvariante (re.)

 

Einen Emmausgang („Besinnlicher Spaziergang am Ostermontag“) haben Chris und ich nach der österlichen Völlerei schon öfters gemeinsam unternommen. Heuer hat sich dafür von den Verhältnissen her der Bösenstein geradezu aufgedrängt. Weil das Schönwetterfenster vor dem Heranrücken der Front laut Prognose nur bis zum halben Vormittag gereicht hat, sind wir in Graz schon um eine halbe Stunde früher als gewohnt gestartet. Nach der Auffahrt über die schneefreie Mautstraße (heuer € 8,- ; d.i. eine Preissteigerung von 33,33% gegenüber dem Vorjahr!) sind wir am Parkplatz unterhalb der Edelrautehütte schon um 7.15 Uhr gestartet.

Vorbei an der geschlossenen Hütte ging es hinauf in Richtung Scheibelsee, das Tourenziel immer im Visier. Chris ist dabei den Inhalt seines Rucksacks noch einmal hypothetisch durchgegangen. Weil die seit der letzten Tour zum Trocknen auf seiner Terrasse liegenden Harscheisen bei der Verteilung der besten Plätze im Rucksack vergessen hatten „Hier!“ zu rufen, hat er dabei gedanklich einen nicht ausgefüllten Leerraum entdeckt. Gleich daneben wusste er aber seine für den Ernstfall eingepackten Steigeisen gut aufgehoben. Mit zunehmender Steilheit hinauf in Richtung Rote Rinne hat er seine Schrittlänge des sicheren Standes wegen etwas verkürzt. Das ist auch seinem Alten Herren zu Gute gekommen und ich habe mit seinem Tempo leichter Schritt halten können. Eine leichte Triebschneeauflage hat zudem die Spur bzw. den Bereich daneben griffiger gemacht und die Sache etwas erleichtert.

Aufstieg mit Tiefblick zum Scheibelsee
Aufstieg am Kl. Bösenstein

 

Die glasige Spur in der Querung hinein am Rand des flachen Kars bzw. die folgende Steilstufe hinauf zur Grünen Lacke waren da schon etwas fordernder. Ich habe daher mittendrin meine Harscheisen montiert und bin Chris gefolgt. Beim weiteren Anstieg entlang der Kehren hinauf zum Kleinen Bösenstein haben sie auch gute Dienste geleistet, während Chris das eine oder andere Mal schon kurz gerutscht ist. Für die letzten Kehren unterhalb des Gipfels hat er daher die Skier aufgepackt und ist neben der Spur hinauf gestapft.

 

Knapp unterhalb des Gipfels haben wir am Rand der geschlossenen Schneefläche ein Skidepot errichtet und sind in wenigen Meter zu den beiden Steinpyramiden am Gipfel hinauf gegangen. Diese haben wir nach einer Aufstiegszeit von 1 Std 55 min erreicht. Chris hat die Zeit unseres kurzen Gipfelaufenthalts vorwiegend dafür verwendet, die beste Abfahrtslinie – vor allem im felsdurchsetzten oberen Bereich – für uns auszuloten.

Festlegen der Abfahrtsroute vom Kl. Bösenstein; im Hintergrund der Gr. Bösenstein mit der Aufstiegsrinne
Abfahrt vom Kl. Bösenstein

 

Dann sind wir das kurze Stück zu den Skiern wieder abgestiegen, haben abgefellt und Bindung bzw. Schuhe in den Abfahrtsmodus getrimmt. Sehr hoch zwischen den Felsen haben wir danach in Richtung Norden gequert und schließlich auf dem nach NO gerichteten Steilhang unsere Abfahrt begonnen. Auf einer recht homogenen Schneedecke mit einer dünnen pulvrigen Auflage war die Abfahrt ziemlich genussvoll. Bis ganz hinunter in den Karboden oberhalb der 3 Lacken, die sich dort zur Sommerszeit befinden, sind wir abgefahren und haben dort unseren Gegenanstieg zum Großen Bösenstein begonnen.

 

Weil Chris wegen der fehlenden Harscheisen auf der nicht auffirnen wollenden steilen Leite etwas weiter oben ohnedies seine Steigeisen montieren hätte müssen, war jetzt die Überlegung, dies sofort zu tun und dadurch das Auffellen einzusparen. Weil ich bei Frühjahrstouren meine Steigeisen auch fast immer dabeihabe, habe ich es ihm gleichgetan. Und mit den gezackten Aufstiegshilfen an den Schuhen haben wir uns für den kürzesten Aufstiegsweg entschieden.

Aufstieg durch die Rinne
Aufstieg über die Gipfelflanke

 

Es ist dies jene Rinne, durch die vor 1 ½ Wochen eine Lawine aus der Gipfelregion abgegangen ist. Der vom Schneebrett mitgerissene Tourengeher ist dabei zum Glück unverletzt geblieben. Der mitverfolgte Zweck dieses Aufstiegs war auch, die Verhältnisse für eine Abfahrt durch die Rinne auszuloten. Wegen stellenweiser Vereisung der Schneeoberfläche habe wir diesen Plan schon während des Anstiegs verworfen.

 

Nach dem Ausstieg aus der Rinne sind wir über die etwas flachere Flanke zum Gipfelkreuz hinauf gestapft und haben dieses nach einer weiteren Aufstiegszeit von einer halben Stunde erreicht. Weil es jetzt ziemlich rasch zugezogen hat, sind wir gleich die paar Meter bis zum Anschnallplatz am Grat abgestiegen. Nach einer kleinen Stärkung wurden die Bindungen und die Schuhe wieder umgestellt. Anschließend sind wir entlang der „Normalroute“ anfangs in Richtung Sattel zwischen den Gipfeln und bei erstbester Gelegenheit in der Direttissima ins Kar abgefahren. Hätten wir vorher gewusst, wie hart und ruppig der Schnee hier war, die Abfahrt durch die Rinne wäre wohl die bessere Option gewesen.

Abfahrt ins Kar
Chris in der Einfahrtsvariante

 

Auch die folgende lange Schrägfahrt in Richtung zur Roten Rinne oberhalb der Grünen Lacke, möglichst hoch unter den Felsabstürzen des Gr. Bösenstein, war hart und ruppig. Zum Schluss habe ich die letzten Meter bis zur Einfahrt in die Rinne hinauf gestaffelt. Chris hat seine Skier gleich auf den Rucksack gepackt und ist an der Einfahrt vorbei den SO Grat bis zur nächsten kleinen Abflachung hinauf gestapft. Dort beginnt jene schmale Rinne, die orografisch links der Roten Rinne verläuft und in diese einmündet. Schon während des Anstiegs ab der Edelrautehütte hatte er diese Variante für sich präferiert, weil darin keine Spuren auszumachen waren und die Schneedecke bei den heutigen harten Verhältnissen daher jedenfalls homogener war.

Ich bin das erste Stück durch die Rote Rinne abgefahren und habe unterhalb der Vereinigung mit der Abfahrtsvariante auf Chris gewartet. Er sollte mit seiner Einschätzung recht behalten, obwohl auch dort die Verhältnisse nicht das Gelbe vom Ei waren. Im weiteren Verlauf der Rinne hat es uns auf dem ruppigen Untergrund dann wieder gemeinsam durchgebeutelt.

Abfahrt durch die Rote Rinne
Blick zurück bei der Abfahrt vom Scheibelsee

 

Nach dem Queren der Aufstiegslinie im Rinnenauslauf sind wir noch durch den Staudengürtel ein Stück bis oberhalb vom Scheibelsee abgefahren und dann entlang des Sees mit ein paar ganz kurzen Zwischensteigungen zur Aufstiegslinie zurückgekehrt. Dieser sind wir dann bis zum Ausgangspunkt abfahrend gefolgt und direkt neben dem geparkten Auto haben wir abgeschnallt.

 

Nach dem Umziehen und Verstauen der Ausrüstung hat sich unsere Heimfahrt noch auf angenehme Weise etwas verzögert. Christoph aus Zeltweg, ein treuer Leser dieses Blogs, hat uns erkannt und uns spontan auf ein gut gekühltes Parkplatzbier aus seinem Kofferraum eingeladen. Dieses haben wir zusammen mit seinem Vater Hans und mit Jürgen, der auch mit den beiden auf Tour war, getrunken. An dieser Stelle sagen wir noch einmal „Danke!“ für die Einladung und für den netten Informationsaustausch über sportliche Betätigungen zur Winters- und zur Sommerszeit.

Parkplatzbier (Jürgen, Christoph, Hans und Chris v.l.n.r.)
Spargel aus dem Lavanttal

 

Etwas durchfroren haben wir uns dann ins Auto geschwungen und uns auf den Heimweg gemacht. Der Heinrich wird hoffentlich den ausgebliebenen Einkehrschwung nicht vermissen, wenn er erfährt, dass uns Brigitte daheim den bei der letzten Tour im Lavanttal nicht zu knapp gebunkerten Spargel aufgetischt hat. Davor gab es noch eine köstliche Bärlauchschaumsuppe, dessen Hauptbestandteil derzeit in großer Menge im eigenen Garten wächst.

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