
Das Wetterpech, das uns bei den Touren auf die Hohe Veitsch und am Kleinen Bösenstein begleitet hat, wäre uns auch am letzten Montag treu geblieben. Eine mittlerweile ausgeheilte Fingerverletzung von Andreas hat uns die Entscheidung leicht gemacht, einen Montag auszusetzen. In den letzten vier Tagen war ich mit meiner Familie zum Pistenskilauf in Tarvis mit Quartier am Lussari. Großartiges Wetter und traumhafte Pistenbedingungen hatten wir. In dieser Zeit hatte ich auch ausreichend Gelegenheit, die Bedingungen abseits der Pisten auszuloten. Und weil die derzeit so grandios sind, bin ich nach der gestrigen Heimreise heute mit Andreas gleich wieder runtergefahren.
Auch mein ehemaliger Kärntner Mitarbeiter Roland hat sich bei der Talstation der Seilbahn in Camporosso zu uns gesellt. Am Pilgerweg müsste man derzeit ca. eine Viertelstunde die Ski tragen. Um dies zu vermeiden, sind wir vom Auto weg über die Skipiste angestiegen. Dies ist während der Skisaison bei Strafe strengstens verboten. Diese war aber am gestrigen Sonntag, unserem letzten Pistenskitag, zu Ende. Und daher war der durchgehende Aufstieg auf Skiern gesichert.


Den in der Früh an der Nordseite noch sehr harten Zielhang haben wir über die flachere linksseitige Pistenschleife, die schon sehr früh Sonne abbekommt, umgangen, Dadurch haben wir anfangs auf die Harscheisen, die in den folgenden flacheren Pistenanschnitten nicht notwendig waren, verzichten können. Erst am Fuß des Steilaufschwungs hinauf zur Mittelstation haben wir sie montiert. Sie sind dann, obwohl die Schneedecke meist griffig und die zusätzliche Aufstiegshilfe nicht unbedingt notwendig gewesen wäre, noch bis zum Abfellen unterhalb der Wallfahrtskirche an den Skiern geblieben.
Nach dem knapp über zweistündigen Aufstieg haben wir dort auf jener Straße, die für das spektakuläre Bergzeitfahren bei der 20. Etappe des Giro d‘Italia im Jahr 2023 errichtet worden war und die im Winter die Skigebiete östlich und westlich vom Monte Lussari verbindet, abgefellt und uns gestärkt. Da wir dabei auch von zu Hause über die Webcam beobachtet wurden, haben wir in dieser Zeit nicht in der Nase gebohrt 😉.


Die erste kurze Zwischenabfahrt haben wir mit einigen Stockschüben im Flachbereich der Ostseite des Lussari begonnen. Dann ging es über die Piste des Prassnig – im Sommer und beim Giro detto Auffahrtsstraße – abwärts. Dabei hat man unser Tourenziel, den Cacciatore mit seinem weiten Kar immer im Blickfeld. An der Engstelle mit der Kreuzwegstation in der Pistenmitte, die wir in den letzten Tagen öfters links oder rechts passiert hatten, sind wir mit Schwung über die Böschung nach rechts hinauf abgebogen und haben dort wieder aufgefellt. Auch die Harscheisen haben wir bei dieser Gelegenheit gleich wieder montiert.
Mit dem von vorangegangenen Besteigungen auf dieser Route bekannten Auf und Ab zu Beginn haben wir uns bei der heuer wieder sehr guten Schneelage dem Kar unterhalb des Cacciatore angenähert. Dabei ist auch die eine oder andere etwas ausgesetzte Passage zu begehen. An der kurzen ausgeaperten Felspassage haben wir abgeschnallt. Roland hat bei dieser Gelegenheit seine stark anstollenden Steigfelle – mit überschaubarem Erfolg – gewachst.


Dann ging es weiter hinauf zu den letzten Bäumen und in einer etwas längeren Querung hinüber zum etwas steileren Hang, welcher zum Kar hinaufzieht. Dort sind wir in einigen Kehren bis zum Rand der Doline am tiefsten Punkt des Kars weiter angestiegen. Nach dem Umrunden derselben ging es dann weiter hinauf an der rechten Seite des Kars.
Nach einigen längeren Kehren haben wir unterhalb der steilen Rinne, die zum Gipfel hinaufzieht abgeschnallt. Für den weiteren Anstieg sind jetzt die Steigeisen an den Skibergschuhen montiert worden. Dann ging es in den Aufstieg durch die schattige Rinne. Knapp vor dem Ausstieg aus der Rinne, wenn man zum ersten Mal über den kleinen Sattel hin zur Wischberggruppe sieht, erlebt man angesichts der alpinen Szenerie einen „Wow“- Moment.


Danach gilt es nur mehr, den kurzen felsigen Aufschwung vom kleinen Sattel hinauf zum Gipfel mit seinem Kreuz und der Friedensglocke mit Bedacht hinaufzusteigen. Das steile Schrofengelände über viele hundert Höhenmeter unterhalb davon mahnt zu entsprechender Vorsicht. Dann steht man am höchsten Punkt und genießt die alpine Szenerie rundherum. Ins Auge stechen die Montasch- und Wischberggruppe im Süden, der Mangart und der Jalovec im Osten, der Dobratsch im Norden und der Tiefblick zum Monte Lussari im Nordwesten.
Um dorthin zu gelangen mussten wir nach der ausgedehnten Gipfelrast bei vollkommener Windstille erst einmal wieder zum Skidepot absteigen. Am Weg hinunter hat uns eine plötzliche Windboe mit einer ordentlichen Ladung Triebschnee zugeweht und unsere Trittspuren zugedeckt. Am Skidepot angekommen wurde für die Abfahrt umgerüstet.


Dann sind wir in die Nordflanke unterhalb des Gipfelfelsens noch ein Stück hineingequert und ab da in der Falllinie abgefahren. Der konservierte, leicht gepresste Pulverschnee war hier und auch am weiteren Weg bis an den Rand der Doline sehr gut fahrbar. Dort sind wir aber nicht mehr der Aufstiegspur gefolgt, sondern weiter geradeaus in die steile Rinne, die linksseitig aus dem Kar in die nächste Geländestufe hinunterzieht, eingefahren. Auch diese Option hatte ich in den letzten Tagen als sicher machbar ausgelotet.
Genussvoll sind wir danach auch weiter nach halblinks durch sehr gut fahrbaren Schnee weiter abgefahren. In der folgende Steilstufe mit lichtem Lärchenwald sind wir auf einem harten Harschdeckel unter der Neuschneeauflage nach links gequert und dort in einer etwas flacheren Rinne mit dünnem Baumbestand wieder genussvoll durch den Pulverschnee talwärts gebraust. Die etwas flachere nächste Passage mit einer kurzen Gegensteigung war auch bald überwunden und nach der kurzen folgenden steileren Geländestufe haben wir auf der „Giro d’Italia“ Straße abgeschnallt, die Felle aufgezogen und uns für den Wiederanstieg zum Monte Lussari fertig gemacht.


Über eine sicher überall 1 – 1 ½ m dicke Schneedecke und einige die Straße querende Lawinenkegel ging es in weiterer Folge wieder zurück hinauf zur Piste mit der Kreuzwegstation in deren Mitte. Von da sind wir dann auf der Piste weiter entlang unserer ersten Abfahrtslinie vom Vormittag an den Fuß des Monte Lussari angestiegen und von der Ostseite schließlich hinauf zum großen Kreuz an dessen höchstem Punkt.
Natürlich haben wir von dort genussvoll zum Cacciatore nach oben geblickt, für ein langes Gipfelzeremoniell haben wir uns aber keine Zeit genommen, weil die Gefahr bestand, dass eine Regenfront aus dem Norden uns während der Talabfahrt erwischen könnte. Daher haben wir flott umgerüstet und sind zur Wallfahrtskirche abgefahren.


Die Kirchentür war verschlossen, die Zeit, den Schlüssel zu organisieren, so wie vor zwei Tagen, als ich bei der Einkehr meine Handschuhe am Seitenaltar liegen gelassen hatte, haben wir uns nicht genommen, sondern nur ganz kurz vor der Kirche Einkehr gehalten. Dann sind wir gleich über die steile Böschung zu jenem Punkt, wo wir am Vormittag erstmals abgefellt hatten, abgefahren. Wir haben uns dadurch den rutschigen Abstieg über die vereiste Stiege erspart.
Über die Piste ging es dann in etwas flotterer Fahrt talwärts. Genussvoller bin ich sicher an den Tagen zuvor mit der Alpinausrüstung für die Piste abgefahren. Aber auch die nach 4 Pistenskitagen und mittlerweile 1.460 Höhenmetern im Anstieg am heutigen Tag etwas ausgelaugte Beinmuskulatur hat sich gemeldet. Deshalb habe ich mir auf Höhe der Mittelstation eine Ration Magnesium gegönnt.


Mit deren Sofortwirkung und dem nach unten hin immer schmieriger werdenden Schnee hat sich das Fahrvergnügen wieder gesteigert. Auch die Sonne hat sich noch einmal gezeigt und wir sind vom befürchteten Regen verschont geblieben. Bis wenige Meter vor dem Auto sind wir über den Zielhang abgefahren und haben dort diese grandiose Tour beendet.
Von Roland haben Andreas und ich uns bei einem gemeinsamen Einkauf im nahen Lebensmittelmarkt verabschiedet und sind – zumindest mit einem gekühlten Getränk ausgestattet – noch ein weites Stück nach Griffen in Unterkärnten gefahren. Dies deshalb, weil auch in Tarvis montags die Restaurants durchwegs geschlossen sind. Dem Heinrich, den das feste Essen sicher mehr interessiert, darf ich aber berichten, dass die kurz gebratenen Scheiben vom heimischen Biorind mit einer Salatbeilage, für die wir uns beide entschieden haben, ausgezeichnet gemundet haben. Dass es davon kein Bilddokument gibt, tut mir leid. Der leere Akku meines Mobiltelefons hat mich gerade in diesem Augenblick in Stich gelassen.
Ein Kommentar
Seeehr cool!!