
Da Capo!
Wanderungen und Touren am Ostermontag werden vielfach – aus der Bibel übernommen – als „Emmausgang“ bezeichnet. Das übernehmen wir gerne auch für unsere heutige Skitour auf bekannten Pfaden. Wohl wissend, dass die Schneelage im südlichen Nachbarland immer noch gut ist und angelockt durch eine für diesen Bereich sehr gute Wetterprognose haben wir die etwas weitere Anfahrt nach Camporosso gerne wieder auf uns genommen. Am Parkplatz bei der Talstation der Gondelbahn sind wir wieder gestartet und haben bereits nach wenigen Metern Ski tragen angeschnallt.
Um die Harscheisen am glasig harten Zielhang nicht gleich montieren zu müssen haben wir diesen wieder über den etwas flacheren Pistenast in der Aufstiegsrichtung links umgangen. Im Einfahrtsbereich des Zielhangs und vor allem in der folgenden Flachpassage wären die zackigen Aufstiegshilfen dann eher hinderlich gewesen und waren daher im Rucksack noch gut aufgehoben.


Am Fuße des langen Hanges hinauf zur Mittelstation haben wir sie dann aber wieder montiert und sie waren – vor allem beim Queren von sehr glatten Abfahrtsspuren – sehr hilfreich. Vorbei an der Mittelstation ging es in flottem Tempo stetig aufwärts. Am Ende des nächsten Steilaufschwungs hat man dann das Dorf am Berg vermeintlich zum Greifen nah vor sich.
Nach der kurzen Flachpassage waren es dann aber immer noch 250 Hm bis wir unterhalb der Wallfahrtskirche an derselben Stelle wie beim letzten Mal erstmals abgefellt und alle Aufstiegshilfen für die folgende Zwischenabfahrt im Rucksack verstaut haben. Für die recht flotte Aufstiegszeit von ziemlich genau 2 Stunden für die 950 Hm bis dahin haben wir uns natürlich eine Extra Belohnung aus der Trinkflasche und auch aus dem Jausensack gegönnt.


Entlang der Straße, die für das Bergzeitfahren des Giro d’Italia im Jahr 2025 errichtet worden war, ging es anfangs mit einigen Schlittschuhschritten flach ostseitig am Monte Lussari vorbei. Dann sind wir über die Piste des Prasnig – den Cacciatore im Blickfeld – bis zur Kreuzwegstation, die dort mitten auf der Piste steht, abgefahren und nach rechts hinauf abgebogen.
Die Felle kamen wieder an die Laufflächen und die Skibergschuhe wurden wieder in den Aufstiegsmodus gebracht. Dann ging es in dem bekannten anfänglichen Auf und Ab in Richtung Cacciatore weiter. Als es nur mehr steil bergauf ging, haben wir des sicheren Standes wegen auch die Harscheisen wieder montiert. Die waren dann bei den folgenden – stellenweise etwas ausgesetzten -Querungen auch sehr hilfreich.


Die kurze ausgeaperte Felspassage, an der wir das letzte Mal abgeschnallt hatten, haben wir diesmal etwas unterhalb umgangen. Die dabei abgebaute Höhe haben wir danach mit einigen etwas steileren Kehren wiedergewonnen. Dann ging es weiter bergauf und nach rechts bis unter das markante Kar.
Um dorthin zu gelangen waren aber noch einige Kehren im Steilhang darunter zu zirkeln. Am Rand der Doline im Kareingang haben wir uns dafür mit einer weiteren Trinkpause belohnt. Dann sind wir im Kar weiter angestiegen. Mit ein paar Kehren mehr, dafür aber in direkterer, steilerer Linie als beim letzten Mal, haben wir wieder jenen Platz unterhalb der Rinne erreicht, wo wir schon beim letzten Mal das Skidepot errichtet hatten.


Weil der Trittfirn sehr gut war und zudem auch in der Rinne schöne Tritte sichtbar waren, haben wir die Steigeisen diesmal im Rucksack gelassen. Nach wenigen Metern bin ich am Rand eines großen Felsens gleich einmal bis zur Hüfte eingesunken. Bodenkontakt hatte ich da noch immer nicht und uns wurde dadurch wieder einmal vor Augen geführt, wie viel Schnee dort oben noch liegt. Mit Hilfe des quergelegten Skistocks konnte ich mich sofort wieder heraushebeln danach problemlos durch die Rinne aufsteigen.
Knapp vor dem Ausstieg aus der Rinne dann wieder jener unverwechselbare Moment, wenn das „Fenster hin zur Wischberggruppe aufgeht“. Da muss ich jedes Mal kurz anhalten und genießen. Auch der letzte, fast vollständig ausgeaperte, Aufschwung vom kleinen Sattel hinauf zum Gipfel war ohne die Steigeisen schnell absolviert und wieder haben wir nach dem Läuten der Friedensglocke den Gipfelaufenthalt mit den schon mehrmals beschriebenen Ausblicken in die umliegende Bergwelt bei vollkommener Windstille genossen.


Diesmal haben wir uns aber auch die Zeit genommen, etwas weiter in Richtung Hohe Tauern zu schauen und da sind einige bekannte und schon bestiegene Ziele wie Hochalmspitze, Ankogel und Großglockner ins Auge gestochen. Für den Tiefblick in die Saisera und zum Monte Lussari, unserem nächsten Tourenziel, haben wir uns natürlich auch Zeit genommen.
Nach der Gipfelrast sind wir wieder in den Sattel und weiter durch die Rinne zum Skidepot abgestiegen. Ohne das Versorgen der Steigeisen geht das Umrüsten natürlich flotter und daher sind wir schon bald in der Abfahrtsposition wieder auf den Skiern gestanden.


Die Abfahrt durch das Kar war je nach Hangexposition auf Schnee von unterschiedlicher Qualität und Tiefe flott erledigt. Ab der Einfahrt in die westseitige Steilrinne, durch die wir auch schon vor zwei Wochen abgefahren waren, hat sich die Schneequalität schlagartig verbessert. Trotz der dort nicht unbeträchtlichen Steilheit war dieser Abschnitt der Abfahrt aus meiner Sicht jedenfalls der beste.
Mit dem Aufweiten des Geländes im Auslauf der Rinne ist der Schnee aber immer tiefer und daher schwerer fahrbar geworden. Daher hat sich das „Radius“ unserer Schwünge sehr verlängert. Da waren schon ein paar sehr lange Schrägfahrten dabei, die im Rückblick vom Monte Lussari dann wie Aufstiegsspuren ausgeschaut haben 😉. Nach dem Überfahren einer Geländerippe haben wir dann aber etwas weiter südlich doch noch einen abgeschatteten Bereich gefunden, wo sich ein noch tragfähiger Harschdeckel konserviert hatte. Da sind sich bis zur anschließenden Querung durch den steilen lichten Lärchenwald noch ein paar schöne Schwünge ausgegangen.


Auch die flachere Mulde nach der Querung mit ihrem lichten Baumbestand war überraschend gut fahrbar. Wieder sind wir bis ans Ende einer Senke abgefahren und danach einige Meter hinauf gestaffelt. Dann waren wir bald einmal oberhalb der „Giro d’Italia Straße“ und haben nach einer kurzen Steilstufe auf dieser wieder für den Wiederanstieg zum Monte Lussari umgerüstet.
Auf der Straße liegen immer noch 1 – 1 ½ m Schnee. Über diese dicke Auflage ging es zurück hinauf zur Kreuzwegstation auf der Piste, wo sich unsere Runde wieder geschlossen hat. Über die Piste sind wir weiter zum Monte Lussari und über dessen Südostseite zum großen Gipfelkreuz angestiegen. Wieder haben wir uns während des Umrüstens für die Abfahrt am herrlichen Blick zurück zum Cacciatore sowie zur Wischberg- und Montaschgruppe dahinter erfreut.


Dann sind wir zur Wallfahrtskirche abgefahren. Deren Tür war auch diesmal zu und daher haben wir die Abfahrt gleich über die Nordseite hinunter fortgesetzt. Von der „Giro Straße“ sind wir jetzt aber nicht gleich in die Hauptpiste abgebogen sondern haben noch einmal abgeschnallt und sind an der Bergstation der Gondelbahn vorbei zum großen Kreuz am Plateau darüber hinauf gestapft.
Weil bei einem Emmausgang die Zahl „3“ eine so wesentliche Rolle spielt, haben wir diesen mit einem dritten Gipfel – ohne wesentliche zusätzliche Höhenmeter – noch etwas verlängert. Mit dem herrlichen Blick zurück über das Dorf am Berg hin zum Cacciatore sind wir anschließend wieder abgestiegen und über die Misconca Piste (Nr.14) sehr genussvoll abgefahren.


Auch nach der Rückkehr auf die Hauptpiste gab es dort noch bis ganz hinunter Butterfirn vom Feinsten. Entsprechend laut jubelnd sind wir daher bis ins Tal abgefahren. Im Zielauslauf, wo wir auf einen Sommersportler mit seinem Fahrrad getroffen sind, haben wir für die kurze Unterbrechung des Schneebands erstmals kurz abgeschnallt und sind danach bis zum letzten Meter auf dem abschließenden Schneefleck noch gefahren. Die paar Meter bis zum Auto zum Auslockern waren dann nicht der Rede wert.
Nach dem Umziehen und Verstauen der Ausrüstung im Auto haben wir die Heimfahrt angetreten. Am Feiertag wären zwar auch in Tarvis ein paar Lokale offen gewesen, aber da ist schon halb Villach daringesessen. Daher sind wir wieder bis Griffen weiter gefahren. Schon am Weg dahin und auch auf der weiteren Heimfahrt – vor allem dann vor der Tunnelkette auf der Pack – haben wir den Osterrückreiseverkehr der Grazer und Wiener am Heimweg von Obertalien voll mitgekriegt. Da sind wir in der Blockabfertigung auch einmal etwas länger gestanden. Aber auch für einen Spargeleinkauf im Lavanttal haben wir uns trotzdem noch die Zeit genommen. Und beim Zwischenstopp hatten wir uns für die verlängerte Heimfahrt ja auch gestärkt. Den Heinrich wird es freuen, wenn er davon – diesmal wieder mit Bilddokument – liest. Die von mir georderten Ripperl haben ganz ausgezeichnet gemundet.
