Hochschwung

mit dabei:

Der Hase
Lonsome

 

Weil meine Tourenpartner wegen Krankheit, beruflicher oder sonstiger Verhinderung ausgefallen sind, bin ich nach langer Zeit wieder einmal nur mit dem Hasen alleine auf Tour gegangen. Gesehen habe ich diesen zwar während des gesamten Tourenverlaufs nie, aber zumindest hatte ich ausreichend Gelegenheit während des Anstiegs auf viele mit ihm gemeinsam absolvierte Touren in der Vergangenheit zurückzublicken. Und da waren sehr schöne und alpine Erlebnisse dabei.

 

Die Tour habe ich am Parkplatz Tubay im Bretsteingraben begonnen. Die Schneelage auf den Wiesen danach ist noch so ausreichend, dass man mit zweimaliger Querung eines geräumten Weges problemlos bis zum Ausgangspunkt abfahren kann. Dafür habe ich mir schon einmal während des Anstiegs die günstigste Route angeschaut. Mit der Abkürzung über die Waldschneise bin ich weiter zum Forstweg, der zur Tubayhütte hinaufführt, angestiegen.

Beginn des Aufstiegs über die Wiesen
Im Bereich der letzten Bäume

 

Der Forstweg selbst ist zwar ziemlich tief geräumt, hat aber für die spätere Abfahrt an jenen Stellen, an denen die Steine durchgeschaut haben, eine Umfahrungsmöglichkeit bereitgehalten. Vorbei an den Hütten bin ich dann bei einer ziemlich kühlen, aus der Gegenrichtung blasenden Brise weiter angestiegen. Über die ersten Geländestufen hinauf zu den letzten Bäumen und auch danach bin ich noch ohne Harscheisen aufgestiegen.

 

Vor dem nächsten Aufschwung habe ich sie dann aber montiert und auch gleich einen Schluck aus der Thermosflasche genommen. Danach ging es weiter hinauf in Richtung Gipfelflanke. In dieser hatte sich schon ein kleines Rudel Gämsen als Begrüßungskomitee versammelt. Offensichtlich war ich ihnen ein bisschen zu langsam unterwegs und daher waren sie, als ich nach einigen langen Kehren dort oben war, längst in Richtung Regenkarspitz weitergezogen.

Gämsen
Am Aussichtsbalkon

 

Nach 2 Std 20 min (mit Pause und einigen Fotostopps) bin ich über die Wechte hinaus gestiegen und habe auf den letzten Metern hinauf zum Gipfelkreuz den kalten Wind aus dem Norden, vor dem ich in der südseitigen Flanke verschont war, zu spüren bekommen. Deshalb bin vom Gipfel auch gleich wieder ein paar Meter an der Südseite abgestiegen und habe mir dort einen Aussichtsbalkon eingerichtet.

 

Auf meinen Skiern sitzend hatte ich in der Stille um mich ausreichend Zeit, die Bergwelt der Umgebung wieder einmal zu betrachten und die Verhältnisse an weiteren möglichen Tourenzielen in den Niederen Tauern auszuloten. Dazu habe ich mir viel Zeit genommen, sollte die Südseite doch bis zu meiner Abfahrt ordentlich auffirnen. Einige Verkehrsflugzeuge über mir und zwei übende Eurofighter unseres Bundesheers haben dann die Stille doch etwas gestört. Und das Sitzfleisch ist trotz untergelegter Handschuhe irgendwann auch kalt geworden. Daher habe ich für die Abfahrt umgerüstet und bin in die Flanke eingefahren.

Blick über den Regenkarspitz nach SO
Einfahrt in die Gipfelflanke

 

Es wäre sicher angezeigt gewesen, die Abfahrt noch etwas später zu beginnen. Die zerfahrene Flanke war immer noch ruppig hart. Aber am äußersten rechten Rand gab es einen schmalen Streifen, der zwar auch noch nicht aufgefirnt hatte, der aber eine homogene und griffige Oberfläche aufgewiesen hat. Darauf bin ich jetzt sehr genussvoll nach unten gecarvt.

 

Am Ende der Flanke bin ich zu meiner Aufstiegslinie nach links abgebogen und dieser dann weiter talwärts gefolgt. Einige wenige Male mussten dabei ein paar ausgeaperte Grasbüschel überfahren werden. Die Geländestufe weiter unten im Kar hatte mittlerweile so viel Sonne abbekommen, dass sich dort der für weiter oben erhoffte Firn eingestellt hatte. Entsprechend genussvoll bin ich über diesen Hang und – mit der Exposition spielend – zwischen den ersten Bäumen auch noch bis zum Beginn des Forstweges abgefahren.

Blick zurück
Abfahrt zur Tubayhütte

 

Danach ging es entlang des Weges in flotter Fahrt zurück zur Alm und über die mittlerweile ebenfalls aufgefirnte Almwiese zurück zum Beginn des geräumten Forstweges darunter. Mit etwas vermindertem Tempo war es dann auch dort kein Problem ohne Steinkontakt wieder die Waldschneise zu erreichen und über diese auf die Wiesen oberhalb des Ausgangspunktes abzufahren.

 

Bei den beiden Wegquerungen habe ich es dann wegen der kurzen ausgeaperten Strecke auch noch unterlassen abzuschnallen und bin mit angeschnallten Skiern darüber gestiefelt. Bei den beiden folgenden Schwüngen habe ich mich dann jeweils besonders bemüht, diese schön in den Hang zu zeichnen, weil man die braunen Spuren sicher noch etwas länger sehen wird 😉.

Zweite Wegquerung
Waidmänner Gerald und Michael

 

Direkt an der Brücke neben dem Parkplatz habe ich wieder abgeschnallt und gleich darauf ein Musterbeispiel davon erlebt, wie Skitourengeher und Jäger gut miteinander auskommen können. Gerald und Michael, zwei benachbarte Revierbesitzer haben sich nämlich dort in der Sonne neben ihren Fahrzeugen unterhalten. Um der Gefahr, sich den Mund fusselig zu reden, zu entgehen, hatten sie sich ein Getränk aufgemacht. So schnell habe ich gar nicht schauen können, hatten sie mir auch schon einen Edelspritzer südsteirischer Provenienz in die Hand gedrückt und mich in ihr Gespräch mit eingebunden.

 

Ihr wichtigstes Anliegen an die Skitourengeher, die – im Bretsteingraben vorbildlich an Schautafeln an den Ausgangspunkten – ausgewiesenen Wildruhezonen zu beachten, gebe ich auch hier gerne weiter. Für die Tour auf den Hochschwung ist dies der Bereich unterhalb vom Regenkarspitz, an dessen unterem Rand man sich als Tourengeher bewegen darf. Wenn es gelänge, schwarze Schafe unter den Tourengehern davon abzuhalten, das bei Strafe verbotene Befahren von Jungkulturen zu unterlassen, die Koexistenz mit den Waldbesitzern wäre sicher auch eine viel angenehmere.

Wildschutzgebiet
Kaspressknödelsuppe

 

Nach dieser „Einkehr unter freiem Himmel“ hätte ich jetzt gleich heimfahren können. Ein bisserl hat dann aber doch der Magen geknurrt. So habe ich einen Zwischenstopp bei der Schaffer Frieda eingelegt und mir eine Kaspressknödelsuppe genehmigt. Das wird jetzt den Heinrich, der dieses „Suppenzeugs“ nicht so gern mag wie handfeste Nahrung, nicht ganz zugfriedenstellen. Vielleicht kann ich ihn mit dem Krapfen, den mir die Frieda noch aufgetischt hat, ein bisserl besänftigen.

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2 Kommentare

  1. Servus Michael!
    Vielen Dank für deinen Kommentar. Es kommt ja nicht alle Tage vor, dass man als Skitourengeher von einem Waidmann eine so positive Rückmeldung bekommt. Darüber habe ich mich, wie auch über unsere Unterhaltung und natürlich den erfrischenden Spritzer nach der Tour, sehr gefreut. Vorgestern waren wir im Nachbartal unterwegs (Hohenwart) und sind hinterher beim Gerald im Lokal eingekehrt. Wir haben ihn zwar nicht getroffen, aber er wird es vielleicht im Tourenbericht lesen.
    Bis hoffentlich bald einmal!
    Franz

  2. Hallo Franz!
    Ich bedanke mich bei dir für die tolle Touren Beschreibung und auch für den appell zur Berücksichtigung des Wildschutzgebietes!
    Ich meine das genug Platz für alle in der Natur ist.
    Wenn man Rücksicht auf den Lebensraum des Wildes nimmt, gibt es ein gutes abkommen mit Jägern und Grundbesitzer.
    Ich hoffe der „Spritzer“ hat dir gemundet!?
    Vielleicht trifft man sich wieder….
    Mfg Michael (Waidmann)