Hohe Veitsch

mit dabei:

Dominik
Die Veitsch hinter dem Grauschleier

 

Und wieder so ein Tag, an dem all die Tourenpartner, in ihren Arbeitsprozessen verhaftet, keine Zeit hatten, mich zu begleiten. Also habe ich beschlossen, den Vormittag alleine auf der Veitsch zu verbringen. Schon bei der Anfahrt hat sich gezeigt, dass das prognostizierte Schönwetter nicht den Erwartungen entsprechen wird. Die Wettermodelle hatten nämlich den Saharastaub in der Atmosphäre nicht in ihren Berechnungen mit drinnen. Die in der verbalen Beschreibung zusätzlich angeführte Sichtbeeinträchtigung war dann aber doch stärker als erwartet.

 

Also bin ich beim GH Scheikl auf der Brunnalm bei diesiger Sicht entlang der ausgeschilderten Tourenroute gestartet. Am Weg hinauf zum Sonnkogel habe ich die eine oder andere Wegkehre entlang einer gut ausgetretenen Spur abgekürzt. Am Sonnkogel war ich angesichts der Fahrverbotstafel für Fahrräder froh, mit dem richtigen Sportgerät unterwegs zu sein 😉. Und die Latten an den Beinen haben auch im weiteren Anstieg wegen der dünnen Neuschneeauflage auf der stumpfen Altschneedecke noch nicht nach den sonst meist hier montierten Harscheisen gerufen.

Erlaubtes Sportgerät?
Gämsen

 

Auf Höhe der letzten Bäume hat mich ein junger Bursche, Dominik aus Mitterdorf im Mürztal, eingeholt. Ihm war durch einen Unglücksfall in der Früh sein Tourenpartner für die geplante Hochschwabtour ausgefallen und daher war er auf seinem Hausberg ebenso alleine unterwegs. Der nicht einmal halb so alte Jungvater in Karenz hat sein Aufstiegstempo eingebremst und wir sind zusammen weiter angestiegen. Im oberen Drittel des Anstiegs zur Hochfläche habe ich wegen des glatten Untergrunds mit der jetzt rutschigen Triebschneeauflage drauf doch die Harscheisen montiert. Einige Gämsen in der Nähe hat dies wenig beindruckt.

 

Vor dem Graf Meran Haus sind wir erst einmal zur Einfahrt ins Hundsschupfenloch hinüber gegangen und haben die Schneeverhältnisse darin als recht einladend empfunden. Und gerade als wir begonnen hatten, für eine Zwischenabfahrt dort hinunter umzurüsten, ist ein Frühaufsteher vom Gipfel kommend neben uns in die steile Passage eingefahren. Nach den ersten schönen Schwüngen im Bereich der sehr griffigen Einfahrt war dann nur mehr Raspeln und Rutschen über den pickelharten Harschdeckel für den Rest des von oben sichtbaren Abfahrtsweges angesagt. Mit liebem Dank an den „Testpiloten“ haben wir auf eine Kopie davon verzichtet, wieder angeschnallt und unseren Aufstieg in Richtung Gipfel rechts vom Graf Meran Haus fortgesetzt.

Tiefblick in das Hundsschupfenloch
Zum ersten Mal am Gipfel

 

Nach oben hin hat zwar der Wind etwas aufgefrischt, aber gegenüber jenen stürmischen Verhältnissen, die ich hier oben schon manchmal erlebt habe, war dies nur ein Lüfterl. Nach einer Aufstiegszeit von insgesamt 1 Std 50 min (mit Pausen) habe ich am Gipfelkreuz angeschlagen. Der Saharastaub hat die Sicht in alle Richtungen getrübt und daher war zusätzlich zum kalten Wind kein Grund dafür gegeben, den Gipfelaufenthalt lange zu zelebrieren.

 

Am Gipfelhang sind wir anfangs im etwas schnittigen Presspulver in die Abfahrt gestartet und auf halber Höhe aus der Mulde nach rechts hinaus gequert. Dann sind wir zur Schallerrinne weiter abgefahren. Einige Gämsen weiter rechts von uns hat dies nicht beeindruckt und sie haben sich in ihrer Nahrungsaufnahme nicht stören lassen.  Die Einfahrt in die Rinne war ziemlich hart und ruppig. Im weiteren Verlauf haben sich zwar weichere Triebschneepakete dazu gemischt, aber die Abfahrt war eher unruhig.

Abfahrt Schallerrinne
Wiederanstieg auf die Veitsch

 

Irgendwann sind wir dann nach links zur Aufstiegsspur hinaus gequert und ungefähr dort, wo wir uns beim ersten Anstieg getroffen hatten, haben wir abgeschwungen und die Felle für den Wiederanstieg wieder aufgezogen. Jetzt habe ich auch gleich die Harscheisen schon hier herunten montiert. Bei etwas aufklarendem Himmel haben wir danach den zweiten Anstieg begonnen.

 

In der mittlerweile schon bedeutend mehr ausgetretenen Spur sind wir wieder zur Hochfläche angestiegen, jetzt aber links vom Graf Meran Haus in Richtung Gipfel weitergegangen. Nach einer Wiederaufstiegszeit von einer ¾ Stunde für die zusätzlichen 400 Hm waren wir zum zweiten Mal am Gipfel. Jetzt wäre zwar die Fernsicht schon etwas besser gewesen, aber die weiterhin kühle Brise hat den Gipfelaufenthalt wieder auf das minimale Ausmaß der Zeit für das Umrüsten in den Abfahrtsmodus reduziert.

Zum zweiten Mal am Gipfel
Zweite Abfahrt über die Hochfläche

 

Anschließend sind wir weiter nach rechts am Gipfelhang hinaus gequert. Auf einem gut zu fahrenden Windharschdeckel sind wir dort zuerst in der Falllinie abgefahren und später ganz nach rechts zur nächsten Schallerrinne abgebogen. Der Saharastaub am Horizont im Westen hat ein Gefühl davon vermittelt, dass die Schneedecke in den Regionen darunter nicht so schön weiß sein wird, wie in der Einfahrt der zweiten Schaller. Wegen des kalten Windes hatte ich mir auch für die folgende Abfahrt in der Rinne keine wesentliche Qualitätssteigerung gegenüber der ersten Abfahrt erwartet.

 

Umso erstaunter waren wir ob der Qualität der fahrbaren Unterlage. Nicht nur die gleichmäßige Struktur des windgepressten Triebschnees an der Oberfläche, sondern auch der Untergrund war hier sehr homogen. Und mit jedem Höhenmeter, den wir abgebaut haben, ist der Schnee durch die Einstrahlung immer schmieriger und noch besser fahrbar geworden. Sehr lustvoll sind wir diesmal viel weiter in der gemeinsamen Verlängerung der beiden Rinnen nach unten gebraust und rechtzeitig nach links auf den Sonnkogel hinaus gequert.

Abfahrt 2. Schallerrinne
Firn auf der Piste

 

Die Abfahrt hinunter zur Bergstation des Schlepplift war schon sehr frühlingshaft. Auf der präparierten Piste weiter hinunter zum Ausgangspunkt beim Scheikl hatte sich dann Butterfirn von jener Konsistenz gebildet, dass eine Steigerung schwer möglich ist. Und weil derzeit dort nur an den Wochenenden Liftbetrieb herrscht, hatten wir die ganze Piste auch für uns. Weil Dominik seinen fahrbaren Untersatz noch weiter unten auf der Brunnnalm geparkt hatte, konnte er noch ein paar Schwünge mehr im Firn ziehen, während ich nach dem Abschwingen meine Ausrüstung im Auto verstaut habe. Irgendwann werden wir uns sicher wieder auf der Veitsch oder auf einem anderen Berg über den Weg laufen und ich wünsche ihm bis dahin alles Gute.

 

Aus der heimischen Küche sind mir faschierte Laibchen mit gebratenem Mangold avisiert worden, ein Gericht, das ich besonders gerne mag.  Daher bauchte diesmal keine Zeit für die Lokalsuche vergeudet werden und schon 1 ½ Stunden später bin ich am gedeckten Tisch daheim gesessen und habe genossen. Das wird abschließend auch den Heinrich freuen und ihn ein wenig über das Ausscheiden von Ajax Amsterdam aus der Champions League hinwegtrösten. „Mein“ FC Porto hat dann am Abend mit dem 1:1 im Achtelfinal Rückspiel gegen Lyon leider auch seinen letzten Auftritt in der diesjährigen Europa League Saison gehabt. Mit der halben Reservemannschaft war da nicht mehr drinnen. Meine portugiesischen Freunde berichten mir, dass der alleinige Fokus auf den Gewinn der heimischen Meisterschaft gerichtet ist. Und da schaut es im Augenblick sehr gut aus. Augenblicklich 6 Punkte Vorsprung und hoffentlich ein Sieg im Lokalderby gegen Boavista am Sonntag mit der Standardmannschaft sollten eine gute Basis dafür sein.

Fasch. Laibchen mit gebr. Mangold

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