Lahnerleitenspitze

mit dabei:

Chris und Andreas
Anstieg am südseitigen Gratrücken

Wenn man an einem Wundertag wie dem heutigen die Möglichkeit hat, auf Tour zu gehen, dann sollte man diese Gelegenheit nicht ungenützt verstreichen lassen. Nach dem starken Temperaturanstieg schon am Vortag hat ein intensiver Setzungsprozess der Schneedecke eine Unzahl von möglichen Tourenzielen eröffnet. Da hat sich wieder einmal die Qual der Wahl aufgetan. Letztlich haben wir uns für einen besonderen Aussichtsberg zwischen dem Schoberpass und dem Radmertal entschieden.

Am Ausgangspunkt in Hinterradmer haben wir Jörg (s. Tour v. 30.1.2022) getroffen, der schon von der Frühmorgentour auf „seinen“ Ochsenriedel (so wird der Gscheideggkogel von den Bewohnern in Radmer genannt) zurückgekommen ist und uns wegen eines beruflichen Termins leider nicht begleiten konnte. Anfangs sind wir den gleichen Weg wie auf den Ochsenriedel, später in Richtung Schafbödenalm aufgestiegen. Zuletzt sind wir aber geradeaus weiter in Richtung Nordflanke der Lahnerleiten abwärts gerutscht.

Aufstieg in Richtung Schafbödenalm
Aufstieg zur Seekaralm

Anschließend ging es mit dem herrlichen Blick über das Radmertal zum Lugauer weiter hinauf ins Lochalpl. Über diese Steilstufe sind wir in einer sehr schön angelegten Spur zur Seekaralm angestiegen. Neben der tief zugewehten Hütte haben wir uns auf Höhe des Dachfirsts eines völlig unter der Schneewehe verschwundenen Nebengebäudes eine Trinkpause genehmigt.

Dann sind wir im Seekar weiter angestiegen. Über die nächste Geländestufe ging es hinauf in den oberen Karboden. Der Blick zurück zum Lugauer mit seiner unverwechselbaren Steilflanke hat unsere Schritte weiter beflügelt. Nach dem Durchqueren des Kars sind wir auf die Einsattelung zwischen Lahnerleitenspitze und Speikkogel angestiegen. Dort haben wir uns, jetzt erstmals mit dem Blick über den Schoberpass in die Niederen Tauern, eine weitere kurze Trinkpause genehmigt.

Aufstieg aus dem Seekar
Anstieg am südseitigen Gratrücken

Entlang des südseitigen Gratrückens ging es dann weiter hinauf zum Tourenziel. Mit den letzten Schritten über die kleine Hochfläche haben wir dieses nach einer Aufstiegszeit von 2 Std 50 min (mit Pausen) erreicht. Jetzt konnten wir uns auch beim Spurgeber Leo aus Oppernitz bedanken. Zwei Burschen aus Linz, deren Namen wir leider nicht erfragt haben, die ab der Seekaralm über die Geländestufe für eine Alternativspur gesorgt hatten, sei an dieser Stelle dafür und auch für das Gipfelfoto noch gedankt.

Da nach meinen Aufzeichnungen bei dieser Tour wieder einmal der Tourenzähler einen Hunderter voll gemacht hat, war jetzt wieder die Traditionskleidung gefragt. Weißes Hemd und Fliege haben auch meinen Tourenkollegen, die bis dahin nichts davon gewusst haben, die besondere Zahl signalisiert. Brigitte hatte mir – auch dies ist schon eine sehr lieb gewordene Tradition – wieder eine kleine Torte in meine Jausendose fabriziert. Ihr gilt an dieser Stelle wieder einmal der besondere Dank nicht nur dafür, sondern auch für ihr Verständnis, die Toleranz und die mir gegebene Möglichkeit, meine Bergleidenschaft in diesem Umfang auszuleben. Nachdem sie mich erfreulicherweise seit dem letzten Winter fallweise auf Touren begleitet, wird sich hoffentlich auch einmal die Gelegenheit bieten, dass wir ein Tourenjubiläum gemeinsam auf einem Gipfel zelebrieren. Ich freue mich darauf.

Jubiläumsschluck auf der Lahnerleitenspitze (re. Leo aus Opponitz)
Der Jubilar am Gipfel

Der süße Gruß auf der einen Seite bedarf einer flüssigen Ergänzung auf der anderen Seite. Und da ist mir nichts Passenderes dazu eingefallen als ein Muskateller Frizzante vom Weingut Adam Schererkogel in Gamlitz. Der Schererkogel ist mein „Lieblingsskiberg“ in der Südsteiermark. Dort gibt es zwar nur alle 10 – 15 Jahre wirklich gut fahrbaren Schnee (s. Touren v. 3.2.2009  und  12.2.2010), aber dafür wächst an seinen Hängen Jahr für Jahr ein von Weinbauernfamilie Adam gekelterter, erstklassiger Wein. Den habe ich jetzt in Flöten gefüllt und wir haben auf das Tourenjubiläum angestoßen.

Während andere Aufsteigende, die vom Leobner Törl gekommen waren, sehr hektisch umgerüstet haben um die erste Spur in den Hang zu zeichnen, haben wir uns diesmal alle Zeit der Welt genommen, das Jubiläum zelebriert und daneben auch die herrliche Aussicht genossen. Einzig das frische Lüfterl hat mich dann doch bald einmal dazu bewogen, das luftige Feieroutfit wieder gegen warme Skitourenkleidung zu wechseln.

Jubiläumsoutfit am Gipfel
Abfahrt über die Gipfelflanke

Nach dem Verstauen der „Jausenreste“ galt es jetzt auch noch, die Skitourenausrüstung in den Abfahrtsmodus zu trimmen. Als auch dies erledigt war, stand einem grandiosen Abfahrtsvergnügen nichts mehr im Wege. Am etwas steileren linken Rand der Gipfelflanke gab es immer noch einen unverspurten Bereich, den wir jetzt mit unseren Schwüngen genussvoll verziert haben. Bis weit hinunter in den Karboden war kein einziger schlechter Schwung dabei. Entsprechend lauthals haben wir zwischendurch unsere Freude kundgetan.

Mit kurzen Zwischenstopps zum genussvollen Zurückschauen haben wir die nächsten Geländestufen flott überfahren und sind schließlich die wenigen Meter bis zur Einfahrt in die markante Steilmulde unterhalb der Rotwand hinauf gestaffelt. Dann haben wir wieder Fahrt aufgenommen. Als ich einen unter der Schneedecke verborgenen großen Stein überfahren habe, hat sich meine ziemlich hohe Geschwindigkeit postwendend gegen Null vermindert. Tourenbindungen öffnen sich gottlob zwar auch irgendwann, wenn die Kräfte entsprechend groß sind, aber davor hat schon ein Band in meinem Knie einen Teil der Energie geschluckt. Ich werde daher während des Schmerzabbaus ein paar Tage pausieren (müssen). Diese Zeit werde ich auch dazu nutzen, die durch den Stein verursachten unübersehbaren Gebrauchsspuren am Ski zu beseitigen.

Der Übeltäter und die sichtbaren Folgen
Schöner Pulver im Lochalpl

 

Im Lochalpl haben wir noch sehr feinen Pulverschnee vorgefunden. Danach ging es entlang der Nordseite der Lahnerleiten in der Aufstiegsspur zurück bis an den tiefsten Punkt. Dort kamen die Felle für den Gegenanstieg wieder drauf. Etwa 10 Minuten später wurden sie dann wieder abgezogen und endgültig im Rucksack untergebracht. Entlang des Forstweges ging es dann zurück zur Abfahrtsroute vom Ochsenriedel und weiter zurück zum Ausgangspunkt der Tour bei der Kapelle.

Jetzt haben wir uns noch den am Gipfel in der Flasche verbliebenen Rest geteilt, die Ausrüstung im Auto verstaut und die Heimreise angetreten. Die haben wir aber schon – und das wird den Heinrich freuen – in Radmer unterbrochen. Beim Erzbergwirt haben wir unseren Hunger mit einem gekochten Rindfleisch mit Röstitalern und einer Fisolensauce gestillt. Sehr fein!

Gek. Rindfleisch mit Rösti-Talern und Fisolensauce

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