N.N. („Silvesterkogel“)

mit dabei:

Chris
Frühlingsoutfit am 31.12. …

Als Chris am Vortag trotz augenblicklich suboptimaler Tourenbedingungen wegen der schon traditionellen Vater-Sohn-Jahresabschlusstour angeklopft hat, da war nicht nur eine möglichst optimale Routenplanung, sondern wegen des zu erwartenden Pappschnees auch die Waxelbank gefordert. Ich kann mich nicht erinnern, jemals Ende Dezember Frühjahrswachs verbügelt zu haben. Chris hat dasselbe mit seinen Skiern gemacht und damit auch einmal möglichst gleichwertige Startvoraussetzungen geschaffen.

Die Anfahrt in den Bretsteingraben war auf den letzten Metern eine ziemlich rutschige Angelegenheit. Blankes Eis zierte auch den Forstweg auf der anderen Bachseite nach dem Überqueren des Stegs. Deswegen sind wir gleich einmal auf die brüchigen Harschflächen daneben ausgewichen. Die waren im Anstieg nicht wirklich störend, haben uns aber schon ein bisschen einen Vorgeschmack auf die spätere Abfahrt in diesem Bereich gegeben.

Früher Tourenstart im Bretsteingraben
Durch Grundlawinen verwüstete Westrinne am Schattnerzinken

Die längere Wegkehre durch den stellenweise schon ausapernden lichten Wald abkürzend sind wir in Richtung Falbalm aufgestiegen. Vorbei an der Hütte ging es dann weiter aufwärts zur Baumgrenze. Ab da hatten wir dann freie Sicht auf die ins Auge gefassten Tourenziele. Einige Grundlawinen hatten die Westrinne des Schattnerzinken verwüstet und dieses Ziel wegen dieser verlorenen Abfahrtsroute daher weniger attraktiv gemacht. Auch an anderen Stellen waren durch den Regeneintrag der letzten Tage einige Lawinen bis auf Grund abgegangen und hatten die kritischen Bereiche entladen.

Auch konnten wir schon von hier unten sehen, dass auch die kammnahen Bereiche durch nasse Schneebretter bereits entschärft waren. Daher haben wir beschlossen vor der zu erwartenden weiteren Erwärmung zuerst jedenfalls einmal auf den namenlosen Gipfel am Ende des Kars zwischen dem Schattnerzinken und dem Seitnerzinken aufzusteigen. Davor haben wir aber einmal Oberbekleidung abgelegt. Bei meinen Ausfahrten mit dem MTB an den Tagen zuvor hatte ich jedenfalls wesentlich mehr Schichten an, als bei diesem Aufstieg.

Gepunktet oder gestreift – wie hätten Sie es gerne?
Südseitiger Anstieg zum namenlosen Gipfel

Chris hat uns dann eine ambitionierte Spur nach oben gelegt. Wir waren vollkommen im windgeschützten Bereich unterwegs und dies hat mit der Sonne im Rücken den Schweißfluss ordentlich angekurbelt. Erst unmittelbar beim Ausstieg aus der Flanke sind wir von einer steifen Brise empfangen worden. Diese hat dann auf den letzten – stellenweise schon ausapernden –  Metern hinauf zum Gipfel von hinten angeschoben.

Nach einer Aufstiegszeit von knapp 2 Stunden waren wir am Gipfel. Wer schon einmal seinen vom Wind weggewehten Ausrüstungsgegenständen nachgewunken hat, wird vorsichtig. Daher habe ich schon vor dem Abschnallen die Skier mit Steinen beschwert. Jetzt haben wir uns noch vor dem Umrüsten für die Abfahrt den weiteren Tourenverlauf überlegt. Der Anstiegsweg zum Schattnerzinken war stellenweise mit ziemlich wenig Schnee gesegnet. Zudem war dieser wegen der Hangexpositition und der fehlenden Steilheit sicher nicht unbedingt gut fahrbar.

Bereit für die erste Abfahrt
Einfahrt in die unverspurte Flanke

Das Gegenteil davon hatten wir schon im Anstieg für die Flanke unterhalb von uns ausgelotet. Nachdem wir über die Grasbüschel zwischen dem Gipfel und der Einfahrt in den Hang noch einmal das frische Wachs an den Laufflächen gebürstet hatten, hat sich diese Expertise aus dem Anstieg vom ersten Schwung an bestätigt. Sehr genussvoll sind wir – unterhalb der Geländekante wieder bei vollkommener Windstille – durch sehr gut fahrbaren nassen Pulverschnee abwärts gecarvt.

Nach einer kurzen Passage mit etwas schnittigerem Schnee im etwas flacheren Mittelteil, war dann auch der nächste steilere Hang wieder bestens fahrbar. Schon nach den ersten genussvollen Schwüngen hatten wir uns darauf verständigt, den Schattnerzinken bleiben zu lassen; dies auch deshalb, weil wir am Anstiegsweg dorthin auch viel länger voll im Wind gestanden wären. Und weil es noch so früh am Vormittag war, haben wir die Felle wieder aufgezogen und sind sehr flott in unserer Spur noch einmal angestiegen. Nach einer halben Stunde weiterer Aufstiegszeit waren wir zum zweiten Mal am Gipfel und haben im frischen Wind das Umrüstprocedere vom ersten Mal wiederholt.

Wiederanstieg zum N.N.
Abfahrt über die nächste Geländestufe

Dann ging es erneut – jetzt durch etwas tieferen Schnee – lustvoll abwärts. Auch der flachere Mittelteil war jetzt bestens fahrbar. Dort haben wir einen kleinen Rechtsschwenk eingelegt um in der nächsten Geländestufe durch unverspurten Sulzschnee weiter abzufahren. Dass sich durch die Steilheit der von uns bewegte Schnee stellenweise selbständig gemacht hat und als große Knollen, die sich zu noch größeren Rädern verwandelt haben, uns gefolgt ist, war einkalkuliert und keinesfalls besorgniserregend. Viel später hätten wir aber bei der weiterhin fortschreitenden Erwärmung hier nicht mehr abfahren wollen.

Auch die nächsten Geländestufen bis hinunter zur Baumgrenze waren noch ganz gut fahrbar. Bis hinunter zur Falbalm war es dann von der Exposition und von der Einstrahlung abhängig, ob der Schwung berechenbar war. Unterhalb der Alm haben wir uns dann in die Aufstiegsspur hineingestellt und sind darin bis zum Forstweg abgefahren.

Abfahrt in den Talschluss
Am Forstweg zurück in den Bretsteingraben

Dieser ist dann mit abnehmender Höhe immer eisiger geworden. Die lange Wegkehre sind wir noch ausgefahren, haben aber danach den sehr eisigen und mit Steinen durchsetzten Weg wieder verlassen. Jetzt hat sich der schon beim morgendlichen Anstieg gewonnene Eindruck von der Brüchigkeit der Schneedecke bestätigt. Da dieser Bereich im Laufe des Vormittags nur ganz kurz Sonne abbekommen hatte, hatte sich daran auch nichts geändert. Da macht man dann im Sinne einer sicheren Abfahrt schon auch einmal eine  Bergab-Spitzkehre und dazwischen eben lange Schrägfahrten.

Noch vor Mittag haben wir neben dem Steg wieder abgeschnallt und mit der Bachquerung über diesen die Tour beendet. Nach dem Umziehen und dem Verstauen der Ausrüstung im Auto ging es motorisiert zur Einkehr bei der Schaffer Frieda. Die hatte zwar am Silvestertag ihr – zumindest in Bretstein – weltberühmtes Ofenbratl nicht anzubieten, dafür hat uns aber die Euro-Suppe, eine Schüssel mit dreierlei Einlage (Strudel, Grießnockerl und ein riesiger Kaspressknödel) für die anschließende Heimfahrt gestärkt. Dass Freund Heinrich, der dem „Suppenzeugs“ eher nicht zugeneigt ist, das dazu getrunkene „flüssige Brot“ aus dem Halblitergebinde mehr geschätzt hätte, nehme ich einmal an.

Friedas Euro-Suppe
Prosit 2022!

Bei der Unterhaltung im Lokal ist uns berichtet worden, dass der von uns doppelt bestiegene Gipfel im Kreise einer einheimischen Skitourenrunde wegen seiner oftmaligen Besteigung am Silvestertag durch diese „Silvesterkogel“ getauft wurde. Das passt ja diesmal auch für uns perfekt. Und weil dem letzten Tag im Jahr der Jahreswechsel folgt, wünsche ich abschließend allen Besuchern meines Blogs ein gutes neues Jahr und viele schöne und unfallfreie Skitouren.

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2 Kommentare

  1. Servus Silvia!
    Danke für das Kompliment. Es freut mich, dass du – was zu erwarten war – noch bessere Bedingungen auf der Tour vorgefunden hast.
    Lg auch an Christoph
    Franz

  2. Servus Franz!
    Vielen Dank für deinen Eintrag im Tourenportal vom 31.12. Ich bin diese Tour heute gegangen (auf deine Expertise ist Verlass 😉 und dann auch noch auf den Schattnerzinken. Die Bedingungen waren heute perfekt- auch bei der Abfahrt vom Schattnerzinken Firn vom Feinsten. Liebe Grüße, Silvia und Christoph