Petzen

mit dabei:

Roland
Die Petzen im Visier (Brücke über das Jauntal)

 

Unzählige Male bin ich in den letzten 1 ½ Jahrzehnten frühmorgens über die Pack in Richtung Westen gefahren, um einen meiner Mitarbeiter im Außendienst irgendwo in Kärnten oder in Osttirol zu treffen. Auch heute habe ich mich aufgemacht, um Roland, einen meiner mittlerweile ehemaligen Kärntner Kollegen zu treffen. Ausdauer, wie wir sie bei elendslangen dienstlichen Besprechungen manchmal gebraucht haben, war auch heute gefragt. Aber ansonsten war der gesamte Tag nur der Bewegung an der frischen Luft im Grenzgebiet zu Slowenien gewidmet. Bei der gemeinsamen Anreise ab unserem Treffpunkt in Griffen hatten wir den Petzenstock schon andauernd im Visier.

In Feistritz haben wir bei der Talstation des Übungsliftes gleich einmal mit angeschnallten Skiern unseren Aufstieg begonnen. Einige Minuten später haben wir dann zwar wieder abgeschnallt und die Skier auf die Rucksäcke gepackt. Ungefähr dort, wo auch bei Touren in den Vorjahren das durchgehende Schneeband auf der Talabfahrt aus dem Skigebiet begonnen hatte, haben wir dann wieder angeschnallt. Beim übernächsten Aufschwung haben wir aufgrund der etwas glasigen Unterlage dann auch noch die Harscheisen montiert. Die waren dann im Spitzkehrengelände auf der steilen Piste eine wertvolle Hilfe.

Anstieg entlang des Übungsliftes
Anstieg entlang der flacheren östlichen Piste

 

Dort, wo sich die Piste in ihre beiden Äste teilt, haben wir uns für den östlichen, flacheren Ast entschieden und sind nach einer kurzen Pause zum Ablegen von Oberbekleidung darin weiter angestiegen. An dessen Ende sind wir dann am Skiweg wieder nach Westen abgebogen. Weil dieser dort nicht künstlich beschneit wird und daher stellenweise schon ausgeapert ist, haben wir die Skier ein kurzes Stück getragen. Jetzt war auch nach knapp 700 Hm eine erste Trinkpause fällig. Dabei kamen die Harscheisen wieder in die Rucksäcke.

 

Entlang der noch halbwegs gut mit (Kunst)Schnee befüllten Piste ging es dann ab der Wiedervereinigung der beiden Abfahrten weiter hinauf zum Skigebiet. Der Ausblick über ganz Unterkärnten fordert in diesem Bereich immer wieder Fotostopps ein. Im Skigebiet angekommen haben wir dann auch gesehen, warum bei unserer Ankunft in der Früh die Gondelbahn schon im Betrieb war, obwohl bereits vor eineinhalb Wochen die Saison beendet worden ist. Die slowenische Skielite hält diese Woche dort oben ihre nationalen Meisterschaften in den Speeddisziplinen ab.

 

Anstieg mit Panoramablick über Unterkärnten; in Bildmitte die Koralpe
Anstieg über die parallel zum Schlepplift verlaufende Piste

 

Das heutige Rennen war schon beendet und wir konnten daher die Piste im weiteren Anstieg ungehindert benutzen. Weil aber der eine oder andere Offizielle noch abgefahren ist, war unterhalb von Geländekanten Vorsicht geboten und wir sind daher vielfach in der direkten Linie am Pistenrand angestiegen. Oberhalb des Hüttendorfes haben wir uns die nächste Trinkpause gegönnt. Das haben wir ob des Schweißflusses dann auch bei der Bergstation des Schleppliftes noch einmal wiederholt.

 

Oberhalb des Skigebietes sind wir dann zum Kniepssattel weiter angestiegen. Einmal bin ich dabei natürlich ganz nah an den linken Rand der Geländekante gegangen, um die Verhältnisse im Trebnikkar, das wir im Vorjahr einmal befahren haben, von oben zu studieren. Vom Sattel sind wir dann ein kurzes Stück in die Senke hinuntergerutscht und gleich weiter in Richtung Kordeschkopf angestiegen.  Am höchsten Punkt des dabei zu überschreitenden Geländerückens haben wir die Bindungen fixiert; zu präsent ist immer noch der Bauchfleck, den ich auf der nächsten Zwischenabfahrt vor ein paar Jahren einmal hingelegt habe, als ich dies nicht gemacht hatte.

Anstieg zum Kniepssattel mit Blick zum Knieps
Schlussanstieg zum Kordeschkopf (li. der Bildmitte der Knieps; re. die Feistritzer Spitze; im Hintergrund der Hochobir)

 

Dann ging es mit den wieder in den Aufstiegsmodus zurückgestellten Bindungen in den Schlussanstieg zum ersten Tagesgipfel. Den östlichsten 2000er der südlichen Kalkalpen haben wir nach etwa 4 ½ Stunden gemütlicher Aufstiegszeit erreicht. Während wir sonst immer rund um die Gipfelrosette und dem das Gipfelkreuz substituierenden metallenen Pickel Rast gehalten haben, so mussten wir diesmal nach dem Abfellen noch ein kurzes Stück in Richtung Westen absteigen.

 

Eine an der Geländekante seit dem Vorjahr dort aufgestellte „Herzerlbank“ lädt mit ihrer Blickrichtung zu den Steiner Alpen zum Verweilen ein. Viele dort in der Vergangenheit bestiegene Skigipfel und dabei Erlebtes hat die Zeit der Gipfelrast dabei ins Gedächtnis zurückgeholt. Weil aber der Schnee bei ununterbrochener Sonnenbestrahlung – auch wenn eine leichte Brise weht – nicht besser wird, hat uns die Zeit zum baldigen Aufbruch gedrängt. Zudem stand ja auch noch der zweite Tagesgipfel an.

Blick vom Kordeschkopf zu den Steiner Alpen
Anstieg zum Knieps; im Hintergrund der Kordeschkopf

 

Zuerst sind wir einmal im etwas schnittigen Schnee an der Nordseite bis in die Senke vor dem Zwischenanstieg über den Geländerücken, der uns auch am Rückweg nicht erspart geblieben ist, abgefahren. Die Felle kamen wieder drauf und am höchsten Punkt haben wir – wie schon am Hinweg – die Bindungen für die Zwischenabfahrt in Richtung Kniepssattel wieder fixiert. Unten angekommen haben wir dann wieder den Aufstiegsmodus aktiviert und sind über den Sattel in ca. 20 min zum Knieps angestiegen.

 

Jetzt sind die Felle ein allerletztes Mal abgezogen und in den Rucksäcken verstaut worden. Bevor es in die knapp 1.500 Hm lange Abfahrt ging, haben wir uns aber natürlich noch einmal gestärkt und die phantastische Rundumsicht genossen. Dann konnte es losgehen. Im etwas tiefen Frühjahrsschnee haben wir den Weg bis zum Kniepssattel schnell wieder abgebaut. Und weil ich dort das flache Gelände mit viel Geschwindigkeitsüberschuss möglichst weit ohne Stockschübe überbrücken wollte, weiß ich jetzt, was ich am nächsten Regentag machen werde. Die nur sehr dürftig mit dem Schnee vom letzten Wochenende überdeckten Steine, die ich dabei überfahren habe,  haben jedenfalls unübersehbare Gebrauchsspuren an den Lauflächen hinterlassen. Belagausbesserungsstifte habe ich zum Glück auch in ausreichender Menge zu Hause gebunkert. Die sind im Frühjahr in den Sportgeschäften oft Mangelware.

Gipfelfreude am Knieps
Abfahrt im Skigebiet

 

Einige Stockschübe waren dann doch nötig, um nach dem flachen Latschengürtel wieder in Fahrt zu kommen. Über den Hang hinunter bis zum Skigebiet war wegen des etwas unberechenbaren Schnees noch eine vorsichtige Fahrweise angezeigt. Danach ging es aber auf der Piste flott weiter. Der schmierige Frühjahrsschnee war in den steileren Abschnitten sehr fein zu fahren, in den Flachpassagen hat die Feuchtigkeit etwas gesaugt und daher gebremst. Ein slowenischer Trainer hatte uns während unseres Aufstiegs gebeten, wegen des am folgenden Tag noch anstehenden Rennens bei unserer Abfahrt die Piste möglichst zu schonen und keine allzu tiefen Spuren in den weichen Schnee zu graben. Deswegen haben wir unseren Schwungradius eher kurz gehalten und sind am Pistenrand abgefahren. Sehr genussvoll haben wir so die schweißtreibend erarbeitete Höhe bis hinunter zum Skiweg abgebaut.

 

Am Weg hat es je nach Sonneneinstrahlung einmal gebremst und in den schattigen Passagen ist es wieder flott dahin gegangen. Wirklich großartig war das Fahrvergnügen dann am langen steilen Hang bis hinunter zur Pistengabelung, wo wir im Aufstieg den anderen Weg genommen hatten. Auch die Hänge danach waren noch sehr gut zu fahren. Ab der Mosthütte ist das Schneeband dann etwas löchrig geworden. Kurze Unterbrechungen in der Schneedecke haben wir gleich am nassen Gras überfahren. So haben wir uns in der Disziplin „Schneefleckerl hupfen“ so lange geübt, bis wirklich nur mehr der ausgeaperte Weg vor uns war.

Talabfahrt
Abfahrt bis zum Ausgangspunkt

 

Mit geschulterten Skiern haben wir vorbei an blühenden Frühlingsblumen den Weg zurück zum Übungslift gehend überwunden. Die ersten Schneeflecken am Übungshang haben wir noch überstiefelt, dann aber noch einmal angeschnallt. Bis wenige Meter vor dem geparkten Auto sind wir dann am Pistenrest noch gefahren und haben am wirklich letzten Schneefleck abgeschwungen.

 

Jetzt wurde die Ausrüstung im Auto verstaut und wir sind zur Einkehr nach Griffen zurückgefahren. Den Heinrich wird interessieren, dass wir uns die auf der langen Tour verbrannte Energie mit einer köstlichen Ingwer-Karottensuppe vorweg und danach mit einem Burger nach Art des Hauses zurückgeholt haben. Beim Kaffee zur Nachspeise haben wir noch einiges, das wir auf der Tour nicht beplaudert hatten, nachgeholt und uns dann wieder in Richtung Heimat verabschiedet. Am Heimweg habe ich nach telefonischer Erkundung noch einen Zwischenstopp im Lavanttal eingelegt. Beim Spargelbauer meines Vertrauens ist exakt heute der erste Spargel der Saison in den Verkauf gekommen.  Der Heinrich, der dieses königliche Gemüse auch mag, darf sich daher mit uns über die Bereicherung unseres Speisezettels für die nächsten Tage mitfreuen.

Burger
Der erste Spargel aus dem Lavanttal

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2 Kommentare

  1. Servus Franz!

    Danke für deinen Kommentar. Es freut mich, dass du mir für meine „ fast -Dissertation“ Plagiatsfreiheit attestierst – und das, obwohl ich kein einziges Zitat angeführt habe 😉.
    Ich freue mich darauf, dich bald einmal am Geographieinstitut oder irgendwo an der frischen Luft wiederzutreffen.

    Lg

    Franz

  2. Lieber Franz,

    wir kennen uns von vom steirischen Tourenforum — u.a. shorty – – – bzw. Prämierungen – – Bierbaron etc. (außerdem begegneten wir uns im März d.J. im Bereich Lamingegg – ich stieg mit meinem Sohn auf – und du warst schon bei der Abfahrt – zu zweit).

    Gratulation zu deinem umfassenden Beitrag (fast eine Dissertation – 100% ohne Plagiat).

    Danke und alles Gute
    Franz