
Nach dreiwöchiger Pause waren wir am heutigen Tag in unmittelbarer Umgebung des letzten Tourenziels endlich wieder auf Tour. Die Pause hatte mehrere Gründe. Am Letzten Montag war die Wetterprognose schlecht und in der Woche zuvor war ich auf Fußballreise in Mittelengland. „Mein“ FC Porto hat dabei im Euro-League Viertelfinale gegen Nottingham Forst nach früher roter Karte zwar unglücklich verloren, die Freude darüber, gemeinsam mit portugiesischen Freunden eine schöne Zeit zu verbringen, war trotzdem groß.
Ungleich mehr noch haben wir uns über die Geburt unseres sechsten Enkelkindes in der letzten Woche gefreut. Der kleine Florentin und Mama Lisi sind wohlauf. Und nicht nur wir Großeltern, sondern natürlich auch Papa Chris und die „großen“ Schwestern Rosalie und Paulina strahlen vor Freude darüber. Chris hat schon sehr bald nach der Geburt überlegt, wann diese kleinen Füße erstmals Skischuhe tragen bzw. zusammen mit ihm auf Skitour gehen werden 😉.


Auch die Sonne hat schon bei Anfahrt auf die Sella Nevea gestrahlt. Dort haben wir anfangs am Parkplatz die Skier aufgepackt und sind entlang des – von unten gesehen – linken Pistenastes aufgestiegen. Dieser ist dort etwas flacher und man muss vom Parkplatz nicht anfangs absteigen. Wir haben aber für die spätere Talabfahrt schon festgelegt, das am rechten Pistenast noch bis fast ganz hinunter vorhandene Schneeband zu nutzen.
Nach ca. 180 Hm haben wir die Skier dann von den Rucksäcken genommen und sind auf Ihnen weiter angestiegen. Sehr flott haben wir Höhe gewonnen und uns nach einer Aufstiegszeit von 1 Std 35 min bei der Capella Degli Alpini, die zu zum Gedenken an die Opfer des 1. Weltkrieges etwas unterhalb der Bergstation der Gondelbahn errichtet wurde, eine Pause gegönnt. Schon von da haben wir die später befahrene Flanke unter dem Felsenfenster, wo wir vor 9 Jahren schon einmal runtergefahren sind, in Augenschein genommen.


Nach der Pause sind wir noch kurz zur Bergstation an- und danach zum Rifugio Celso Gilberti abgestiegen. Dort haben wir die Felle für die kurze Zwischenabfahrt bis auf Höhe der Talstation des Sessellifts abgezogen und im Rucksack verstaut. Im Anschluss an die kurze Abfahrt haben wir dann die Felle wieder aufgezogen.
Unter den gerade in Wartung befindlichen Großraumgondeln, die in einer kühnen Konstruktion ohne Stützen zur Winterszeit die Skifahrer vom Rifugio Gilberti bis etwas oberhalb der Sella Leupa hinaufbringen, sind wir dann über die Piste bis auf die Prevalla aufgestiegen. Über diesen Gebirgspass neben der Talstation des Sessellifts haben wir dann die Staatsgrenze von Italien nach Slowenien überquert.


Entlang der Piste sind wir dann weiter zur Sella del Forato angestiegen. Die Sonne hat unbarmherzig heruntergebrannt. Unterhalb der Gipfelflanke des Monte Forato/Prestreljenik haben wir dann beschlossen, angesichts der Hitze auf die Gipfelbesteigung – im Gegensatz zum letzten Mal – zu verzichten und das Felsenfenster zum Ziel unserer Tour zu erklären. Am Weg dorthin haben wir uns nach einer weiteren Trinkpause am Sattel aber dafür dann nicht den einfachsten Weg ausgesucht. Dieser wäre mit einer weiteren Zwischenabfahrt bis zur zweiten Talstation des Sessellifts (dieser führt mit dem Ausstieg auf der Sella Forato von zwei Seiten über den Pass) und danach durchs Kar hinauf zum Felsenfenster gegangen.
Wir sind aber über die ausgeaperte Lifttrasse und anschließend noch über einen Abgrund bis zur weiten Schneeflanke unterhalb de Monte Forato hinübergekraxelt, haben dort angeschnallt, angesichts der Steilheit des Geländes auch gleich die Harscheisen montiert und eine ambitionierte Spur unterhalb der Felswände hinauf gezogen.


Zum Schluss haben wir die Skier wieder aufgepackt und sind entlang des teilweise ausgeaperten Sommerwegs bzw. danach über Wechten und in der steilen Flanke unterhalb des Felsenfensters hinauf gestapft. An die Steilheit des Geländes jenseits des Fensters konnten wir uns dabei schon einmal ein bisschen gewöhnen.
Nach den finalen Metern entlang der stellenweise zerstörten Seilversicherung haben wir uns dann im Felsenfenster eine Pause zur Stärkung gegönnt. Das beeindruckende Fenster ist eines von mehreren derartigen Naturphänomenen im Kanin Zug. Der Monte Forato /Prestreljenik heißt ja auch aus beiden Sprachen übersetzt „Durchlöcherter Berg“. Der Legende nach ist das Felsenfenster ein stummer Zeuge des Wettlaufs zwischen dem Teufel und der Jungfrau Maria am Weg zum Heiligen Berg, welchen der Teufel trotz dieser von ihm gewählten Abkürzung verloren hat.


Teuflisch steil ist auch der Beginn der nordseitigen Abfahrt aus dem Felsenfenster hinunter zum Rifugio Celso Gilberti, jetzt wieder auf italienischem Staatsgebiet. Anfangs muss man ein Stück abkraxeln. Dabei gilt es natürlich, keinen Ausrüstungsgegenstand dem Steilgelände darunter zu opfern. Ist diese Übung gelungen, dann muss man anschnallen. Und wenn dann die Skier hoffentlich mit den Schuhen eine feste Einheit bilden, dann kann die Abfahrt beginnen.
Angesichts der vereisten, wegen der geringeren Schneelage gegenüber dem letzten Mal sehr schmalen Schneise war anfangs eher hinunterstaffeln angezeigt. Dabei gilt es jeden einzelnen Schritt bewusst zu setzen und abzusichern. Weil die schmale Rinne stellenweise dazu auch stark bombiert ist, hat der Ski mitunter nur an den Enden Halt im Steilgelände. Und da heißt es dann auch im Wissen um einen Felsabbruch darunter: „Nur ja nicht ausrutschen!“


Der Höhenabbau in diesem Bereich ist daher eine eher langsame Angelegenheit. Bis zur erstmöglichen Ausfahrt aus der steilen Rinne unter der Felswand in der Abfahrtsrichtung nach links ohne eine einzige Richtungsänderung hat daher die Oberschenkelmuskulatur schon einmal leichte Krämpfe als Zeichen der Überbelastung ausgesendet.
Als wir dann unterhalb der Wand auf einer auch dort ziemlich eisigen Spur in den weiten Hang daneben ausgefahren waren, hat die Abfahrt erst richtig begonnen. Und die hatte es dann in sich. Sobald wir aus dem abgeschatteten Bereich draußen waren, sind wir über Paradefirn talwärts gecarvt. Immer etwas links haltend sind wir auf die Schulter in etwa am halben Weg der Abfahrt zum Rifugio zugefahren. Dort haben wir einmal ein paar Schritte hinaufstaffeln müssen.


Dafür ist die lange Flanke danach hinunter in die breite Karmulde von der Forcella Tedesca herunter an Abfahrtsgenuss wohl selten zu überbieten. Ein Hochgenuss im Frühjahrsfirn! Bei jedem einzelnen Schwung ist der Firn weggespritzt und nicht nur einmal ist uns ein Jucherzer entfleucht. Bis in den etwas flacheren Bereich vor der letzten Steilstufe hinunter zum Rifugio war kein einziger schlechter Schwung dabei.
Am Beginn der finalen Steilstufe haben wir eine kurze ausgeaperte Felsstufe mit abgeschnallten Skiern überwunden und sind danach bis unter den Felsen, auf dem das Rifugio Celso Gilberti thront, abgefahren. Über den Abhang daneben sind wir zur Piste hinaufgestapft und haben von dort noch einmal genussvoll bis zum Felsenfenster, dem Startpunkt unserer Abfahrt hoch über uns hinaufgeschaut.


Dann haben wir die Talabfahrt über die firnige Piste gestartet. Wegen der schon etwas ausgelaugten Muskulatur haben wir uns die eine oder andere kurze Pause mehr gegönnt. Jetzt haben wir den in Abfahrtsrichtung linken, etwas steileren Pistenast genommen und die am Beginn unseres Anstiegs aus der Entfernung vorgenommene Einschätzung hat uns nicht enttäuscht. Mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung in der Mitte des Schlusshangs, wo wir einmal für ein paar Meter abgeschnallt haben, sind wir bis auf Parkplatzhöhe abgefahren.
Mit geschulterten Skiern sind wir dann in 5 Minuten bis zum Auto angestiegen und haben dort diese großartige Tour beendet. Nach dem Umziehen und Verstauen der Ausrüstung im Fahrzeug war es dann an der Zeit, eine möglichste nahe Einkehrstätte ausfindig zu machen um den mittlerweile trotz viel Trinkens auf der Tour doch sehr großen Durst zu stillen. Und auch der Hunger hat sich gemeldet. Es ist uns diesmal gelungen, in Tarvis fündig zu werden. Der Heinrich darf sich daher – für ihn ungewohnt – von der schmackhaften Pizza ein virtuelles Eck abschneiden.


Gestärkt haben wir uns schließlich in Richtung Heimat aufgemacht. Das am Heimweg von mir getragene T-Shirt wird wohl ein ziemlich eindeutiges Zeichen dafür sein, das Sportgerät zu wechseln und auf Sommersport umzusatteln. Ich habe damit diese für uns trotz der teilweise miesen Schneelage tolle Tourensaison mit dieser Tour beendet. Mit Freude blicke ich auf viele gemeinsame Bergerlebnisse mit Andreas und Chris zurück und bin dankbar, dass die Saison unfallfrei verlaufen ist. Vergelt’s Gott!
2 Kommentare
Danke Geri!
Ja die Tour war herrlich und ein würdiger Abschluss einer trotz durchwachsener Schneeverhältnisse doch sehr gelungenen Saison.
lg
Franz
Eine wunderschöne Tour mit einem sehr gelungenem Bericht, wie immer 🙂
Lg Geri