
Ein ausgedehntes Zusammensitzen in der Nachbarsrunde am Vorabend mit viel flüssiger und fester Nahrungszufuhr, eine während dieser Zeit sehr spät ausgemachte Skitour und die damit verbundene Skitourenvorbereitung weit nach Mitternacht, allesamt eine suboptimale Ausgangslage für eine -schlussendlich trotzdem sehr gelungene – Tour. Nach sehr kurzer Nachtruhe war ich somit sehr froh, dass Chris das Steuer der Familienkutsche übernommen und uns in den Scharnitzgraben bei Pusterwald chauffiert hat. Bei der Goldwaschanlage sind wir bei Minusgraden wieder entlang des vereisten Weges gestartet.
Vorbei an der Rupbauerhütte sind wir bis zu jenem Punkt, wo der Winterweg zum Hühnerkogel abzweigt, hineingewandert. Ab da war der Aufstiegsweg nicht mehr gespurt. Der ausgeruhte Sohnemann durfte daher dem etwas übernächtigen Vater die Spur ziehen 😉. Nach der Bachquerung ging es hinauf zur Pichlerhütte. Dort haben wir uns eine erste Trinkpause gegönnt. Dann ging es weiter hinauf zur Waldgrenze und darüber ins Kar östlich vom Hühnerkogel. Auf halber Höhe sind wir auf eine von rechts kommende Aufstiegsspur vom Vortag gestoßen. Dieser sind wir ein Stück gefolgt und haben sie einige Kehren höher hinaus auf den Plankboden wieder verlassen.


Bei strahlendem Sonnenschein ging es jetzt flach in Richtung Süden und danach leicht ansteigend über den Almzaun zum nördlichen Ende des Gipfelaufbaus unseres ersten Tagesgipfels. Chris durfte diesen Teil des Aufstiegs selbstverständlich wieder spuren 😊. So weit wie möglich sind wir auf stellenweise ziemlich rutschigen Harschflächen noch auf Skiern angestiegen. Die Steilstufe mit den Felsblöcken haben wir danach mit abgeschnallten Skiern überwunden. Dann haben wir für das kurze Stück bis hinauf zum höchsten Punkt noch einmal angeschnallt.
Nach einer Aufstiegszeit von 2 ½ Stunden hat Chris die Gipfelglocke geläutet. Bei – im Gegensatz zum Aufstieg mit Andreas vor knapp 3 Wochen – vollkommener Windstille haben wir den Gipfelaufenthalt zelebriert, uns gestärkt und für die erste Zwischenabfahrt umgerüstet. Diese hat uns auf einer bestens fahrbaren, schmierigen Firnunterlage in den Sattel zwischen Kühlnbrein und Steineck hinuntergeführt.


Jetzt wurde wieder aufgefellt. Auf einem wiederum stellenweise recht glatten Harschdeckel sind wir auf das Steineck aufgestiegen. Dass die Schneeschicht auch noch ziemlich dünn war und deshalb dazwischen viele Steine herausgelugt haben, hat die Sache – vor allem was den schonenden Umgang mit den Steigfellen betrifft – nicht erleichtert. 11 Minuten nach Beginn des Wiederanstiegs haben wir neben dem Gipfelkreuz am Steineck auch schon wieder abgeschnallt.
Wieder haben wir uns eine ausgedehnte Gipfelpause, vor allem zum Betrachten der Bergwelt rund um uns, gegönnt. Wiederum wurde gejausnet, für die nächste Abfahrt umgerüstet und angeschnallt. Danach galt es, den besten Weg zwischen den anfangs vermehrt schneefreien Flächen und Felsplatten bis zu jener durchgehenden Abfahrtslinie zu finden, die wir uns schon während des ersten Anstiegs hinauf zum Kühlnbrein ausgespäht hatten. Mit einmal ein paar Meter Hinaufstaffeln am südöstlichen Vorgipfel zum Zwecke des Umgehens einer aperen und steilen Felsplatte ist diese Übung sehr gut gelungen.


Dann haben wir so richtig Fahrt aufgenommen und sind über viele mäßig steile Geländestufen talwärts gebraust. Jeder einzelne Schwung war ein Genuss. Immer mit der Sonne im Rücken haben wir rasch Höhe abgebaut und uns nur ein paar Mal für einen Fotostopp eingebremst. Der dort noch sehr gut konservierte Pulverschnee war eine perfekte Unterlage und das Skigelände dazu grandios.
Erst im Flachbereich des weiten Kars haben wir abgeschwungen und einmal genussvoll auf die befahrene Strecke zurückgeschaut. Dann haben wir wieder aufgefellt und den letzten Wiederanstieg in Angriff genommen. Chris hat ungefragt wieder das Spuren übernommen, ich habe absolut nichts dagegen gehabt und bin ihm mit meiner wirklich nicht überragenden Tasgesform in seiner Spur gefolgt.


Über die sanft geneigten Hänge unter dem Kühlnbrein, eingeschnittene Gräben immer in weiten Bogen umgehend, hat Chris eine sehr elegante Spur nach oben gelegt, für die mir zu diesem Zeitpunkt ein wenig die Aufmerksamkeit gefehlt hat – zu sehr war ich mit meiner schon leicht krampfenden Muskulatur beschäftigt.
Wieder haben wir den Almzaun – jetzt in der Gegenrichtung – überquert und sind am Steinmann, den wir schon beim ersten Anstieg passiert hatten, vorbei und anschließend zum Plankboden hinuntergerutscht. Über diesen ging es jetzt flach weiter in Richtung Hühnerkogel. Im etwas steileren Schlussteil des Kars haben wir uns in die dort gut ausgetretene Aufstiegsspur eingeklinkt und sind ihr weiter aufwärts gefolgt.


Im letzten Vierteljahrhundert war ich doch schon einige Male am Hühnerkogel. Aber jedes Mal haben wir unseren Aufstieg beim „Gipfelkreuz“ beendet. Dieses steht aber nicht am höchsten Punkt, sondern auf einem vorgelagerten Rücken. Auf diesen haben wir jetzt nach einer Wiederanstiegszeit von 47 Minuten, über einen weiteren dazwischenliegenden Geländerücken hinweg, hinuntergeschaut. Erstmals war ich also bei der in der Karte bezeichneten Kote 2.242 – und das bei völliger Windstille. Der Wind ist es ja auch meist gewesen, der uns bei vorherigen Besteigungen den weiteren Anstieg hierher verleidet hat.
Von ganz oben haben wir jetzt noch genussvoll auf die beiden zuvor bestiegenen Gipfel im Süden und auf die weitere Bergwelt rundherum geblickt. Mit unseren Lieben daheim haben wir kommuniziert und den Jausenvorrat noch einmal dezimiert. Mit der daraus gewonnenen neuen Energie haben wir nach dem Umrüsten unsere Talabfahrt begonnen. Diese haben wir aber schon am Weg hinunter zum „Gipfelkreuz“ einmal unterbrochen, die Ski am dortigen Geländerücken wegen Schneemangels ein Stück getragen und nach dem Erreichen eines durchgehenden Schneebandes wieder angeschnallt.


Auf Höhe des Kreuzes haben wir noch einen kurzen Fotostopp gemacht und danach den ausgeaperten Stacheldraht mit der kleinen Steinschlichtung darunter vorsichtig überfahren. In der folgenden Mulde darunter war anfangs auch noch wenig Schnee, aber ab dem kleinen Sattel, auf dem wir ins nordostseitige Kar abgebogen sind, war dann wieder Fahrspaß pur angesagt.
Auch hier hatte sich noch schöner Pulverschnee konserviert. Der war zwar schon mit ein paar Spuren verziert, aber links und rechts daneben gab es immer noch genug Platz, um unsere Spuren in die Hänge zu zeichnen. Das haben wir mit großem Genuss getan. Bis weit hinunter war der Schnee von gleichbleibender Qualität. Erst auf den flacheren Hängen der Scharnitzalm ist er dann etwas schnittiger geworden. Das hat uns dazu veranlasst, sofort die Exposition zu wechseln. Wir sind weit nach links unter die Ausläufer des Scharnitzfelds gequert und dort weiter abgefahren. Durch die südseitige Ausrichtung war der Schnee hier firnig schmierig. Auf dieser neuen Unterlage sind wir dann weiter genussvoll bis zum Erreichen des Forstwegs hinunter gecarvt.


Die lange Wegabfahrt mit dem zweimaligen Abschneiden einer Wegkehre über weite, meist ausgefahrene, einmal aber auch noch pulvrige Almflächen war dann die Mammutaufgabe für meine ausgelaugte Beinmuskulatur. Der vorausbrausende Sohnemann hatte seinen Spaß und ich bin ihm irgendwie gefolgt. Bis zur Goldwaschanlage war der Weg mit einer kleinen Umfahrung auf Höhe des Kraftwerks sehr gut fahrbar und direkt neben dem Auto haben wir nach etwas mehr als 6 Stunden am Berg abgeschnallt.
Die schweißnasse Kleidung wurde gegen trockene gewechselt, die Ausrüstung im Auto verstaut und Chris hat sich wieder hinter das Lenkrad geklemmt. Auf anfangs noch etwas vereister Straße hat er uns bis zum Einkehrstopp in Pusterwald chauffiert. Samstags hat dort der Jagawirt geöffnet. Da gibt es auch für diejenigen, die länger am Berg unterwegs waren, eine kleine Nachmittags-Speisekarte und daneben meist noch ein Extramenü. Diesmal hat uns die überaus nette Wirtin Marlene ein Rindsgulasch offeriert. Beide haben wir uns für dieses entschieden und dabei einen sehr guten Griff getätigt. Das hätte sicher auch der Heinrich bestätigt, wäre er dabei gewesen. Chris hat auch noch Marlenes Angebot betreffend Nachschlag angenommen. Sein Teller hat sich daher noch einmal gefüllt (und natürlich wieder geleert 😉). Dafür und auch für den zum Kaffee gereichten Kuchen sagen wir der Marlene auch an dieser Stelle noch einmal „Vergelt’s Gott!“
