Zeiritzkampel Ostkar

mit dabei:

Chris
GenuTrain

 

Vier Tage war der Franz nun krank, jetzt fährt er wieder Gott sei Dank! Brigitte meint ja, dass schönes Wetter und eine deshalb nicht mehr aufschiebbare Skitour die Heilkraft von medizinischem Fachpersonal für alle meine Wehwehchen bei Weitem in den Schatten stellen. Ein Pharmakonzern, der u.a. schmerzstillende Gels herstellt, darf sich allerdings auch über Umsatzzuwächse freuen. Nachdem auch noch die Stabilität des bei der letzten Skitour ramponierten Kniegelenks durch ein GenuTrain abgesichert war, bin ich heute früher als erwartet wieder auf Tour gegangen.

 

Treibender Motor war wieder einmal Chris, auch wenn er frühmorgens ziemlich müde nach dem nächtlichen Einsatz am Wickeltisch zu mir ins Auto gestiegen ist. Das von ihm schon lange angesprochene Wunschziel war der Zeiritzkampel über eine nicht alltägliche Aufstiegs- und Abfahrtsroute. Sein markantes Ostkar glänzt bei allen Touren in den östlicheren Eisenerzern bei guter Sicht immer wieder einladend in der Vormittagssonne. Und außerdem ist es auch schon ein paar Jahre her, dass ich den Zeiritzkampel das letzte Mal über diese Route bestiegen und befahren habe. Damit war nach dem Studium des sehr günstigen Lawinenlageberichts das Tourenziel festgelegt.

Zeiritzkampel Ostkar (Blick vom Stadelstein 6.2.2021)
Anstieg in den Talschluss

 

Beim Forsthaus Thon in der Kurzteichen haben wir eingeparkt. Neuerdings gibt es auch dort, so wie in einigen anderen Gräben mit beliebten Tourenausgangspunkten, das 8 – 16 Uhr Parkzeitlimit. Zuerst sind wir entlang des Achnerbachs und danach über die Waldstufe zur Jagdhütte Kießling angestiegen. Ab da ging es dann hinauf über die Achneralm bis in den Talschluss. Große Lawinen an der Westseite der Achnerkuchl haben dabei ebenso unsere Aufmerksamkeit auf sich gelenkt wie die riesigen Entladungen im Talschluss. Aber genau die braucht es, damit man dort gefahrlos ins Ostkar ansteigen kann.

 

Im unteren Drittel dieses Anstiegs haben wir des sicheren Standes wegen die Harscheisen montiert. Zwischendurch sind wir auch einmal über ein großes Schneemaul drübergestiegen. Wenn man da 1 -2 m in die Tiefe blickt, erinnert das schon an Gletscherspalten – nur dass eben darunter der grasige Boden, der die Gleitfläche bildet, herausschaut. Nach dem Queren des großen Lawinenkegels mit ziemlich harten Schleifrinnen, in denen die Skier üblicherweise wenig Auflagefläche haben, gab es dann sehr griffigen Schnee für die immer noch steilen restlichen Kehren hinauf ins Ostkar.

Über das Schneemaul
Aufstieg im Ostkar

 

Im Kar sind wir noch bis auf den Absatz am Ende des Felskegels, der das Kar im untersten Abschnitt teilt, angestiegen und haben uns dort eine Trinkpause gegönnt. Danach ging es in den langen von Matthias Pilz (Danke für die Spur!)  gezogenen Kehren anfangs mittig, später an der rechten Seite und schließlich knapp unterhalb des Ausstiegs links im Kar nach oben. Durch den stetigen Wechsel von nassem und trockenem Schnee hatte Chris mit anstollenden Fellen zu kämpfen und er hat daher zwischendurch einmal abgeschnallt um die Stollen abzukratzen. Da bedarf es beim Ab- und Anschnallen im Steilgelände natürlich einer guten Standfestigkeit, wie sie auch für die Spitzkehren bei knapp unter und zwischendurch auch einmal über 40 Grad unerlässlich ist.

 

Nach dem Ausstieg aus dem Kar sind wir noch in einem stetigen Auf und Ab entlang des leicht überwechteten Grats bis zum ersten Steilaufschwung auf Skiern weiter gegangen. Dort haben wir ein Skidepot errichtet und die Steigeisen montiert. Danach ging es am Grat weiter hinauf in Richtung Gipfel. Diesen haben wir nach einer gemütlichen Aufstiegszeit von 3 Std 20 min (mit Pausen) erreicht.

Gipfelfreude
Lawinenaktivität an der Südflanke

 

Jetzt haben wir uns neben der Stärkung ausreichend Zeit zum in die Nähe und in die Ferne schauen gegönnt. Am meisten hat da natürlich die extreme Lawinenaktivität an der Südflanke unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Trotzdem wäre es an diesem Tag möglich gewesen, diese zwischen den Lawinenbahnen, die Schneemäuler und Felsstufen umschiffend, auch zu befahren. Und es ist auch gemacht worden.

 

Wir aber wollten von Beginn an durch das Ostkar auch wieder abfahren. Daher sind wir entlang des Grats wieder abgestiegen. Beim Skidepot haben die Steigeisen wieder ihren Platz im Rucksack eingenommen. Die Felle und die Harscheisen sind hingegen weiterhin an den Skiern geblieben. Bei der Wellenbahn über die Wechten zurück ans obere Ende vom Ostkar waren sie eine wertvolle Unterstützung. Dort haben wir dann abgefellt und unsere Ausrüstung in den Abfahrtsmodus getrimmt.

Bereit für die Abfahrt
Abfahrt im Ostkar

 

Danach stand einem großartigen Abfahrtsvergnügen nichts mehr entgegen. Weil wir im Anstieg ausreichend Zeit gehabt hatten, die Schneekonsistenz zu studieren, haben wir die ersten Schwünge ganz links an der Wechtenkante gesetzt. Und da wir das gesamte Kar für uns hatten, haben wir in weiterer Folge mit der Exposition gespielt. In langen Schwüngen sind wir durch oberflächlich angefirnten, darunter aber vielfach noch pulvrigen Schnee hinunter gecarvt. Im Schlussteil haben wir uns an den schattigen rechten Rand geschlagen und haben dort unsere Schwünge im – stellenweise leicht windgepressten – lupenreinen Pulver gesetzt.

 

Die schattige steile Einfahrt in die Geländestufe zur Achneralm hat uns auch noch mit pulvrigem Schnee verwöhnt. Ab dem Augenblick, wo wir danach in der Sonne unterwegs waren, ist der Schnee schlagartig firnig geworden. Der Lawinenkegel hatte seit dem Aufstieg auch aufgefirnt und war daher viel angenehmer zu queren als im Anstieg.

Einfahrt in die steile Geländestufe(1)
Firnvergnügen im Talschluss

 

Die weitere Abfahrt bis hinunter zur Alm war dann ein Genuss mit Butterfirn als bestens fahrbarer Unterlage. Jeder Schwung war ein Genuss und es sind uns dabei schon auch ein paar Jucherzer ausgekommen. Mit der Änderung der Exposition und dem flacheren Einstrahlwinkel hat sich auf den Almböden das Abfahrtsvergnügen im Brucharsch bald ins Gegenteil verkehrt. So schnell wie möglich haben wir uns daher in die Aufstiegsspur hineingestellt und sind bis zum Hubertus-Bildstock beim Jagdhaus Kießling darin abgefahren.

 

Auch die Waldstufe darunter war in langen Kehren wieder ganz gut fahrbar. Entlang des Achnerbaches gab es dann wieder den schon von der Alm weiter oben bekannten schnittigen Schneemix. Schließlich sind wir ab der Rehfütterung vorbei am Forsthaus am geräumten Forstweg bis zum Parkplatz abgefahren und haben direkt neben dem Kofferraum abgeschwungen.

Abschwingen am Ausgangspunkt
Wiener Schnitzel mit Reis

 

Nach dem Verstauen der Ausrüstung ging es dann über die glatte Straße zurück hinaus nach Kalwang. Wieder einmal sind wir in der Raststätte eingekehrt. Und hätte der Heinrich wählen können, ich bin davon überzeugt, dass er sich unter den angebotenen Menus auch für das „2er“ mit Schnitzel und Reis entschieden hätte. Davor gab es eine Suppe mit Tiroler Knödel. Den Krapfen zum Kaffee haben wir uns geteilt und dann ging es schnurstracks nach Hause. Rosalie wollte nicht nur von Mama, sondern auch von Papa durch die Nachmittagssonne geschaukelt werden.

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